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Infani – der smarte Babymonitor im Test

Kaum etwas ist so wichtig für Babies wie Schlaf. Allerdings ist genau dieser auch besonders für Neugeborene mit einigen Risken verbunden. Immer noch sterben jedes Jahr 127 Kinder (Stand: 2015) zwischen Geburt und erstem Geburtstag am plötzlichen Kindstod. Es ist bisher nicht bekannt, was genau diesen Tod auslöst. Klar ist nur, dass er Kinder im Schlaf ereilt, und dass es einige Risikofaktoren gibt.

Ein Grund mehr, einen Blick auf Möglichkeiten zu werfen, jungen Eltern hier etwas mehr Ruhe und Sicherheit zu geben. Es gibt ganz unterschiedliche Systeme zur Messung der Atmung eines Babies. Matten, die unter der Matratze liegen, Sensoren am Fuß und jetzt eben auch den Infani. Eine Kamera, die mit einer speziellen Technologie aus Doppler Radar und IR Illuminator die Atmung eines Babies vollkommen ohne zusätzliche Kabel oder Geräte überwacht und in der dazu begleitenden App darstellt.

Installation des Infani Babymonitors

Um den Infani aufzubauen, muss man Stangen ineinander stecken. Am Ende „schwebt“ die Kamera über dem Bettchen und kann so ungestört Bilder machen und die Atmung messen. Je nach Höhe des Bettchens kann man durch herausnehmen einzelner Stangen die Postion der Kamera verändern. Die zum Infani gehörenden Kabel werden an den Stangen außen entlang geführt und mit Clips befestigt. Oben am Arm befindet sich zusätzlich zur am Ende sitzenden Kamera noch ein Sensor für Luftfeuchtigkeit und einer für die Raumtemperatur. 

Verbunden wird der Infani zur Datenübertagung mit dem WLAN. Das geht eigentlich recht zügig, wenn man darauf achtet, dass das Signal am Standort stark genug ist. Danach verbindet sich der Infani mit der App auf dem Smartphone. Eine Anleitung führt durch alle Schritte. Leider war es uns nicht möglich, mehrere Smartphones mit dem Infani zu verbinden.

Die Tatsache, dass es einen Lautsprecher am Gerät gibt, ist uns nur bekannt, weil wir während der Installation teilweise auch über Sprachbefehle des Infani selbst angeleitet wurden. Die Lautsprecher kamen sonst nicht zum Einsatz.

 

Alltag mit dem Infani Babymonitor

Wir haben den Infani über mehrere Nächte getestet.

Aufwach-Alarm und Kamera

In der ersten Nacht gab es keine Auffälligkeiten, weder einen Alarm noch irgendwelche anderen Probleme. Die Bilder der Kamera sind sowohl tagsüber als auch nachts sehr gut und scharf. In der Nachtsicht springt das Bild einfach in Grautöne um, bleibt aber trotzdem in guter Qualität. Man kann selbst kleine Bewegungen ohne Probleme wahrnehmen.

Am Morgen wollten wir dann den Aufwach-Alarm testen. Zwar war es möglich, dass Baby zu sehen und auch bei gesperrtem Bildschirm zu hören, eine Benachrichtigung über das Aufwachen gab es allerdings nicht. Als wir Geräusche hörten und über die App nachsahen, saß unsere Tochter schon im Bett und spielte mit der Kamera. Gerade bei älteren Kindern ist hier also Vorsicht walten zu lassen.

Tagebuchfunktion und Report

Es besteht die Möglichkeit die Nacht quasi im Zeitraffer anzusehen und einzelne Abschnitte runter zu laden. Hierdurch kann man gerade wenn das Baby etwa besonderes macht diesen Moment einfach festhalten. Außerdem trackt der Infani auch die verschiedenen Schlafphasen. Hierbei wird unterschieden zwischen Tiefschlaf, leichtem Schlaf und Abwesenheit. Die Übersicht in der App kann sowohl einzelne Tagen als auch die letzten sieben Tage darstellen.

Luftfeuchtigkeit und Temperatur

Ein Sensor am Arm des Infani misst sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit und zeigt diese immer aktuell in der App an. Leider fehlt hier die Erklärung dazu, welche Temperatur oder Luftfeuchtigkeit ideal wäre. Das wäre ganz klar auch ein wichtiger Punkt, da es wichtig ist, die Temperatur im Schlafzimmer möglichst kühl, aber nicht zu kalt, zu halten.

Die Messung der Atmung

Der Kernpunkt des Infani ist jedoch die Messung der Atembewegungen.

In der App lässt sich ablesen, ob der Infani richtig ausgerichtet ist, was ein Pluspunkt ist. Während das Baby im Bettchen liegt, misst der Doppler Radar die Bewegungen durch die Atmung und stellt diese als Kurve in der App dar. Außerdem wird ein Mittelwert an Atemzügen pro Minute dargestellt. Das ist sehr übersichtlich und leicht verständlich. Gibt es Unregelmäßigkeiten, ändert sich die Anzeige entsprechend.

Allerdings kommen hier auch die ersten Probleme auf. Unsere Tochter ist schon 1 Jahr alt und etwas aktiver. Sie dreht sich nachts häufiger hin und her. So ist sie dann auch ganz schnell außerhalb der Sensoren gelandet. Plötzlich wurde keine Atmung mehr gemessen und es gab einen Alarm. Dieser wurde allerdings nur als Pushbenachrichtigung auf dem Handy abgegeben und per rotem Licht an der Kamera. Das reicht leider im Ernstfall nicht aus, um die Eltern zu wecken. Hier wäre ein Einsatz der eingebauten Lautsprecher sicherlich sinnvoll. Zum einen, weil so die Eltern auch wirklich wach werden würden, zum anderen weil ein lauter Alarm vielleicht auch das Baby weckt und es so vor schlimmerem bewahrt. An dieser Stelle muss Infani definitiv nachbessern.

Ein leider weiterer Nachteil des Doppler Radars ist, dass es leicht durch Bewegungen in der Nähe irritiert wird. Wenn also das Babybett neben dem Bett der Eltern steht oder ein Beistellbett verwendet wird, besteht die Gefahr, dass die Atmung nicht genau genug gemessen wird um Aussetzer festzustellen.

In unserem Test haben sowohl eine Decke im Bettchen als auch ein Herausnehmen des Kindes einen Alarm ausgelöst. Leider gab es auch in diesen Fällen nur wieder ein rotes Blinklicht und eine Benachrichtigung.

Gesunder Babyschlaf

Egal ob man sich für ein System wie den Infani entscheidet oder nicht, wichtig ist, immer den Empfehlungen für gesunden Babyschlaf zu folgen. Alle anderen Methoden dienen nur der Unterstützung und ersetzen nicht Sicherheit und Aufmerksamkeit.

Spezifikationen:

Kamera:

  • SONY ultra low-light sensitivity CMOS Sensor
  • Auflösung: 1280 x 960 Pixel
  • Hochauflösende Linse
  • Eingebetteter IR Filter
  • Integrierte low power IR 940nm LED für verbesserte Nachtsicht

Hardware

  • Integrierter Vatics Video Prozessor
  • H.264 Video Encoding
  • Integrierte dual digitale Mikrophone
  • Eingebetteter ultra low power Doppler Radar Sensor
  • Integrierte high-quality Ø25mm Lautsprecher
  • Integrierte Sensoren für Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur
  • Built-in WiFi b/g/n (2.4Ghz) mit 2T2R Antenne

Gewicht

  • Kamera: 108 g
  • Fuß: 2.35 Kg

Anforderungen:

  • WiFi b/g/n (2.4GHz) mit 2Mbps Upload
  • Android or iOS device mit der Infani App

 

mittwald

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Über den Autor

Ehemalige BASIC thinking Autoren

Dieses Posting wurde von einem Blogger geschrieben, der nicht mehr für BASIC thinking aktiv ist.

21 Kommentare

    • Oje, technikversierte Menschen pflanzen sich fort und möchten zeitgemäße Gadgets für den Nachwuchs auch im privaten Leben einsetzen. Das darf natürlich nicht sein.

          • Der Staubsauger ist eine Maschine, die nur staub saugt.

            Dieses Ding dagegen dient doch noch optimaler, die Helikopter-Eltern-Generation zu fördern.
            Man wird dadurch ja nicht ruhiger, sondern wird noch mehr dazu verleitet, zu kontrollieren.

          • @andreasmerchel:disqus Nach der These wäre auch der Staubsaugerroboter nicht eine Maschine, die nur staub saugt. Vielmehr dient er nur dazu, einen völlig übertriebenen Reinlichkeitsfimmel einer hypersensiblen Generation zu fördern, die dadurch dazu verleitet wird, ihren „Tick“ noch weiter auszubilden?

          • Benutzt du deinen manuellen Staubsauger so selten? Bitte keine Spitzfindikeit a la „das macht meine Frau“.

            Und, dann müsste der Mähroboter der Nachbarn ja auch dem „Englischer-Rasen-Fimmel“ dienen 😉

          • Benutzt du deinen manuellen Staubsauger so selten?

            @andreasmerchel:disqus Nur noch zum Saugen der Treppe. Es sind, wie @chrislietze:disqus bereits schrieb, Gadgets, die dir dein Leben erleichtern können.“ – Wo ist das Problem?

          • Und, wie oft kontrollierst du den Staubsaugerroboter, ob er noch lebt?

            Und, wie oft würdest du kontrollieren, ob dein Kind noch ruhig schläft?

            Den Staubsauger vergisst du, das Kind würdest du dauernd kontrollieren, schließlich musst du dazu ja nicht mal mehr aufstehen.
            Entspannen ist etwas anderes.

            Vielleicht bin ich dazu zu altmodisch, auch wenn ich mit Technik aufgewachsen bin.

          • Den Staubsauger vergisst du, das Kind würdest du dauernd kontrollieren, schließlich musst du dazu ja nicht mal mehr aufstehen.

            @andreasmerchel:disqus Vielleicht skizzierst Du hier auch einfach nur ein Szenario, das eben zu Deinem Bild von „Helikopter-Eltern“ passt? Es gibt in Deutschland zigtausend Überwachungskameras mit Fernzugriff, deren (nach Deiner Logik) „paranoide“ Besitzer checken die auch nicht permanent. Technik integriert sich eben in den Alltag, fertig.

          • Beides sind Gadgets, die dir dein Leben erleichtern können.

            Statt den schweren Staubsauger durchs Haus zu ziehen, haste nun einen Roboter in der Etage. Statt eines normalen Babyfons, haste nun einen Babymonitor im Kinderzimmer. Statt eines Kochbuchs nutzen viele einen Thermomix. Statt die Thermostate ständig manuell hoch und runterzudrehen, haste nun smarte dran, die das selbst regeln.

            Ich seh da echt kein Problem drin, sowas hier zu testen. Grenzen sind (für mich) da erreicht, wenn Autoren sich bspw „Bluetooth-Massagestäbe“ in den .. egal, du weißt was ich meine 🙂

          • Naja, unser ist nicht schwer 😉
            Und ja, unsere Thermostate regeln sich selber, aber ohne W-Lan.

      • Ja, für die Betroffenen wirklich egal.
        Aber muss man mit der Angst Geld verdienen?
        Zitat Wiki (Risikogruppen): „Zudem gelten Kinder aus sozial benachteiligten Familien, Kinder besonders junger Mütter (unter 20 Jahren) sowie Kinder Alleinerziehender als überdurchschnittlich gefährdet.“ – zahlt ja vielleicht die Krankenkasse, dieses Gadget 😉

        PS ich habe miterlebt, wie mein Großvater nach einem Hirninfarkt aus dem Badezimmer getorkelt kam, wie er mir Hilflos in die Augen geschaut hat. Obwohl gleich der Notarzt informiert wurde, war es einfach zu spät, da hätte noch soviel Technik nichts ändern können.

          • Ja, gab eine Gehirnerschütterung, Gedächtnisverlust und Kopfschmerzen.

            Meinen letzten Absatz hast aber nicht verstanden 🙁

          • Das stimmt nicht, der Vergleich ist falsch. Fahrradfahren ist eine aktive Tätigkeit, hier gibt es eine viel größere Chance, dass man in ein Unfall verwickelt wird. Auch wenn ich viel ohne Helm gefahren bin, würde ich nicht sagen, dass die Chance zu überleben geringer war als heute. Ich würde sogar sagen das durch mehr Verkehr und Ablenkung durch Handy die Gefahr höher ist in ein Unfall zugeraten. Deshalb bin ich ganz klar für Helme und glaube auch, dass eine höhere Chance besteht zu überleben.

            Jetzt zur Kamera, ich glaube nicht das es eine höre Chance gibt, das Kinder durch die Kamera bei einem plötzlichen Kindstod-„Anfall“ überleben. Ich glaube sogar, dass Eltern sich da durch verrückt machen lassen und unentspannter werden, wo es garnicht nötig wäre.

  • Was aber wenn die Push-Message nicht rechtzeitig ankommt?
    Es kann passieren das Messages auch mal 30min brauchen oder auch garnicht ankommen.
    (Beispiel Whatsapp)
    Zb. über Firebase passiert das häufiger das mal eine nicht ankommt.
    Oder bei iOS was wenn mal APN Server überlastet, oder kurzzeitig nicht erreichbar ist?

    Daher sollte so ein Gerät auch immer lokal warnen können.

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