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Wie Netflix, Fortnite und Co. Apple und Google den Kampf ansagen

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Vielen Entwickler sind die App-Provisionen von Apple und Google ein Dorn im Auge. (Foto: Pixabay.com / ParampreetChanana)
geschrieben von Stephanie Kowalski

Entwickler und Unternehmen, die mit ihrer App auf den Smartphones der Kunden landen wollen, kommen um Apple und Google oft nicht herum. Doch Unternehmen wie Netflix, Fortnite, Spotify oder Amazon haben Wege gefunden, die App Stores der beiden Anbieter zu umgehen. Immer mehr Abonnements werden ohne Apple und Google als Mittelsmänner abgeschlossen.

Wer Applikationen für Smartphones entwickelt, weiß, dass sowohl Apple als auch Google eine Provision verlangen, wenn die App kostenpflichtig verkauft wird, In-App-Käufe oder ein Abonnement angeboten werden.

Ein Umstand, den kleinere App-Entwickler hinnehmen, um wenigstens einen kleinen Gewinn mit ihren Entwicklungen zu machen.

Große Publisher, die nicht nur eine App verkaufen, sondern in vielen Fällen auch passende Abonnements anbieten, zahlen weitaus größere Summen.

Auch wenn Apple bei Abo-Modellen ab dem zweiten Nutzungsjahr die Provision von 30 auf 15 Prozent senkt, sind das für die großen App-Entwickler immer noch signifikante Summen.

Wie gehen die großen Publisher wie Netflix, Fortnite oder Spotify mit dieser Problematik um?

Fortnite bevorzugt Selbstvermarktung statt Play Store

Als Epic Games Fortnite für iOS veröffentlichte, hätte niemand gedacht, dass das Spiel bereits in den ersten 30 Tagen 25 Millionen US-Dollar einspielen würde. Was eher zu erwarten war: Apple freute sich für den Publisher mit. Mit gutem Grund, denn der App-Store-Betreiber bekam einen Teil der Umsätze ab.

Das Spiel erscheint nun endlich auch für Android. Den einen oder anderen Android-Nutzer mag es jedoch überraschen, dass Fortnite nicht im Google Play Store erhältlich ist. Das Spiel kann von den Nutzern stattdessen direkt über die Webseite des Unternehmens heruntergeladen werden.

Wenn man weiß, dass auch Google von App-Entwicklern eine Provision in Höhe von 30 Prozent verlangt, ist die Entscheidung von Epic Games weniger überraschend.

Anders als bei iOS-Geräten ist eine alternative App-Vermarktung bei Android möglich: Grundsätzlich können auch Apps installiert werden, die nicht aus dem Play Store stammen. So sparen sich die Entwickler von Fortnite jede Menge Geld.

Für Epic Games spielen aber nicht nur die hohen Provisionen eine Rolle. Der Publisher wünscht sich einen direkteren und persönlicheren Kontakt zum Nutzer – Kundenservice, Zahlungsabwicklung und direktes Feedback sind da nur einige Faktoren.

Für Kunden bringt dieses Modell jedoch auch Risiken mit sich. Denn Apps, die nicht aus dem Play Store stammen, werden auch nicht von Google überprüft. So verwundert es nicht, dass es bereits erste Scam-Apps gibt, die sich als Fortnite ausgeben.

Netflix testet Abo-Abschluss-Alternativen

Anders als Fortnite legt sich der US-amerikanische Streaming-Dienst Netflix nicht mit Google, sondern mit Apple an. Denn auch Netflix beabsichtigt nicht länger sein Abonnement über die iOS-App laufen zu lassen, da auch Apple eine Provision von anfangs 30 Prozent verlangt.

Der Plan des Video-On-Demand-Anbieters scheint sich bereits zu konkretisieren: In 33 Ländern – darunter auch einige europäische Länder – werden derzeit alternative Zahlungsmethoden getestet.

Wer jetzt ein Netflix-Abo via iTunes-Store abschließen möchte, wird auf die Netflix-Website weitergeleitet. Hier können die Nutzer per Paypal oder Kreditkarte bezahlen und sich für ein Abo-Modell entscheiden.

Netflix will seine finale Entscheidung erst nach dem Ende des Tests am 30. September treffen. Der Streaming-Dienst wird sich zwischen einem eigenen Anmeldeverfahren und dem einfachen Abo-Abschluss via App Store entscheiden müssen.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass Netflix und Apple eigentlich Konkurrenten sind. Die Angebote von Apple TV ähneln denen des Streaming-Dienstes sehr. Beide Unternehmen versuchen seit geraumer Zeit, sich gegenseitig die Nutzer wegzuschnappen.

Spotify verzichtet auf Abonnement aus dem App Store

Das erwähnte Konkurrenzproblem hat Spotify vor allem mit Apple Music. Hier ähneln sich die Abo-Modelle, die man für das Streaming von Musik abschließen kann, doch sehr.

Mit dem Start von Apple Music im Jahr 2015 sind Spotify und Apple direkte Konkurrenten geworden. Kein Wunder also, dass der schwedische Musik-Streaming-Dienst seine Premium-Abos aus dem App Store entfernen wollte.

Im Sommer 2015 startete Spotify dazu eine E-Mail-Kampagne. Spotify-Nutzer wurden darauf aufmerksam gemacht, dass der Abo-Abschluss auf iTunes etwa 13 US-Dollar und das normale Abo 10 US-Dollar im Monat kostet. Die E-Mail beinhaltete auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Beenden der automatischen Abo-Verlängerung.

Mittlerweile verzichtet Spotify gänzlich darauf, ein Abo-Modell im Marktplatz von Apple anzubieten. Ein Abonnement kann nur noch auf der Webseite des Musik-Streaming-Dienstes abgeschlossen werden. Den Zahlen hat es bislang nicht geschadet.

Amazon Kindle: Keine Applikation zum Kauf von Büchern auf iOS-Geräten

Beim Verkauf von Büchern sieht die Lage etwas anders aus. So verbietet Apple grundsätzlich Anwendungen, die einen eigenen Store in ihrer Applikation besitzen. Auch hier musste sich die Konkurrenz eine Alternative ausdenken.

So lassen sich in der Android-App von Amazon Kindle Bücher problemlos kaufen. In der iOS-Anwendung ist der Bücherkauf nicht möglich. Selbst Amazon muss sich an die Regelung von Apple halten.

Ist das Amazon-Konto mit der Kindle-Anwendung auf dem iOS-Gerät verbunden, können die Bücher aber über diese Verbindung heruntergeladen werden.

Amazon verlagerte den Einkauf also von der App auf die eigene Webseite – ähnlich wie es auch Fortnite mit seiner Android-App macht.

Große Publisher können Alternativen nutzen, kleine App-Entwickler haben keine Wahl

Für große Publisher kann sich der Verzicht auf In-App-Abos und Downloads in den App Stores durchaus lohnen.

Kleinere App-Entwickler werden es schwieriger haben, Alternativen zu finden. Schließlich kosten Kundenservice, Zahlungsabwicklung und Download-Server ebenfalls jede Menge Geld. Aus diesem Grund sind der App Store und der Google Play Store wichtige Plattformen für die kleinen Entwickler.

Es bleibt abzuwarten, wie viele große Publisher in Zukunft von den Marktplätzen abspringen werden oder ob Apple und Google ihre Provisionen senken werden.

Welche Vorteile seht ihr im Abo-Abschluss via iTunes oder Google Play Store? Ladet ihr euch auch Applikationen herunter, die nicht in den Marktplätzen angeboten werden?

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Über den Autor

Stephanie Kowalski

Stephanie Kowalski ist Bloggerin und unterstützt als freiberufliche PRlerin kleine und mittelständische Unternehmen bei ihrer Kommunikation. In ihrem Blog Online PR Guide erklärt sie, wie man mithilfe bewährter PR-Strategien und moderner Online-Kanäle erfolgreich digital kommuniziert.

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