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Fahrbericht Jaguar I-Pace – elektrisierendes Gefühl

geschrieben von Mark Kreuzer

Der 8.August ist der Weltkatzentag und deshalb widmen wir uns heute einer ganz besonderen Katze und zwar dem neuen I-Pace der zu der Gattung der Jaguare gehört. Denn im Rennen um die Führung im Bereich der E-Mobilität ist Jaguar ganz weit vorne mit dabei. Sie sind der erste „klassische“ Autohersteller, die mit der Auslieferung eines für Langstrecken geeigneten PKWs begonnen haben.

Wir hatten ja bereits die Gelegenheit, uns einen ersten Eindruck vom I-Pace zu verschaffen, aber nachdem jetzt auch die Auslieferung des I-Pace begonnen hat, konnten wir den Wagen auch zum ersten Mal selber einen Tag lang testen.

Briefing an der Nordschleife

Bevor wir selber hinter dem Steuer Platz nehmen durften, wurden wir bei dem Jaguar Land Rover Testzentrum, welches in direkter Nachbarschaft zur Nordschleife liegt, von Dr. Ziebart begrüßt. Dr. Ziebart ist bei Jaguar für die Entstehung des Jaguar I-Pace verantwortlich und ist einer der Initiatoren des ersten elektrischen Serienautos von Jaguar. Besonders hervorgehoben hat er die Tatsache, dass die Entscheidung bei Jaguar zum Bau eines Elektroautos sehr schnell getroffen wurde — ohne, dass erst großartige Gremien und Komitees eingerichtet wurden.

Der Prozess von einem leeren weißen Blatt Papier zum ausgelieferten Serienwagen hat nur vier Jahre gedauert. Ein Grund für diese sehr schnelle Entwicklung wird darin zu finden sein, dass das Anfangs nur aus 50 Mann bestehende Team nicht im Hauptsitz in Coventry, sondern in der Nähe von Warwick saß und damit sehr schnelle interne Wege und eine flache Hierarchie erreichen konnte.

Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass der I-Pace ein außergewöhnliches Auto ist. Da man bei der Entwicklung mit einem leeren Blatt Papier starten konnte, führte das dazu, dass man einen kompromisslosen Elektrowagen bauen konnte. Im folgenden einfach mal drei Merkmale, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind von dem Briefing:

Design I-Pace ein reinrassiger Elektrowagen

Die Schnauze, wo sonst üblicherweise der Verbrennungsmotor zu finden ist, wurde eingekürzt und die Fahrgastzelle nach vorne verschoben. Der Fachbegriff hierfür lautet „Cab-Forward-Design“. Dadurch erreicht man zum einem einen langen Radstand, welcher sich positiv auf die Fahreigenschaften auswirkt, aber auch einen deutlichen Zugewinn an Platz für die Insassen. Das Platzgefühl im I-Pace ist gefühlt sehr großzügig auf allen Plätzen. Laut Jaguar handelt es sich bei dem I-Pace um einen SUV und auf den ersten Blick ist dies durchaus naheliegend. Aber wenn man den Wagen mit den anderen SUV-Modellen aus dem Haus Jaguar vergleicht, finde ich persönlich, dass sich der I-Pace doch deutlich abhebt. Das Design wirkt noch futuristischer und ich persönlich würde ihn als eine Art Crossover aus Limousine und Geländewagen kategorisieren. Mir fällt auf Anhieb kein vergleichbares Autodesign ein, was dafür spricht, dass der I-Pace der erste einer neuen Art von (Elektro-)Auto ist.

E-Motoren – doppelt hält besser

Bei der Entwicklung des I-Pace stand sehr schnell fest, dass ein richtiges Elektroauto mit zwei Elektromotoren ausgestattet sein muss. Neben den besseren Leistungswerten ist die optimale Gewichtsverteilung für diese Konfiguration ausschlaggebend. Die Gewichtsverteilung wird durch die 600kg Batterie, die unter der Fahrgastzelle liegt, nochmal positiv beeinflusst und sorgt für einen niedrigen Schwerpunkt. Bei den verbauten Elektromotoren handelt es sich um permanenterregte Synchronmotoren, welche den höchsten Wirkungsgrad unter den Elektromotoren besitzen. Das sofortige Anliegen des maximalen Drehmoments bei den E-Motor nutzt man bei Jaguar übrigens auch zur Stabilitätskontrolle. Kleinere Eingriffe werden anstelle von Bremseingriffen über Anpassung des Antriebsmoments geregelt.

„Over The Air“-Updates – immer auf dem neusten Stand

Ich wundere mich ja immer wieder, warum sich Autohersteller so lange so schwer damit getan haben, „Over The Air“-Updates für Ihre Autos bereitzustellen. Bei dem Jaguar I-Pace ist dies nun möglich. Dabei besteht nicht nur die Möglichkeit, Updates für das InControl Touch Pro Duo Infotainmentsystem zu erhalten, sondern auch für das Telemetrie-System und für das Batteriemanagement-System.
Wenn ihr euch noch mehr für die technischen Daten des Jaguar I-Pace interessiert, sei euch unser Artikel dazu ans Herz gelegt. Aber jetzt wird es endlich Zeit, im Wagen Platz zu nehmen und zu sehen, wie sich der I-Pace auf der Straße schlägt.

Fahrerlebnis – Motorensound wird vom Herzschlag übertönt

Beim Einsteigen in den I-Pace wird man erst einmal wieder ein wenig auf den Boden geholt. So unkonventionell wie der Wagen von außen betrachtet doch aussieht, so gewohnt ist das Platznehmen hinter dem Lenkrad. Man findet sich sofort in dem Wagen zurecht. Das InControl Touch Pro Duo ist ja bereits aus dem Range Rover Velar bestens bekannt. Aufgefallen ist mir nur, dass der sekundäre Touchscreen ein klein wenig kleiner ist. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass man den Platz in der Mittelkonsole bei beiden Displays voll ausgenutzt hätte. Nichts desto trotz ist die Bedienbarkeit bekanntermaßen gut.

Beim Einsteigen zeigt das digitale Tachometer den Ladestatus und die verbleibende Reichweite der Batterie an. Jaguar gibt den I-Pace mit einer Reichweite von 480 km nach WLTP an. Das heißt, eine Reichweite von weit über 400 km sollte durchaus realistisch zu erreichen sein. Hierbei sei übrigens erwähnt, dass der Wagen euren Fahrstil analysiert und mit in die Schätzung der Reichweite einfließen lässt. Eine weitere sinnvolle Ergänzung ist das Anreichern der Navigationsdaten mit dem Höhenprofil. Bei aktiver Routenführung ist der I-Pace in der Lage, eine noch genauere Verbrauchsschätzung durch das Einbeziehen der Geländeinformationen abzugeben.

Das Starten und Losrollen ist, wie man es bei von Elektrowagen gewöhnt ist, lautlos und ziemlich unspektakulär. Bei normaler Fahrweise fällt vor allem auf, dass man das Bremspedal sehr schnell ignoriert und fast gar nicht mehr benutzt. Die liegt am so genannten „One-Pedal“ Modus. Der Wagen entschleunigt durch Rekuperation mit bis zu 0,4 G Verzögerung.

Dank der beiden Elektromotoren mit 400 PS und 695 Nm vergisst man auch sehr schnell die 2,3 Tonnen Gewicht des I-Pace. Es ist unglaublich, mit was für einer Leichtigkeit sich der Wagen durch die kurvenreichen und hügeligen Straßen der Eifel bewegen lässt. Vor allem das jederzeit sofort verfügbare Drehmoment katapultiert auf Wunsch den Wagen unmittelbar nach vorne. Man wird unweigerlich an die Raubkatze den Jaguar erinnert. Lautloses Anpirschen und plötzliche Energieentfaltung und dabei stets mit einer eleganten Anmutung. Das Fahrgefühl im I-Pace ist schon was ganz besonders und ich hoffe ihr seht mir den blumigen Vergleich nach. Der niedrige Schwerpunkt verleiht dem Wagen zudem eine Bodenhaftung, die man in dieser Klasse nicht gewohnt ist.

Bild aus dem Cockpit des Jaguar I-Pace mit Mark Kreuzer am Steuer

Mein erstes Fazit zum I-Pace

Falls ihr es nicht schon getan habt, schaut euch gerne auch mein YouTube-Video von dem Tag an. Da könnt ihr direkt einen guten bewegten Eindruck von dem I-Pace bekommen.

Mir wird der I-Pace noch lange in Erinnerung bleiben und ich hoffe stark, dass wir den Wagen bald für einen etwas ausgiebigeren Test bekommen können. Mein Fazit nach einen Tag ist, dass Jaguar mit dem I-Pace ein besonderes Auto auf den Markt gebracht hat und das Sie einiges an Respekt dafür verdient haben, dass sie der erste Hersteller sind, die nach Tesla ein ernstzunehmendes rein elektrisches Langstreckenfahrzeug auf den Markt gebracht haben. Mit dem besonderen Design finde ich setzen Sie sich sogar noch vor Tesla.

In meinen Augen ist der I-Pace der erste richtige Elektrowagen. Die Karosserieform unterstreicht, dass es sich um ein neue Art von Fahrzeug handelt. Keine klassische Limousine, Geländewagen/SUV oder Sportwagen sondern etwas anderes. Für mich ist Jaguar der erste seiner Art und ich bin gespannt was in Zukunft noch folgen wird.

 

Fotos: Jaguar und Jonas Speck

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Mark Kreuzer

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