Social Media Unternehmen

EyeEm: Karrierenetzwerk trifft Fotoplattform

Photohaus EyeEm
Bild: EyeEm
geschrieben von Marinela Potor

Wenn Xing und Instagram ein virtuelles Baby hätten, würde es in etwa so aussehen wie EyeEm – eine Mischung aus Karrierenetzwerk und Fotoplattform, auf der Künstler und Unternehmen zusammenkommen. Gegründet wurde sie von vier Berlinern und ist mittlerweile ein internationales soziales Netzwerk mit mehr als 20 Millionen Nutzern.

Auf den ersten Blick wirkt das Netzwerk EyeEm wie die zigtausendste Online-Plattform für Stockbilder. Fotografen laden ihre Bilder hoch und hoffen, dass ihnen jemand die Lizenzen abkauft. Das ist auch in der Tat eine der Kernfunktionen von EyeEm. Doch – und das macht die Plattform dann auch tatsächlich interessant – es ist nur eine von vielen Funktionen.

Aufträge für Fotografen, Native Ads für Unternehmen

Auf EyeEm können Nutzer, entweder über den Web-Browser oder per Smartphone-App Fotos hochladen und diese mit Keywords taggen – so wie bei Instagram. Allerdings nutzt EyeEm darüber hinaus auch Künstliche Intelligenz, die den Nutzern automatisch die besten Schlüsselwörter für ihre Bilder vorschlägt.

Fotografen können nun ihre getaggten Bilder auf dem „Marktplatz“, beziehungsweise „Marketplace“ ablegen. Auf dem Marktplatz finden Kunden, wie etwa Bildredakteure oder Marketer die Fotos und können für jedes Bild jeweils verschiedene Lizenzen, von der kommerziellen Nutzung bis zur Social-Media-Lizenz, erwerben.

Die Lizenz für ein Foto zur Social-Media-Nutzung kostet dabei 20 US-Dollar, die vollständige Lizenz 250 US-Dollar. Darüber hinaus gibt es auch günstigere Abo-Modelle.

Dashboard Desktop EyeEm

Der Marktplatz. (Foto: Screenshot / EyeEm)

Unternehmen wiederum können auf der eigentlich werbefreien Plattform EyeEm eine interessante Form von Native Advertising betreiben. Sie können über das Feature „Missions“ Wettbewerbe ins Leben rufen.

Theoretisch kann dann Adidas einen Preis für das beste Turnschuh-Foto auschreiben und bekommt damit neben der Sichtbarkeit der eigenen Marke gleichzeitig auch hochwertigen visuellen Content.

Warum die Plattform auch für Unternehmen spannend ist

Darüber hinaus können Unternehmen sich bei ihrer Bildersuche vom EyeEm-Team beraten lassen und sogar Aufträge für visuelle Marken-Kampagnen vergeben. Genau hier kommt ein anderes Feature ins Spiel, „Custom“.

Custom ist eine weitere Funktion, mit der sich EyeEm von anderen Fotoplattformen abhebt. Sie richtet sich vornehmlich an Unternehmen, die eine visuelle Kampagne für ihre Marke erstellen möchten.

EyeEm bietet dabei folgenden Service: Gemeinsam mit dem Unternehmen entwickeln sie ein visuelles Markenkonzept. Dieses wird auf die Plattform gestellt und Künstler können sich daraufhin für die Umsetzung des Konzepts bewerben.

Damit können Fotografen auch über den Verkauf von Bilderlizenzen hinaus neue Aufträge bekommen. Unternehmen können auch spezifische Fotografen mit einer Kampagne beauftragen.

All das läuft natürlich über EyeEm als Mittelmann. Somit gehen die Einnahmen aus allen Transaktionen auf der Plattform zur Hälfte an EyeEm, zur Hälfte an die Künstler. Das sei mehr als Durchschnitt in der Branche.

„Wir bieten darüber hinaus Möglichkeiten für Fotografen, die über die finanzielle Vergütung hinausgehen“, sagen die Gründer Florian Meissner, Ramzi Rizk, Lorenz Aschoff und Gen Sadakane gegenüber BASIC thinking. „Wir haben Expertenkurse, Workshops, Wettbewerbe sowie unser jährliches Festival. Darüber hinaus entstehen Kooperationen mit einigen der besten Brands und Publisher.“

Technologie erkennt Fotos mit größtem Erfolgspotential

Ein weiteres interessantes Feature der Plattform ist der Einsatz von intelligenter Technologie. Neben den Vorschlägen für Schlüsselwörter zum Taggen von Bildern, nutzt EyeEm Formen von Künstlicher Intelligenz auch für die Markenbildung von Kunden. „Wir bieten unseren Kunden Technologien zur Bildererkennung oder einen trainierten Algorithmus, der ihre Markenästhetik versteht“, erklären die Gründer.

Eine weitere intelligente Funktion ist das App-Feature „EyeEm Selects“. Damit werden alle Aufnahmen auf dem Smartphone gescannt. Die Technologie kann damit erkennen, welche Bilder wahrscheinlich am erfolgreichsten sein werden, und macht daraufhin Upload-Vorschläge.

Auf Expansionskurs

All diese Anstrengungen um eine Fotoplattform sind wahrscheinlich auch damit zu erklären, dass die Gründer selbst, beruflich und privat, schon immer ein Faible für Fotografie hatten. Das heißt: Sie verstehen nicht nur etwas vom Fach, sie wissen auch was es heißt, mit so einer „brotlosen Kunst“ Geld verdienen zu wollen.

Co-Founders EyeEm

Gen Sakande, Florian Meissner, Lorenz Aschoff und Ramzi Rizk: Die vier Gründer von EyeEm. (Bild: EyeEm)

Im Jahr 2010, als sich die mobile Fotografie gerade im Aufschwung befand, taten sich Florian Meissner, Ramzi Rizk, Lorenz Aschoff und Gen Sadakane zusammen, um einen der ersten Wettbewerbe für Smartphone-Fotografie ins Leben zu rufen.

„Zu unserer Überraschung machten dabei über 5.000 Fotografen aus aller Welt mit. Danach war uns klar, dass man aus Fotografie und mobiler Fotografie etwas Interessantes machen könnte“, erzählen sie.

Seitdem ist viel passiert für das Berliner Start-up, das übrigens auch ein Büro in New York City hat und derzeit rund 75 Mitarbeiter beschäftigt. Aktuell sind mehr als 20 Millionen Nutzer auf der Seite registriert.

Beim jüngsten jährlichen Fotowettbewerb, den EyeEm Awards, machten über 88.000 Fotografen mit. Wie viele Transaktionen auf der Plattform abgeschlossen werden, will EyeEm auf Nachfrage von BASIC thinking allerdings „zu diesem Zeitpunkt nicht verraten.“

Doch schlecht kann es nicht laufen. Denn EyeEm hat vor kurzem eine neue Funktion für Bewegtbilder gelauncht, EyeEm Videography, und hat darüber hinaus gerade ins Vereinigte Königreich expandiert.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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