Social Media

Facebook-Gruppen: Willkommen in der Hölle!

Wut, wütend, Rage, Verzweiflung, Entsetzen, Facebook-Gruppen
Facebook-Gruppen können die Nerven ordentlich strapazieren. (Foto: Pexels.com / mohamed Abdelgaffar)
geschrieben von Christian Erxleben

Facebook-Gruppen sind ein großartiges Marketing- und Kommunikations-Tool. Trotzdem treiben mich die Gruppen, ihre Mitglieder und ihre Administratoren regelmäßig zur Weißglut. Ein Kommentar.

In den guten alten Zeiten, als man noch den Newsfeed bei Facebook nutzen konnte, um an Informationen zu gelangen, spielten Facebook-Gruppen eine eher untergeordnete Rolle. Klar, auch damals gab es schon Zusammenschlüsse – zum Beispiel von Fußball-Fans oder Arbeitssuchenden.

Doch seitdem sich Facebook dazu entschieden hat, den Newsfeed nur noch mit Nachrichten aus der eigenen Filterblase – in meinem Fall eine Mischung aus Social Media und American Football – zu befüllen, sind Facebook-Gruppen unfassbar wertvoll geworden.

Hier erhalte ich zuverlässig Informationen zu den Themen, die mich interessieren. Und es kommt noch besser: Wenn ich mich länger in einer Facebook-Gruppe aufhalte, spielt mir Facebook sogar Inhalte aus diesen Gruppen von selbst in meinen Newsfeed. Großartig!

Die Führung einer Facebook-Gruppe

Wer sich jedoch intensiv mit Facebook-Gruppen beschäftigt und aktiv in diesen unterwegs ist, stellt schnell fest: Es nervt und ist anstregend. Manchmal fragt man sich sogar, ob die Leute ihr Gehirn vor dem Facebook-Login ausschalten.

Doch genug der Aufregung an dieser Stelle. Schließlich muss auch hervorgehoben werden, dass es Hunderte großartige Facebook-Gruppen gibt. Diese ermöglichen einen Austausch auf Augenhöhe und lassen Diskussionen mit verschiedenen Meinungen zu.

Womit steht und fällt eine Facebook-Gruppe? Mit ihren Administratoren! Klar, es braucht gerade bei größeren Gruppen auch ein paar eindeutige Regeln. Dazu gehört beispielsweise, dass Hass, Beleidigungen und Mobbing verboten sind. Das ist einleuchtend und immens wichtig für die Community.

Doch es gibt leider auch die Administratoren, die sich wie kleine Weltherrscher aufführen. Selbstverständlich: Sie dürfen jeden darauf hinweisen, dass vor drei Monaten, vier Tagen und acht Stunden dazu bereits ein Beitrag erschienen ist. Das ist ihr gutes Recht als Herr dieser Gruppe.

Dass durch diese übertriebene Pingeligkeit und Kleinkariertheit jedoch neue Nutzer auch schnell vergrault und vertrieben werden, vergessen wohl die meisten dieser kleinen Facebook-Lords – oder es ist ihnen egal.

Dieser kleine Comic fasst eigentlich alles hervorragend zusammen …

Facebook-Gruppen: Wo Anstand und Gesprächskultur fehlen

Noch viel schlimmer als diese überaus genauen Gruppen-Administratoren sind jedoch andere Gruppen im Allgemeinen und ihre Nutzer im Speziellen. Warum ich das so allgemein fasse? Weil sich solche Gruppen zumeist in mehreren Faktoren überschneiden:

  1. Alle Gruppen-Mitglieder teilen ein gemeinsames Interesse.
  2. Dieses Interesse wiederum ist häufig mit starken Gefühlen und Emotionen aufgeladen.
  3. Ungünstigerweise gibt es in diesen Gruppen fast keine Moderation.

Und wozu führt das? Richtig! Zu jeder Menge Wut, endlosen Diskussionen und zahlreichen Momenten, in denen man das Smartphone einfach nur noch an die Wand werfen möchte – und den eigenen Kopf gleich noch mit.

Denn wie hirnlos teilweise diese Gruppen und ihre Mitglieder agieren, ist absolut unbegreiflich. Das fängt grundsätzlich damit an, dass sich innerhalb der Kommentar-Spalten die Mitglieder beleidigen und anschreien. Ein Post ohne Ausrufezeichen ist eine absolute Seltenheit.

Du hast eine andere Meinung? Dann brüllen wir dich nieder!

Ebenso vergebens sucht man an diesen düsteren Orten Anstand und eine ordentliche Diskussionskultur.

Wer mit sachlichen Argumenten um die Ecke kommt, die entgegen der Meinung der Gruppe oder der Gruppen-Mitglieder gehen, wird zunächst diskreditiert. Im Anschluss folgt dann regelmäßig das Argument, dass man den „Jurnalismus“ – ja, wird fast immer nur mit „U“ geschrieben – nicht verstanden habe.

Schließlich dürften Journalisten nie ihre Meinung äußern – upsi. Dass es so etwas wie einen Kommentar oder eine Glosse gibt, ist in diesen Gefilden nicht bekannt. Dabei macht es übrigens keinen Unterschied, ob es um private, wirtschaftliche, sportliche oder politische Themen geht.

Wer den puren Hass am eigenen Leib erleben möchte oder nicht glaubt, dass es eine solche Situation gibt, sucht sich beispielsweise eine Tesla-Gruppe und postet dort einen Artikel, in dem das Auto von Elon Musk nicht bis in den Himmel gelobt wird.

So leicht war es noch nie, viele Menschen unbegründet gegen sich aufzubringen. Schließlich geht es in diesen Gruppen nicht um sinnvolle Diskussionen. Es gibt nur eine richtige Meinung und wenn du diese nicht zu 100 Prozent vertrittst, wirst du getreten.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

9 Kommentare

  • Ich bin mittlerweile auch den meisten Gruppen ausgetreten. Die Admins haben auch nicht 24 Stunden am Tag Zeit um auf alles zu reagieren und zu löschen. Mir gefallen kleinere Gruppen, zu einem bestimmten Thema viel lieber.

  • Das Beispiel Tesla ist heikel, ja fehl am Platz. Denn leider gibt es jede Menge bezahlte Trolls im geheimen Auftrag der herkömmlichen Autoindustrie. Um nicht zu reden von haufenweise tendenziösen Presseartikeln in der „freien“ Presse. Diese Themenwahl wird wiederum aufgrund der traditionell hohen Werbeeinnahmen aus ebendieser Industrie stark beeinflusst.

    Kein Wunder, dass die Tesla Community auf unbesehen wiederholte Verdrehungen entschlossen reagiert – und dies zu Recht!

  • Hey Christian, man könnte es nicht besser beschreiben. Wir haben selbst einige Gruppen zum Thema Garten. Was da abgeht, wenn man das Hochbeet falsch anlegt und ein Bild postet oder wenn man es wagt zu fragen, was für ein Tisch das ist – inklusive Foto. Die Leute fallen sofort über einen her. Das ist nicht nur im Bereich Garten so. Am schlimmsten ist es in unseren Tiergruppen, wo regelmässig Tierschützer und andere aufeinander treffen.

  • Denn wie hirnlos teilweise diese Gruppen und ihre Mitglieder agieren, ist absolut unbegreiflich.

    (siehe letzter Absatz im zweitletzten Abschnitt: Facebook-Gruppen: Wo Anstand und Gesprächskultur fehlen) …

    Diesen Satz habe ich nicht ganz verstanden? Der Widerspruch irritiert mich doch sehr: Hirnlos versus Unbegreiflich! Ja wo soll ich denn nun das hirnlose Wesen suchen? Auf der einen oder der anderen Seite? 🙂 …auf jeden Fall ein besonders schöner Satz zum Thema…

  • Hallo Chris,

    Da stimme ich dir vollkommen zu. Ich bin fußballbegeistert und Leipziger. Da führt kein Weg an RB Leipzig vorbei. (Die Hölle friert zu!!1!1) Das führt dazu, dass ich auch in so einer Fangruppe bin. Und irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, meine Artikel zum Verein auch in dieser Gruppe zu teilen.

    Jetzt weißt du ja selbst, dass Artikel aus persönlichen Blogs immer nur mehr Kommentare sind. Sie sind niemals News. Aber frage nicht nach Sonnenschein, was ich da erlebte. Wenn ich RB Leipzig nicht bedingungslos in den Himmel geschrieben habe, waren meine Artikel Fake News.

    Das nimmt mir die Lust daran, a) mich in der Gruppe zu äußern und b) überhaupt über meine Sicht auf den Verein zu schreiben.

    Ich kann vieles in dem Artikel nachvollziehen. Und es ist schade, dass Gruppen so funktionieren. Denn wie du so schön schreibst, sind sie gut dafür, ein Thema tiefer zu ergründen.

  • Was wollte man erwarten. Facebook-Gruppen sind wie Foren 2.0. Da tummelt sich nunmal das gleiche Klientel. Und den Foren haben die meisten auch schon vor Jahren den Rücken gekehrt.

    Das Verhältnis von substanzieller Information zu zweifelhaftem Emotionsgewitter ist einfach nicht vertretbar.

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