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Sony MDR-1000x im Test: Geräusch- und kabellos

Sony MDR-1000x
geschrieben von Mark Kreuzer

Den ersten Flug mit einem Noise Cancelling Kopfhörer vergisst man nie. Wegen eines ausgefallenen Fliegers stand ich vor 3 Jahren in Seattle und hatte erst mal einiges an Stress, bis ich auf einen neuen Flug noch am gleichen Tag umgebucht wurde. Nach all der Aufregung wollte ich mir etwas gönnen und habe mir kurzentschlossen ein paar Bose QC25 gekauft. Der Flug bleibt mir deshalb so in Erinnerung, weil Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung sich wie ein kleines Mini Upgrade anfühlen.

Vor meinem letzten Flug von Frankfurt nach San Francisco war es an der Zeit einmal zu schauen, was sich auf dem Markt in den letzten Jahren getan hat. Auf meiner Reise durch Deutschland und die USA bietet sich mehr als genug Zeit neue Kopfhörer ausgiebig zu testen. Da der Sascha ja den Bose QC35 schon getestet hat und von diesen Noise Cancelling Kopfhörern absolut überzeugt ist, wollte ich mich auf die Suche nach einem Gerät machen, welches das Potential hat, die Bose QC35 von dem Thron zu stoßen.

Gelandet bin ich beim Sony MDR-1000X, der technisch einiges mit dem QC35 gemeinsam hat. Aber statt sich nur auf Geräuschunterdrückung zu konzentrieren, hat Sony dem MDR-1000X ein paar sehr nützliche Extras spendiert, welche die Alltagstauglichkeit enorm erhöhen.

 

Sony MDR-1000x

Es gibt kaum etwas cooleres, als im lauten Flieger per Knopfdruck die Umwelt ruhig zu schalten. Selbstverständlich kann ich auch normale Kopfhörer so laut stellen, dass ich von der Umwelt nichts mehr mitbekomme – aber zum einem ist das nicht gut für die eigenen Ohren und zum anderen oftmals auch störend für die Personen im näheren Umkreis.

In lauter Umgebung finde ich es unglaublich angenehm, Musik leise zu hören und trotzdem von den Umgebungsgeräuschen isoliert zu sein. Seit jenem Tag begleiten mich meine Kopfhörer auf jedem längeren Flug. Wie gut die Sony MDR-1000X sind, auch im Vergleich zu den QuietComfort von Bose, will ich euch im folgenden Test schildern

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Verarbeitung und Design

Die Sony MDR-1000X kommen in einem schlichten und edlen Design daher. Schon beim ersten Griff merkt man, dass sich die Kopfhörer sehr hochwertig anfühlen – bei einem Preis von 400€ kann man das auch erwarten. Gerade im ersten Moment habe ich mich gefragt, ob die Sony MDR-1000X nicht fast schon ein wenig zu schlicht sind. Aber wenn ihr Kopfhörer wollt, die so auffällig wie ein Feuerwehrauto sind, solltet ihr vielleicht lieber zu einer Marke wie Beats by Dr. Dre greifen ;-).

Ein wenig gewöhnungsbedürftig war, dass die Umspannung der Ohrmuschen im Außenbereich aus Kunstleder sind. Von der Haptik her ist das anders als das was man sonst von hochwertigen Kopfhörern gewohnt ist. Es fühlt sich aber definitiv besser an als eine einfache Plastik-Karosserie.

Der Sony MDR-1000X ist ein Over Ear Kopfhörer – dass heißt, die Ohren werden beim Tragen komplett verdeckt. Die Ohrmuscheln sind bequem gepolstert und mit einem weichen Leder bespannt. Bei meinen Bose QC25, bei denen die Ohrmuscheln ebenfalls mit Leder bezogen sind, habe ich immer wieder festgestellt, dass meine Ohren schnell heiß wurden. Dies ist gerade beim längeren Tragen unangenehm.

Das weichere Leder der MDR-1000X macht hier einen deutlichen Unterschied. Auf meinem ~11h Flug von Frankfurt nach San Francisco habe ich die Kopfhörer nicht ein einziges Mal abgezogen, dazu später mehr. Soweit, die Ohrmuscheln „atmungsaktiv“ zu nennen, würde ich nicht gehen, aber sie sind definitiv keine Ohrensauna wie andere Produkte auf dem Markt.

Der MDR-1000X wird mit einem passenden Transportetui geliefert in den sich der Kopfhörer platzsparend zusammengeklappt transportieren lässt. Da der Zusammenklappmechanismus, gerade wenn man den MDR-1000X neu hat, ein wenig an Origami erinnert, liegt im Etui ein Inlay das die korrekte Transport Position zeigt.

Nach einigen Malen des Zusammenklappens hat man den Bogen aber raus. Das Etui orientiert sich stark an dem des QC35, und hat auf der Rückseite ein Meschnetz in dem man schnell eine Kleinigkeit verstauen kann. Das Etui bietet außerdem eine kleine Innentasche in den der im Lieferumfang enthaltene Airline Adapter reingelegt werden kann. Leider wurde bei Sony vergessen, auch im Inneren noch ein weiteres dieser praktischen Netze anzubringen – was dazu führt, dass man im Inneren keinen richtigen Platz hat um das 3,5mm Audio Kabel ordentlich zu verstauen.

Das scheint zwar im ersten Moment nur ein kleines Detail zu sein, führt aber bei in der Praxis dazu, dass ich das Kabel immer in der Außentasche mittransportiere – was wiederum dazu führt, dass diese immer ausgebeult ist und nicht wirklich für was anderes benutzt werden kann.

Bedienung

Die Funktionsweise eines Kopfhörers sollte jedem wohl bekannt sein. Aber da Wireless Kopfhörer in der Regel nicht einfach eingesteckt werden und losplärren, macht es Sinn, sich die Bedienfreundlichkeit des Sony MDR-1000X was genauer anzuschauen.

Das Koppeln meines Smartphones ging dank NFC sehr intuitiv und auch extrem schnell. Aber auch mit einem nicht NFC-kompatiblen Gerät hat man diese Prozedur schnell hinter sich.

An der linken Seite des Kopfhörers befinden sich drei Knöpfe: Power / NC / Ambient Sound. Wenn man den Power Knopf während des Betriebes drückt, gibt eine freundliche Frauenstimme Auskunft über den Ladezustand des Kopfhörers. Mit NC kann man die Geräuschunterdrückung ein- und ausschalten.

Hinter dem Knopf Ambient Sound versteckt sich eine der wohl größten Besonderheiten des MDR-1000X. Der Modus Ambient Sound nutzt die Mikrofone, die sonst zur Geräuschunterdrückung genutzt werden dazu, dass ihr neben der Musik auch die Umgebungsgeräusche hören könnt. Eine Funktion die besonders dann super ist wenn ihr Unterwegs seid und mitbekommen wollt was um euch herum passiert. So verpasst ihr zum Beispiel im Wartebereich keine Durchsage mehr. Der Modus Ambient Sound hat den Modus „Normal“ und „Sprache“. Bei dem Modus Normal werden alle Geräusche parallel zur Musik mitgespielt. So kann man zum Beispiel den Kopfhörer auch beim Fahrradfahren nutzen und muss keine Sorge haben, dass die Geräuschunterdrückung des MDR1000X das Hupen des LKWs herausfiltert. Der Modus Sprache versucht Nebengeräusche rauszufiltern, so dass man nur Sprache neben der eigentlichen Musik hört. Dies bietet sich an wenn man im Büro sitzt und mitbekommen möchte wenn man angesprochen wird.

Ein weiteres cooles Feature des MDR-1000x ist, dass man wenn man die Rechte Ohrmuschel mit der Hand abdeckt die Musik stummgeschaltet wird und man nur das hört was um einen herum passiert. Unter dem Leder der rechten Ohrmuschel befindet sich auch eine Art Touchpad mit der man die Musik und die Anrufannahme steuern kann. Doppeltippen startet/stoppt die Musik bzw. nimmt einen Anruf entgegen oder beendet diesen. Durch Scrollen nach oben, bzw. unten kann man die Lautstärke regeln und links, rechts dient zum Titel überspringen wiederholen.

Noise Cancelling Qualität

Kommen wir aber nun zu der wichtigsten Frage: Wie gut ist die Geräuschunterdrückung? Getestet habe ich den MDR-1000x im Flugzeug, in der Bahn und im Büro. Grundsätzlich hat mir die Geräuschunterdrückung sehr gut gefallen. Besonders im Flugzeug funktioniert das Noise Cancelling sehr gut. Leider ist bei leiser Lautstärke ein kleines Grundrauschen zu vernehmen. Gerade wenn man versucht auf einem Langstreckenflug ein wenig Schlaf zu bekommen, war das ein wenig störend. Durch langes drücken der NC Taste wird eine Autokalibrierung gestartet. Der Kopfhörer spielt dann einige unterschiedlich hohe Testtöne und optimiert die Geräuschunterdrückung auf die Umgebungsgeräusche. Dadurch wurde das NC noch mal besser.

Auch in anderen Szenarien wie im Büro oder in der Bahn macht es Sinn, gelegentlich die Kalibrierung durchzuführen. Ab einer mittleren Lautstärke funktioniert das NC hervorragend. Man ist wirklich komplett von der Umwelt abgeschnitten. Gerade im öffentlichen Raum ist immer wieder faszinierend zu sehen wie andere Menschen sich unterhalten man selber aber überhaupt nichts anderes als die eigene Musik mitbekommt.

Sony MDR-1000x

Audio Qualität

Ein Disclaimer vorweg: Ich bin kein sonderlich audiophiler Mensch. Außerdem glaube ich, dass wir Klang alle unterschiedlich wahrnehmen. Deswegen werde ich in diesem Abschnitt nur kurz meine subjektiven Eindrücke schildern.

Das Musikhören mit dem MDR-1000x hat mir Freude bereitet. Egal, ob man die Musik auf voller Lautsärke oder eher leise hört, der Klang ist immer glasklar. Insgesamt würde ich den Klang eher neutral bezeichnen. Gerade bei Musik mit vielen Bässen war mir der Kopfhörer ein wenig zu ausgeglichen. In den Tiefen hätte ich mir durchaus ein wenig mehr „Bauch“ gewünscht. Dennoch glaube ich, dass dieses gut ausgewogene Soundprofil den meisten Hörern eine Menge Freude bereitet.

Fazit

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Der Sony MDR-1000x ist ein Bluetooth Kopfhörer, der ein paar sehr interessante Ansätze mit bringt. Die Funktion, durch Handauflegen die Geräuscheuntdrückung umzukehren und so in der Lage zu sein mitzubekommen was um einen herumpassiert, ist extrem sinnvoll. Auch die Ambient Modi haben mir gut gefallen. So kann man den Kopfhöher auch im Büro tragen, ohne die Sorge zu haben, das Klingeln des Telefons zu verpassen. Die Touchpad Bedienung könnte noch was verbessert werden. Ich hatte ab und zu Fehlbedienungen bzw. ungewollte Eingaben, was extrem nervig war. Die Akkulaufzeit von 20h und die sehr gute Geräuschunterdrückung macht den MDR-1000x zu einem sehr guten Reisebegleiter. Bei dem sehr hohen Preis von 400€ würde ich trotzdem jedem empfehlen, vor dem Kauf probezuhören und auch andere vergleichbare Kopfhörer von Bose oder Sennheiser zu testen.

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Über den Autor

Mark Kreuzer

6 Kommentare

  • Würde mich mal interessieren, wie dieser gegen den Teufel Mute BT abschneidet, der gerade mal die Hälfte kostet und auch gerade beim NC immer wieder gut abgeschnitten hat?

  • Könnt ihr bitte den 1. Absatz überarbeiten…
    Hat Fehler und liest sich nicht gut.
    Von mobilegeeks erwarte ich bessere Einstiege.
    Danke.

  • Ein Kopfhörer kann ja schlicht sein aber bei einem Preis von mehreren hundert Euro kann man schon etwas Raffinesse beim Design erwarten.

    Beim Klang gibt es ja für die Hersteller immer zwei Wege entweder man gibt den ganzen eine reine Studioqualität oder dann gibt dem ganzen einen eigenen Charakter.
    Ich mag es wenn Sie einen eigenen Klangcharakter haben so wie es z.b. Teufel tut, da kann ein Kopfhörer noch so gut sein aber ohne Charakter ist das für mich einfach nichts.
    Genauso ist es ja auch bei Instrumenten da stehen ja auch die Charakter Instrumente wie z.b. bekannte Namen wie Stradivari vor den technisch ausgefeilten Hightech Geräten.

    • Ja da hast du wohl Recht. Ich würde sagen, dass der Sony sehr neutral ist. Mir persönlich war es manchmal auch ein klein wenig zu Neutral. Aber hier sind Geschmäker sehr verschieden und es kommt auch immer drauf an was für Musik gehört wird.

  • Ich habe diesen Kopfhörer nun auch schon seit ein paar Wochen und nutze diesen auch durchaus sehr viel. Das NC ist toll und insbesondere die Möglichkeit es zu deaktivieren und damit die Umgebung z.B. Klingeln in der eigenen Wohnung wahrzunehmen hat es mir angetan.

    400 Euro halte ich aber für den Kopfhörer zu viel.

    Dem Kopfhörer fehlt es für das Geld an Raum und Transparenz. Was mir leider auch gar nicht gefällt: Der Kopfhörer ist richtig basslastig. Wer den Kopfhörer als neutral bezeichnet, hat meiner Meinung nach noch nie einen neutral klingenden Kopfhörer gehört. Ich erwarte hier nichts auf dem Niveau eines Stax, doch wer diesen Kopfhörer kaufen möchte, sollte das primär wegen der NC-Funktion machen und nicht erwarten etwas toll klingendes zu bekommen (nicht das das bei anderen NC-Kopfhörern so viel besser wäre). Des weiteren beginnt der Kopfhörer nach kurzer Zeit zu knarzen. Das passiert nach meinen Beobachtungen durch die Aufhängung der Ohrmuschel und aber auch durch Ohrpolster, welche eigentlich keinesfalls knarzen dürften (es hört sich ziemlich genau wie das gehen auf Neuschnee an).

    Das größte Problem, das ich sehe, ist jedoch Sony. Man kann von Sony halten was man möchte, doch ein Premium-Hersteller sind sie in meinen Augen nicht mehr. Das liegt nicht (nur) an den Produkten sondern am Support.
    Wer einen 400 Euro Kopfhörer kauft, erwartet mit diesem Teil auch das ein oder andere Jahr ohne Probleme Musik hören zu können. Wenn man aber einen Kopfhörer so konstruiert, dass er spezielle Ohrpolster braucht, die dann wahrscheinlich speziell angebracht werden müssen und als Ersatz 150 Euro (+16 Euro Versand) kosten, dann hat man eindeutig ein Wegwerf-Produkt geschaffen. Ein neues Set Ohrpolster für einen Kopfhörer in dieser Preisklasse darf einfach nicht mehr als 40 Euro kosten, zumal die von Sony verwendeten in der Herstellung wahrscheinlich eh nicht sehr teuer gewesen sein werden.
    Wie lange die Ohrpolster halten werden ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich, doch so richtig lange halten die Teile nie.

    Wenn ich nicht deutlich unter 400 Euro bezahlt hätte, hätte ich sie nicht behalten.

  • „Wie gut die Sony MDR-1000X sind, auch im Vergleich zu den QuietComfort von Bose, will ich euch im folgenden Test schildern“
    Ich habe da nicht wirklich etwas von einem Vergleich zum QC35 gelesen…

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