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WhatsApp-Alternativen unter der Lupe: Was kann Telegram?

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Telegram ist eine der beliebtesten Alternativen zu WhatsApp. Allerdings ist der Messenger unsicherer als die Konkurrenz. (Foto: Pixabay.com / LoboStudioHamburg)
geschrieben von Vivien Stellmach

Die meisten von uns nutzen WhatsApp, um im Alltag mit Freunden, Familie und vielleicht auch Kollegen zu kommunizieren. Aber es gibt auch sichere und bessere Messenger auf dem Markt. Diese wollen wir in einer Serie einmal näher vorstellen. Heute: Telegram.

Telegram wurde 2013 von den Brüdern Nikolai und Pawel Durov gegründet, nachdem die beiden bereits das in Russland meist genutzte soziale Netzwerk VKontakte aufgebaut hatten. Heute hat das Entwicklungsteam seinen Sitz in Dubai.

Der Kurznachrichten-Dienst funktioniert sehr ähnlich wie WhatsApp und gilt deshalb als eine der beliebtesten Alternativen, seitdem Facebook WhatsApp im Februar 2014 für 19 Milliarden US-Dollar gekauft hat.


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Im März 2018 knackte Telegram die Nutzerzahl von monatlich 200 Millionen aktiven Anwendern. Nach permanenten Meldungen zu Schwachstellen bei WhatsApp im Frühjahr 2019 gewann der Messenger weitere Millionen Nutzer. Damit zählt Telegram heute zu den sechs meistgenutzten Kurznachrichten-Diensten weltweit.

Telegram: Die WhatsApp-Alternative mit Server-Client-Verschlüsselung

Telegram unterstützt eine Server-Client Verschlüsselung in privaten Chats und Gruppenchats. Geheime Chats sind zusätzlich durch eine Client-Client Verschlüsselung abgesichert. Diese Chats können nur der Absender und der Empfänger lesen, entschlüsseln oder abfangen.

Standardmäßig verschlüsselt die App Nachrichten also vom Nutzergerät zum Server und speichert sie in der eigenen Cloud. Wir können bis zu 1,5 Gigabyte große Texte, Fotos, Videos und Dokumente versenden und von verschiedenen Geräten auf sie zugreifen, ohne ein Backup anlegen zu müssen.

Wer seine Nachrichten vollständig verschlüsselt wissen will, sollte die geheime Chat-Funktion nutzen.

Keine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Telegram ist also nicht standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das Unternehmen schreibt in seinen FAQs, dass es nämlich keine elegante Lösung für eine Zugriffswiederherstellung auf einen Chatverlauf im Falle eines neuen Gerätes gebe. Deshalb bietet Telegram einfach zwei verschiedene Chatarten an.

Im Umgang mit Metadaten ist Telegram nur auf Nachfrage hundertprozentig transparent. Unter Metadaten verstehen wir Informationen darüber, mit wem wir zu welcher Uhrzeit kommunizieren, wie lang und wie groß eine verschickte Nachricht ist und in welchen Zeitintervallen sie kommen. Aktive Zeiten im Messenger zählen ebenfalls dazu.

Telegram speichert laut Datenschutzerklärung die IP-Adresse, Informationen über den verwendeten Gerätetyp, die App-Version und den Nutzernamen für maximal zwölf Monate. Damit wolle der Messenger Spam einschränken.

Aus der Erklärung geht aber nicht hervor, wie Telegram mit den Informationen umgeht. Wir erhalten auch keine Details darüber, was der Messenger mit unseren Standort-Daten macht.

Nutzer können über den sogenannten „GDPRBot“ aber eine Kopie aller Daten anfordern, die Telegram von ihnen gespeichert hat. Damit will Telegram zeigen, dass sie keine Daten sammeln, von denen auch Nutzer nichts wissen.

Telegram vs .WhatsApp: Die Funktionen im Vergleich

Telegram verfügt neben den gleichen Grundfunktionen wie WhatsApp auch noch über ein paar Zusatzfunktionen. Wer mehr Wert darauf legt, erhält mit diesem Messenger eine sehr gute Alternative.

In Gruppen-Chats können wir nämlich beispielsweise bis zu 200.000 Kontakte einladen. Es gibt ähnlich wie bei Facebook auch öffentliche Gruppen, genannt Kanäle, denen wir beitreten können, um uns mit anderen Menschen über verschiedene Themen auszutauschen.

In verschlüsselten Chats können wir zudem auswählen, dass Nachrichten sich nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören. Außerdem ist es möglich, Chats mit einer Persönlichen Identifikationsnummer (PIN) zu schützen.

Die Anwendung ist für iOS und Android kostenfrei verfügbar und auch auf dem Desktop verwendbar. Laut eigenen Angaben finanziert Gründer Pavel Durov die Entwicklung der App mit seinem Vermögen.

Langfristig denken die Brüder aber wohl auch über kostenpflichtige Zusatzfunktionen nach. Werbung und einen Verkauf von Daten schließen sie aus.

Ein Pluspunkt ist ebenfalls, dass wir für die Nutzung von Telegram nicht unbedingt unsere Rufnummer preisgeben müssen. Wir brauchen sie zwar zur Registrierung, können sie anschließend aber einen Benutzernamen festlegen und die Nummer vor anderen Kontakten verbergen. Das geht bei WhatsApp nicht.

Telegram X als Test-Messenger

Der russische Messenger bietet mit Telegram X auch eine eigene App-Alternative an, die schneller laufen und weniger Akkuleistung verbrauchen soll.

Die Anwendung ist allerdings mehr als Experiment gedacht. Sie verfügt dementsprechend auch über buntere Animationen und verschiedene experimentelle Funktionen.

In der App testet das Unternehmen auch neue Features, die später gegebenenfalls in den normalen Messenger integriert werden sollen.

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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

20 Kommentare

  • Bitte, wenn ihr nach sicheren Alternativen schaut, dann bitte die beiden wichtigsten Player: Signal oder Threema.

    Signal sorgt dafür, das auch in Ländern, in denen der Staat die verschlüsselte Kommunikation unterbinden will der Dienst noch bestmöglich funktioniert. Es ist OpenSource und ist dadurch stets Die Menschen hinter Signal verstehen verschlüsselung und haben bei der Verschlüsselung von Whatsapp und jetzt von Skype mitgewirkt. Signal verschlüsselt nicht nur die Nachrichten, sondern auch Metadaten wie: Wer kommuniziert mit wem oder welche Binärdaten werde von wo nach wo geschickt.

    Threema ist ebenfalls vollverschlüsselt und audited, aber durch closed source, nicht so transparent.

  • „Die App speichert nämlich alle Kontakte unseres Adressbuches ohne uns vorher danach zu fragen.“
    Bei Telegram wird man beim 1.Start der App ja gefragt, ob man den Zugriff auf die Kontakte erlauben möchte und wenn man dies verneint, funktioniert Telegram trotzdem (die Nummern müssen dann halt manuell eingetragen werden) im Gegensatz zu Whatsapp.

    Daher verstehe ich diesen Kritikpunkt überhaupt nicht.

    • Hi Cimba,

      benutzt du die Android- oder iOS-App? Laut Datenschutzerklärung fragt Telegram immer um Erlaubnis, bevor die App auf das eigene Adressbuch zugreift.

      Bei unserem Test mit der iOS-App ist das nicht passiert.

      Liebe Grüße
      Vivien

    • Ich schließe mich zu deine Meinung.
      In Einstellungen kannst du auch Benutzer Name erstellen und keine sieht deine Nummer.
      Telegram ist nicht schlecht sondern besser als WhatsApp.

  • Ich weiß nicht wieso, aber mir erscheint der Artikel sehr voreingenommen gegenüber Telegram. Viele Schwachpunkte, die angesprochen werden, sind auch die Schwachstellen von WhatsApp und anderen beliebten – kostenfreien – Messengern. Wer Datenschutz und Privatsphäre haben möchte, muss auch dafür bezahlen

    Nichts für ungut, aber Telegram X gibt es nicht mehr bzw. wirt mit der Standardversion zusammengeführt.

    https://stadt-bremerhaven.de/telegram-fuer-ios-telegram-x-wird-der-neue-standard/

  • Erst letzte Woche auf iOS installiert. Bei der Installation fragt telegram den Zugriff auf das Telefonbuch ab und es kann abgelehnt werden.

  • Hallo,
    schöner Artikel.
    Trotzdem möchte ich noch Delta Chat (https://delta.chat/de/) in den Raum werfen.

    Dort werden die Vorteile von Messenger und E-Mail hervorragend verknüpft.

    Entgegen landläufiger Meinung ist E-Mai noch nicht tot. Selbst hier im Forum gibt man seine Mailadresse und nicht seine „WhatsApp Nummer“ an.

    Aber zurück zu Delta Chat.
    Dieser Messenger basiert auf der UI von Signal.
    Und im Hintergrund auf IMAP und SMTP.

    Dadurch sieht es aus und fühlt sich an wie ein Messenger hat aber gleichzeitig die Vorteile von E-mail wie:

    -Verteiltes Servernetzt
    -Beste Marktdurchdringung (Jede gültige Mailadresse kann angeschrieben werden)
    -Von Delta Chat zu Delta Chat wird per Grundeinstellung Ende-zu-Ende verschlüsselt
    -Schlüsselaustausch erfolgt mittels Auto Crypt so dass der Nutzer davon nichts mitbekommt. Genau so wie man das von anderen Messengern auch gewohnt ist.
    -Multiclientfähig (Dank IMAP gibt es eine100%ige Synchronisation zwischen den Clients) Selbst Thunderbird mit Enigmal geht.

    Für Android, Linux und MacOs gibt es schon sehr gut funktionierenede Versionen.
    iOS als Testflight Version
    Auch die Android Version im Play Store oder F-Droid gilt noch als Vorabversion.

    Ich nutze diese Version aber schon lange und für mich fühlt sich das durchaus wie eine V.1.0 an 🙂

  • Hallo,
    wenn ihr schreibt, dass man den „Secret Chat“ erst mal einstellen muss, wäre es natürlich schön gewesen kurz zu beschreiben, wie und wo.

  • Leider macht dieser Artikel (wie viele Andere in den Weiten des Internets) den Fehler, auf der nicht standardmäßig eingestellten End-to-end-Verschlüsselung herumzureiten, ohne sich aber ernsthaft mit der Sicherheit der Standard-Chats bei Telegram auseinanderzusetzen. Etwas mehr Recherche hätte hier gut getan. Denn der Telegram-Standardchat ist ein Cloud-basierter Dienst, der eine Synchronisierung zwischen mehreren Endgeräten erlaubt. Man kann Nachrichten beispielsweise auf PC, Handy und Tablet gleichermaßen lesen und beantworten. Dabei ist es z.B. auch problemlos möglich, eine Nachricht am PC zu beginnen und am Handy weiter zu schreiben. Da eine derartige Synchronisation auf beiden Seiten der Kommunikation möglich ist, gibt es also keine zwei Enden, zwischen denen eine End-To-End-Verschlüsselung erfolgen könnte. Telegram verschlüsselt sowohl die Daten auf dem Server, als auch die Kommunikation zwischen Server und den einzelnen Clients. Die Behauptung im Artikel, User im selben WLAN könnten die Kommunikation unverschlüsselt mitlesen, ist entsprechend falsch. Sicher könnte man die Sicherheit dieses Systems kritisch beleuchten, beispielsweise die Anfälligkeit für Man in the middle-Attacken oder die möglichkeit einer Accountübernahme bei nicht genutzte 2-Step-Verification, aber derartiges findet sich leider nicht im Artikel. Wenn man schon beschreibt, dass die Secret-Chats nicht der Standard sind, dann muss man auch dazu schreiben, dass diesen die komplette Cloud-Funktionalität, die in Punkto Usability Telegrams große Stärke und Alleinstellungsmerkmal ist, eben fehlt.
    Zu der in den Kommentaren oben genannten Frage nach der Synchronisation des Adressbuchs: Diese Lässt sich einfach im Einstellungsmenü ausschalten. Es ist übrigens möglich, Telegram ohne Zugriff auf die eigene Telefonnummer, nur mit Benutzernamen zu nutzen.

    • Hallo lieber Corresponder,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine hilfreichen ergänzenden Informationen. Selbstverständlich könnten wir vermutlich auch 25.000 Zeichen zu dieser Thematik schreiben. Aber an irgendeiner Stelle muss man redaktionell einfach eine Grenze ziehen. Deshalb freuen wir uns über unsere Leser – wie dich –, die wertvolle Fakten ergänzen. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann es niemals geben. Sonst könnte man ja im Prinzip nie ein Porträt verfassen. Das wäre bei all den Perspektiven, Blickwinkeln und Funktionen dann defacto unmöglich.

      Liebe Grüße
      Christian

      • Aber zumindest eine Korrektur zur falschen Information über das „Mitlesen im WLAN“ sollte doch wohl redaktionell drin sein. Sonst verliert ihr, besonders aber nicht nur in dieser Artikelreihe, massiv an Glaubwürdigkeit, wenn nicht einmal auf Hinweis schlecht recherchierte Fakten korrigiert werden…

  • …und auch eine Woche später steht diese Behauptung noch drin. Wenn ihr irgendeinen Beweis für die Möglichkeit zum Mitlesen im Wlan habt, könnt ihr euch doch das Geld von Telegram holen, das für das Finden von Sicherheitslücken ausgelobt wurde.

    Und auf welcher Quelle beruht denn die Aussage, dass dies ein russischer Messenger ist? Nur weil der Gründer ursprünglich aus Russland stammt? Demnach wäre WhatsApp ein asiatischer? Ist es nicht vielmehr so, dass schon mehrfach in Russland versucht wurde, den zu verbieten und zu blockieren? Was man kritisieren könnte, wäre das Impressum bzw das sie keinen festen Firmensitz haben. Das kann aber unter Umständen auch von Vorteil sein, da so kein Land darauf Einfluss nehmen kann.

    Was überhaupt nicht erwähnt ist die Möglichkeit, mit anderen Kontakt aufzunehmen zu können, ohne die eigene Telefonnummer weitergeben zu müssen. Mit Hilfe des optionalen Benutzernamens, kann man zb mit Kollegen schreiben, ohne dass jeder gleich die private Nummer bekommt.

    • Hi Chris,

      danke für deinen Kommentar. Wir haben den Artikel jetzt ein wenig angepasst und gewisse Passagen umformuliert – und auch berichtigt, dass das Entwicklerteam heute in Dubai sitzt.

      Wie hier auch schon erwähnt wurde, erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das würde schlichtweg unseren redaktionellen Rahmen sprengen und wäre so auch gar nicht möglich, weil immer irgendetwas nicht detailliert genug beschrieben werden würde. Dass man die Telefonnummer im Gegensatz zu WhatsApp aber bei Telegram verbergen kann, haben wir aufgenommen. Danke für die Info!

      Viele Grüße
      Vivien

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