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Startup Monitor 2018: Einblicke in die deutsche Start-up-Szene

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Wie hat sich die deutsche Gründer-Szene verändert? (Foto: Pixabay.com / StartupStockPhotos)
geschrieben von Carsten Lexa

Wie stellt sich 2018 die Startup-Szene in Deutschland dar? Was bewegt Gründerinnen und Gründer? Wo läuft etwas in Deutschland gut und wo kann etwas verbessert werden? Mit diesen und vielen weiteren Fragen befasst sich der jährlich erscheinende Startup Monitor. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse.

Viele Teilnehmer, dennoch nicht repräsentativ

Der Startup Monitor 2018 gibt wieder einen guten Überblick über die Situation von Start-ups in Deutschland. Denn immerhin rund 1.550 Start-ups, die gut 3.800 Gründerinnen und Gründer mit knapp 17.700 Mitarbeitern repräsentieren, haben zum Daten-Pool des Startup Monitors beigetragen.

Dies stellt einen leichten Rückgang der teilnehmenden Start-ups zum Vorjahr dar. 2017 haben 1.837 Startups mit rund 4.250 Gründerinnen und Gründern teilgenommen.

Nicht klar jedoch ist die Gesamtanzahl der Start-ups und Gründer in Deutschland, sodass in der Folge die Gewichtung dieser Stichprobe von 1.550 Start-ups nicht exakt bewertet werden kann. Dennoch ist der Startup Monitor ein guter Indikator für die Strömungen und Entwicklungen der deutschen Start-up-Szene.

Eine Anmerkung ist in diesem Zusammenhang noch wichtig. Seit 2014 sinkt in Deutschland die Anzahl der Gründungen. Da Unternehmensgründungen jedoch ein entscheidender Faktor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung eines Landes sind, weil sie innovative Ideen umsetzen, Arbeitsplätze schaffen und zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, ist dies eine Entwicklung, die beunruhigt, die aber nicht unbedingt überrascht, wenn man sich die Gründerkultur in Deutschland ansieht.

Die untersuchten Start-ups

Die Start-ups, die im Rahmen des Startup Monitors Berücksichtigung fanden, sind jünger als zehn Jahre. Hier kann man aber die Frage stellen, ob ein Unternehmen, das schon zehn Jahre existiert, tatsächlich noch als jung und damit als Start-up zu qualifizieren ist.

Außerdem haben sie ein geplantes Mitarbeiter- und Umsatzwachstum und sind (hoch) innovativ in ihren Produkten, Dienstleistungen, Geschäftsmodellen und / oder ihren Technologien. Das durchschnittliche Alter liegt bei 2,5 Jahren.

Interessant ist dabei, dass der Anteil der Gründerinnen immer noch relativ überschaubar ist. Er beträgt nur 15,1 Prozent. Dieser Anteil steigt zwar seit vier Jahren. Dennoch stellt sich die Frage, ob und wie Frauen verstärkt Gründer-Aktivitäten entfalten können.

Die Digitalministerin Dorothee Bär schreibt deshalb auch treffend in ihrem Vorwort zum Startup Monitor, dass hier noch Verbesserungs-Potenzial besteht.

Und noch eine Zahl ist interessant: Gründerinnen und Gründer arbeiten durchschnittlich 56 Stunden pro Woche für ihr Unternehmen. Dennoch sind sie aufgrund der Selbstbestimmtheit mit ihrer Lebenssituation zufriedener als die restliche Bevölkerung.

49 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrem Leben „voll zufrieden“ zu sein. 90 Prozent der Befragten sind mindestens „zufrieden“, wohingegen dies nur 32 Prozent der Gesamtbevölkerung sagen.

In diesem Zusammenhang fällt übrigens auf, dass eine Notwendigkeit zum Gründen nur selten besteht. Gründungen erfolgen durchweg aufgrund von intrinsischen Motiven, weil die Herausforderung gesucht wird oder die Unabhängigkeit. Extrinsische Motive wie Anerkennung oder Wohlstand spielen zwar eine Rolle, werden aber weitaus weniger häufig genannt.

Und in welchem Alter wird in Deutschland gegründet? Der durchschnittliche Gründer ist in Deutschland 35,2 Jahre alt, was nahezu identisch mit der Zahl aus dem letzten Jahr (35,3 Jahre) ist.

Die meisten Gründer befinden sich in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren (48 Prozent) und 35 bis 44 Jahren (29 Prozent). Weniger als fünf Prozent sind älter als 54 Jahre.

Start-ups und ihr Umfeld

Die meisten Start-ups in Deutschland haben ihren Sitz in Berlin (15,8 Prozent), gefolgt von der Metropolregion Rhein-Ruhr (11,2 Prozent) und Hamburg (7,2 Prozent). Danach folgen Stuttgart und Karlsruhe sowie München.

Betrachtet man die Regionen, so ergibt sich ein starker Anstieg in Nordrhein-Westfalen. Rund 20 Prozent der Start-ups finden sich in diesem Bundesland. Danach folgen Berlin, Baden-Württemberg und Bayern.

Wie schon im letzten Jahr ist zu beobachten, dass Berlin zwar im Hinblick auf Start-ups in aller Munde ist, aber es sich immer stärker andere Regionen in Deutschland entwickeln.

Ein Blick auf die Branchen, in denen Start-ups tätig sind, sorgt dagegen nicht für Überraschungen. Gut ein Drittel der Start-ups gibt es im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Danach folgen mit weitem Abstand die Branchen „Ernährung / Nahrungsmittel / Konsumgüter“ sowie Medizin und Gesundheitswesen.

Spannend ist dann jedoch, dass über drei Viertel der Gründungen in Teams erfolgen, wobei meistens das Team aus zwei oder drei Gründern besteht.

Dabei ergibt sich ein interessanter Unterschied zwischen Männern und Frauen. Die Quote der Solo-Gründungen liegt bei Frauen bei über einem Drittel, wohingegen sie bei Männern nur bei knapp 20 Prozent liegt.

Start-ups als Wirtschaftsfaktor und Internationalisierungsmotor

Die befragten Start-ups planen in den nächsten zwölf Monaten rund 9.500 Mitarbeiter einzustellen. Damit schaffen sie also gut 6,5 Arbeitsplätze pro Start-up. Problematisch ist jedoch die Besetzung von offenen Stellen. 60 Prozent der Start-ups haben hier Schwierigkeiten.

Insbesondere Stellen in der angewandten (zum Beispiel Coder) und der technischen IT (zum Beispiel IT-Administratoren) sowie in der Forschung und Entwicklung sind schwer zu besetzen.

Nicht so problematisch stellt sich die Situation in kaufmännischen Bereichen wie Einkauf, Vertrieb und Marketing sowie Personalmanagement dar. Erhöht hat sich dennoch im Vergleich zum letzten Jahr die Anzahl der Mitarbeiter der teilnehmenden Start-ups: Diese beschäftigen durchschnittlich zwölf Personen.

Erfreulich ist, dass Start-ups nicht zu denjenigen gehören, die eine Abschottung von Märkten gutheißen. Zwar erzielen mehr als 80 Prozent der befragten Start-ups ihren Umsatz in Deutschland. Die Expansion ins Ausland, insbesondere ins EU-Ausland, spielt jedoch eine überragende Rolle.

Mehr als 95 Prozent planen den Gang in EU-Länder. Und immerhin ein Viertel bis ein Drittel der Befragten (Mehrfach-Nennungen waren wieder möglich) planen einen Eintritt in Nicht-EU-Ländern – also nach Nordamerika und Asien.

Finanzierungsquellen

Ein klares Bild ergibt sich, wenn man auf die Finanzierungsquellen von Start-ups schaut. Denn über 80 Prozent finanzieren ihre Gründung mit Ersparnissen. Geld von der Familie und von Freunden sowie staatliche Fördermittel spielen mit rund 30 bis 35 Prozent schon eine untergeordnete Rolle.

Auch hier waren Mehrfach-Nennungen erlaubt. Finanzierungen aus dem Bereich Venture Capital oder Inkubatoren beziehungsweise Acceleratoren haben mit 15 Prozent respektive 13 Prozent die geringste Bedeutung.

Schaut man jedoch nach, welcher Art die Venture-Capital-Investoren sind, dann sind gut die Hälfte den privaten Investoren zuzuordnen und gut ein Drittel den öffentlichen Investoren wie dem Hightech-Gründerfonds.

Start-ups, Politik und Bürokratie

Start-ups geben der Politik schlechte Schulnoten. Insbesondere die Arbeit der Bundesregierung im Hinblick auf die Unterstützung von Start-ups wird mit der Note 4,0 bewertet. Im Vorjahr gab es immerhin die Note 3,8. Der jetzige Startup Monitor stellt damit einen neuen Tiefpunkt dar.

Bei den Erwartungen an die Politik ergibt sich jedoch ein klares Bild. Der Abbau von regulatorischen und bürokratischen Hürden wird am häufigsten genannt. An zweiter Stelle folgt mit einigem Abstand die Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung.

Interessant ist, dass am dritthäufigsten die Aufnahme von Entrepreneurship in das Bildungswesen genannt wird. (Eine Forderung, die ich gerne und nachdrücklich unterstütze). Interessantes Detail am Rande: Mit steigender Tendenz fordern Start-ups die Einführung einer englischsprachigen Verwaltung.

Und was den Abbau von regulatorischen und bürokratischen Hürden angeht, so ergibt sich aus dem Startup Monitor ein sehr klares Bild.

Die Gründerinnen und Gründer fordern eine Vereinfachung der Buchhaltung, die Einrichtung von sogenannten One-Stop-Shops für Registrierungen, die Einschränkung der Notarpflicht, die Vollendung des europäischen „Digital Single Market“ und die Vereinfachung von Personalentwicklungen aus Nicht-EU-Staaten.

Generell besteht die Ansicht, dass insbesondere die Bürokratie-Belastungen im ersten Jahr drastisch zu reduzieren sind.

Was das Wahlverhalten angeht, so finden die CDU und CSU sowie die SPD wenig Anklang. Nur rund 18 Prozent beziehungsweise neun Prozent der Gründerinnen und Gründer würden diesen Parteien ihre Stimme geben.

Stattdessen stehen die FDP mit knapp 38 Prozent sowie Bündnis 90 / Die Grünen mit 24 Prozent hoch im Kurs. Die AfD, die Piraten und die Linke spielen so gut wie keine Rolle.

Dem FDP-Chef Christian Lindner sprechen die Befragten dabei mit rund 60 Prozent die größte Gründungs-Kompetenz zu. An zweiter Stelle sagen die Befragten „Kein Parteichef hat Gründungs-Kompetenz“ – immerhin mit 23 Prozent.

Konsequenzen aus dem Startup Monitor

Während die Politik noch rätselt, wie Deutschland als Gründer-Standort gestärkt werden kann – wenn sich überhaupt mit diesem Thema befasst wird –, haben die für den Startup Monitor befragten Gründerinnen und Gründer eine klare Meinung.

Zum einen sollten digitale Bildungsinhalte an weiterführenden Schulen eingeführt werden, um Jugendliche frühzeitig für digitale Berufsfelder zu begeistern. Zum anderen sollten Module wie „Entrepreneurship Education“ im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) an Universitäten geschaffen werden, um Studierende für Gründungs-Aktivitäten zu befähigen.

Und schließlich sollte endlich ein Fachkräftezuwanderungsgesetz etabliert werden, um Unternehmen bei der Gewinnung von Talenten aus aller Welt zu unterstützen.

Es bleibt zu hoffen, dass viele Politiker den Startup Monitor gelesen haben. Denn die Umsetzung der drei vorgenannten Forderungen verbunden mit einem engagierten Bürokratie-Abbau erleichtert den Zugang zu Kapital durch Investoren.

Das wiederum verbunden mit besseren steuerlichen Rahmenbedingungen für Investoren und einer verstärkten Anerkennung von unternehmerischen Leistungen schafft nicht nur bessere Rahmenbedingungen für Start-ups, sondern wird insgesamt den Wirtschaftsstandort Deutschland massiv stärken.

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

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