Unternehmen

Tipps für Gründer: Am Anfang war die Idee

Glühbirne, Idee, Licht
Wie kommen Gründer auf Ideen für ihr Unternehmen? (Foto: Pixabay / ColiN00B)
geschrieben von Carsten Lexa

Am Anfang einer Gründung steht die Idee für ein Unternehmen. Klingt logisch. Doch was ist damit eigentlich gemeint und woher kommt sie? Und was passiert, wenn man keine Idee hat? Gehen wir das Thema mal etwas systematischer an.

Ohne eine Idee geht gar nichts

Bei systematischer Betrachtung kommt man zu dem Ergebnis, dass ein Start-up auf einer guten Idee aufbauen sollte. Es bringt nichts, einfach nur mal so ein Unternehmen zu gründen und damit auf den Erfolg zu hoffen. Die folgenden drei Situationen oder Überlegungen können zu einer Idee für ein Unternehmen führen.

1. Eine Idee für ein neues Produkt

Der oder die Gründer haben eine Idee für ein neues Produkt oder eine Dienstleistung. Das ist eine wunderbare Chance, denn Menschen sind immer auf der Suche nach Produkten oder Dienstleistungen, die Lösungen für ein bestimmtes Problem anbieten.

Hier empfehle ich den Film „Joy – alles außer gewöhnlich“, der das Leben von Joy Mangano erzählt, die eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen in den USA war. Und alles begann mit einem Wischmop.

Selbstverständlich kann auch ein Produkt ganz neue Bedürfnisse wecken. Ein gutes Beispiel ist Apple mit seinem iPhone oder mit der Apple Watch sowie Howard Schultz, der das Prinzip der italienischen Espressobars in die USA brachte.

2. Eine Idee zur Verbesserung eines bestehenden Produkts

Der oder die Gründer haben eine Idee zur Verbesserung eines schon bestehenden Produkts oder einer Dienstleistung. Oftmals ergibt sich diese aus der tatsächlichen Nutzung eines solchen Produkts oder einer Dienstleistung.

Hier wäre als Beispiel noch einmal das iPhone von Apple zu nennen, welches unter anderem auf der Idee basierte, dass die bisherigen Möglichkeiten zur Eingabe von Daten in ein Telefon – Tasten, Stylus, etc. – von Steve Jobs als ungenügend angesehen wurden.

Ein anderes Beispiel ist das Raspberry Pi. Das ist ein Ein-Platinen-Computer, dessen Hardware radikal vereinfacht wurde, um zu einem bestimmten, extrem niedrigen Preis verkauft werden zu können.

3. Die Überführung einer Idee in einen neuen Markt

Schließlich können noch erfolgreiche Konzepte aus anderen Märkten, insbesondere Ländern, kopiert werden. „Balzak Coffee“ (das Buch der Gründerin habe ich hier schon einmal zum Lesen empfohlen) oder Starbucks sind gute Beispiele. Aber auch die Unternehmen von Rocket Internet wie Zalando oder Hello Fresh passen gut.

Die Systematik

Ich spreche im Zusammenhang mit der Idee für ein Unternehmen immer von einem systematischen Vorgehen. Damit ist gemeint, dass die Idee in einem weiteren Schritt auf ihr Potential für ein Unternehmen abgeklopft wird.

Man kann dabei zum Beispiel prüfen, ob es für das Produkt oder die Dienstleistung überhaupt einen Markt gibt. Man kann prüfen, ob die Verbesserung eines Produkts überhaupt umsetzbar ist. Und man kann prüfen, ob sich aus der Idee überhaupt ein Geschäftsmodell bauen lässt.

Jetzt klingt das natürlich sehr leicht. Man sucht sich ein neues Produkt oder man verbessert ein schon bestehendes. Doch wie genau findet man eine Idee für ein Unternehmen?

Ideen finden – mit dem potentiellen Unternehmen im Hinterkopf

Um eine Idee für ein potentielles Unternehmen zu finden, empfehle ich dort anzufangen, wo man sich – meistens – am besten auskennt: Bei sich selbst. Was sind die eigenen Hobbies oder Interessen?

Meistens findet man in diesen Bereichen Ansatzpunkte für Neues. Das kann beispielsweise etwas sein, das man braucht, es aber noch nicht gibt. Oder aber etwas Besseres, weil man sich beispielsweise bei einem Produkt mit einer Unzulänglichkeit herumschlägt, die nach eigenem Dafürhalten nicht sein müsste.

In diesem Zusammenhang macht es auch Sinn, sich darüber im Klaren zu sein, was man für Interessen im Hinblick auf ein mögliches Start-up hat. Will man in Vollzeit als Unternehmer durchstarten? Oder will man hinsichtlich einer Idee nur mal schauen, was sich daraus ergeben kann?

Die richtige Einstellung

Wichtig ist, dass man hier ehrlich zu sich selbst ist.

Wer beispielsweise grundsätzlich das Risiko scheut, der sollte vielleicht nicht unbedingt gleich hohe Schulden auf sich nehmen, um ein bestimmtes Unternehmen zu starten. Denn dann wird ihn die Sorge um die Schulden womöglich davon abhalten, mit seinem Unternehmen voll ins Risiko zu gehen.

Sinnvoll ist es auch, sich eine bestimmte Geisteshaltung anzueignen, um zu einer Idee für ein Unternehmen zu kommen – und zwar die, dass grundsätzlich alles möglich ist.

Anders als es oftmals in Deutschland der Fall ist, wo erst einmal grundsätzlich alles problematisch ist.

Wer so mit offenen Augen durch die Welt läuft, wird plötzlich überall Chancen sehen. Achtung: Damit ist noch nicht gesagt, dass sich aus der Chance ein Geschäft ergibt. Die Chance muss natürlich erst noch hinsichtlich des Potenzials für ein Unternehmen überprüft werden.

In diesem Zusammenhang noch eine Warnung aus eigener Erfahrung: Sieht man plötzlich überall Chancen, wird man seine Mitmenschen regelmäßig in den Wahnsinn treiben.

Die meisten Menschen sind auf Sicherheit und Regelmäßigkeit bedacht. Chancen für Veränderungen stehen sie oftmals skeptisch gegenüber. Damit umzugehen, ist ein harter, aber notwendiger Lernprozess.

Schließlich kann es noch hilfreich sein, nach Problemen zu fragen. Damit ist gemeint, dass man gezielt nach Möglichkeiten sucht, wie andere Schwierigkeiten erfahren. Diese Schwierigkeiten können ein Anlass sein, eine Lösung anzubieten.

Hat man dann eine interessante Idee gefunden, dann empfehle ich noch drei weitere Schritte:

1. Die Idee aufschreiben

Ich erlebe immer wieder, dass in den Gedanken von jungen Unternehmern sich alles einfach darstellt. Wenn dann aber eine Idee zu Papier gebracht werden soll, wird es schwierig. Ich denke das hängt damit zusammen, dass man beim Aufschreiben konkret werden und sich mit den Details einer Idee auseinandersetzen muss.

Die Idee ist nicht mehr komfortabel im Nebel des eigenen Denkens, sondern muss ins Licht der Realität treten. Dabei treten die hässlichen Aspekte zu Tage. Insbesondere wird man angreifbar, weil man sich nicht mehr herausreden kann hinsichtlich dem, was man aufgeschrieben hat.

2. Ehrliches Feedback einholen

Dabei sollte man kein enthusiastisches Jubelgeheul erwarten. Vielmehr geht es darum, die Meinungen anderer als Punchingball zu verwenden, um das ganze Bild einer Idee zu sehen und nicht nur die Aspekte, auf die man den eigenen Fokus legt.

3. Kann daraus ein Geschäftsmodell entstehen?

Letztendlich muss das Unternehmen Geld verdienen. Scheitert es schon daran, kann man die Idee gleich wieder vergessen. Ich erinnere mich an einen Fall, als zwei Gründer zu mir kamen und Sticker für Laptopkameras verkaufen wollten. (Damit die Kamera nicht heimlich Aufnahmen von dem User vor der Kamera machen kann.)

Die Sticker kosteten in der Herstellung nur Cents. Aber sie konnten mir nicht sagen, wer die Sticker kaufen würde. Aufpassen sollte man übrigens auch, wenn ein Produkt „eigentlich jeder gebrauchen kann“.

Fazit

Ohne eine Idee kann kein Unternehmen entstehen. Ich sage jedoch, dass es eine „qualifizierte Idee“ braucht, um ein Unternehmen zu gründen. Insbesondere muss sich aus der Idee ein Geschäftsmodell ergeben können.

Gründer müssen sich aber darauf einstellen, dass ihre Idee nicht immer mit offenen Armen empfangen wird. Insbesondere in Deutschland kommt schnell die „German Angst“ und die fehlende Gründerkultur ins Spiel. Davon handelt die nächste Folge dieser Serie.

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

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