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Spotifys Strategiewechsel

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(Foto: Pixabay.com / photo mix)
geschrieben von Christian Erxleben

Spotify wird häufig dafür kritisiert, dass es wenig Geld an die Künstler selbst zahlt. Das ist zwar richtig, aber nur bedingt die Schuld des Streaming-Dienstes. Das könnte sich bald ändern. Ein Strategiewechsel steht bevor.

Das Musik-Business ist hart umkämpft. Obwohl Streaming-Dienste dabei sind, den Markt zu revolutionieren, dominieren noch immer die Labels. Sie kassieren das meiste Geld und bestimmen die Preise.

Unter dieser Situation leiden vor allem die Künstler. Die Einnahmen, die beispielsweise über das Musik-Streaming generiert werden, gehen zum großen Teil an die Labels. Was davon übrig bleibt, zeigt Cellistin Zoë Keating – und das ist nicht viel.

Auch Spotify muss unabhängiger werden

Doch nicht nur für die Künstler stellen die Labels ein Problem dar. Auch Spotify selbst hat mit dem Plattenfirmen zu kämpfen. Und das hat zwei Gründe:

  1. Der Streaming-Dienst erhält nur Zugriff auf die Rechte großer Stars, wenn es viel Geld an die Labels überweist. Ohne eine große Auswahl an Musik, ist ein Streaming-Dienst wertlos.
  2. Aufgrund der hohen Zahlungen an die Labels, die die Künstler vergüten, wirkt es so, als ob Spotify die Künstler schlecht bezahlt. Das schadet dem Image.

Die hohen Zahlungen an die Labels sind mit Sicherheit auch ein Grund dafür, dass die Firma von Daniel Ek noch nie Gewinne geschrieben hat. Im ersten Quartal 2018 lag der Umsatz bei 1,139 Milliarden Euro. Zugleich stand jedoch ein Verlust in Höhe von 169 Millionen Euro zu Buche. Ein Strategiewechsel muss her.

Strategiewechsel: Spotify will direkt mit Künstler kooperieren

Um endlich die Gewinnzone zu erreichen, vollzieht Spotify nun einen Strategiewechsel. Wie das US-amerikanische Musik-Magazin Billboard erfahren hat, beginnt der Musik-Streaming-Dienst nun damit, direkte Lizenzierungsverträge mit Künstlern abzuschließen.

Damit umgeht das Unternehmen den Mittelsmann und behebt beide Probleme in einem Schritt. Es zahlt weniger Geld an die Labels und kann den Künstlern mehr bieten.

Selbstverständlich kann es sich Spotify (noch) nicht leisten, einen Krieg mit den großen Labels und den Künstlern, die bei diesen unter Vertrag stehen, zu beginnen.

Trotzdem ist der jetzige Schritt selbstverständlich der Beginn eines Konkurrenzkampfes zwischen dem Streaming-Dienst und den Labels. Was mit kleinen und mittleren Künstlern beginnt, lässt sich – wenn das Modell aufgeht – auf größere Musiker ausweiten.

Wichtige Einschränkungen

Möchte man die volle Bandbreite der neuen Strategie abdecken, müssen noch zwei weitere Informationen ergänzt werden.

  1. Spotify möchte kein eigenes Label werden. Das Unternehmen wird die lizenzierte Musik nicht besitzen.
  2. Der Streaming-Dienst beansprucht keine exklusiven Vertriebsrechte. Künstler, die eine Partnerschaft mit dem Streaming-Dienst eingehen, können ihre Musik trotzdem noch bei Apple, Google und Co. verkaufen.

Obwohl Spotify im Kleinen beginnt, ist ein konkretes Ziel bereits erkenntlich. Der Weg könnte – wie bei Netflix – vom Bezahlen der Rechte-Inhaber zu eigenen exklusiven Inhalten verlaufen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

1 Kommentar

  • Das stimmt leider alles nicht so ganz. Spotify zahlt an die Rechteinhaber oder -vertreter, ob das jetzt Labels sind oder Künstler kann im ersten Moment egal sein. Die Labels werden hier immer wie die großen Bösen dargestellt, weil sie sich Gewinn abschöpfen, aber keiner beschwert sich, dass Künstler für die Finanzierung der Produktion, Vermarktung und Vertrieb ihrer Musik meist nicht selber aufkommen.

    Das Problem ist, dass der Auszahlungssatz von Spotify ganz generell zu gering ist. Spotify hat auch ganz bestimmt nicht deswegen noch nie Gewinn gemacht. Wohl eher wegen ihren teuren Büros und hohen Gehältern.

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