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So ist es um die deutsche Start-up-Szene bestellt

Globus, Erde, Welt, Weltkugel, Start-up-Szene
Ein Blick auf die Start-up-Welt in Deutschland. (Foto: Pexels.com / Suzy Hazelwood)
geschrieben von Carsten Lexa

Frauenquote, Gründer-Hotspots, politische Einstellungen, Arbeitsplätze und mehr: Auch in diesem Jahr geht der „Deutsche Startup Monitor“ der deutschen Start-up-Szene auf den Grund. Wir haben für dich die zentralen Erkenntnisse zusammengestellt.

Die deutsche Start-up-Szene: Der Status quo 2019

Jedes Jahr veröffentlicht der Bundesverband Deutsche Startups den Deutschen Startup Monitor (DSM). Dieser beschreibt den Zustand der deutschen Start-up-Szene.

Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands, schreibt dazu im Vorwort zur nun schon siebten Ausgabe des DSM, dass dieser mit fast 2.000 teilnehmenden Start-ups die bisher breiteste Informationsbasis seit der Erstausgabe zu Grunde liegt. Das entspricht einem Zuwachs von fast 25 Prozent.


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Und wie in jedem Jahr ergeben sich aus dem DSM einige wichtige Erkenntnisse, die ich kurz darstellen möchte.

Definition von Start-ups

Vorweg noch zur Klarstellung: Start-ups haben nach dem Bundesverband drei Merkmale gemein und grenzen sich dadurch von anderen Formen der Existenzgründung ab.

Sie sind jünger als zehn Jahre, haben ein geplantes Mitarbeiter- und Umsatzwachstum und/oder sind in ihren Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen und Technologien hoch innovativ.

Frauen als Gründerinnen

Frauen sind in der Gründerszene nach wie vor unterrepräsentiert, auch wenn sich erfreulicherweise der Trend fortsetzt, dass Existenzgründungen durch Frauen zunehmen. So stieg seit 2013 die Zahl der Gründerinnen immerhin von 13 Prozent auf nunmehr 15,7 Prozent an.

Und auch bei der Zusammensetzung der Gründer-Teams lässt sich feststellen, dass über zwei Drittel der Start-ups ausschließlich von Männern gegründet wurden. Mitgründerinnen sind nur in 31,1 Prozent aller untersuchten Start-ups mit dabei.

In ungefähr jedem zehnten Unternehmen dieser 31,1 Prozent sind eine oder mehrere Frauen von Beginn an dabei.

Branchen

Die am häufigsten vertretene Branche in der deutschen Start-up-Szene ist nach wie vor mit rund 30 Prozent die Informations- und Kommunikationstechnologie. An zweiter Stelle liegt mit knapp elf Prozent die Nahrungsmittel- und Konsumgüter-Branche.

Auf den weiteren Plätzen folgen dann die Medizin-Branche und das Gesundheitswesen mit rund 8,5 Prozent und die große Sparte „Automobile/Mobilität/Logistik“ mit rund 6,5 Prozent.

Und das Thema Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. 36 Prozent der DSM-Start-ups gehören der Green Economy oder dem Bereich „Social Entrepreneurship“ an. In dieser Branche sind Start-ups häufig Wegbereiter für weitergehende Lösungen und Entwicklungen.

Gründer-Hotspots

Unverändert zum letzten Jahr gibt es fünf Gründer-Hochburgen. Mit einem Anteil von gut 16 Prozent aller befragten Start-ups ist Berlin Gründunghauptstadt. Dann folgt die Gründungsregion Rhein Ruhr mit knapp 14,5 Prozent. Das entspricht einer Steigerung von rund drei Prozent.

Hamburg mit 7,5 Prozent, der Raum Stuttgart/Karlsruhe mit 7,5 Prozent und München mit sieben Prozent folgen. Darüber hinaus haben die Start-up-Gründungen im Raum Stuttgart/Karlsruhe und München zugenommen.

In diesen fünf aufgeführten Gründer-Hochburgen erfolgte dabei die Hälfte aller Gründungen. Die neuen Bundesländer sind als Start-up-Regionen nach wie vor nicht sonderlich stark vertreten.

Die Gründe für die Zentralisierung auf diese fünf Hotspots liegen laut dem DSM

  • … in der internationalen und schnell wachsenden Bevölkerung mit vielen qualifizierten und hoch motivierten Talenten (Berlin),
  • … der engen geografischen Nähe, die zu einer guten Vernetzung untereinander führt (Rhein Ruhr),
  • … dem Vorhandensein des notwendigen Kapitals, unter anderem dank bildungs- und forschungsstarker Universitäten (München),
  • … der attraktiven Rahmenbedingungen für nachhaltige Geschäftsmodelle (Hamburg)
  • … und dem Trend, dass etablierte Konzerne mit Start-ups kooperieren (Stuttgart).

Arbeitsplätze

Start-ups schaffen Arbeitsplätze. Im Durchschnitt sind es 13,3 pro Unternehmen. Das ist exakt ein Arbeitsplatz mehr als noch im Jahr 2018. Zusätzlich sind Start-ups auf Zuwachs ausgerichtet. 2020 sollen durchschnittlich weitere 7,9 Mitarbeiter neu eingestellt werden.

Start-up-Gründungen erfolgen zu zwei Dritteln in Teams. Die durchschnittliche Größe eines Gründungsteams liegt bei 2,4 Personen. Nur rund 25 Prozent der teilnehmenden Start-ups werden von Einzelpersonen gegründet.

Gründer-Biografie

Über 81 Prozent der Start-ups lassen sich auf Gründer mit abgeschlossenem Hochschulstudium zurückführen. Zu beobachten jedoch ist ein neuer Trend.

Obwohl die Informations- und Kommunikationsbranche weiterhin am stärksten vertreten ist, sank der Anteil der Studienabschlüsse im Bereich der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).

Der Grund liegt darin, dass ein wirtschaftswissenschaftlicher Hintergrund für den Erfolg eines Startups laut DSM wichtiger gilt, als eine Ausbildung aus einem fachspezifischen Bereich wie der Informatik. Probleme informationstechnischer Art vergeben die Start-ups an externe Spezialisten.

Interessante Erkenntnis: Die Gründer-Persönlichkeit kristallisierte sich meistens bereits früh heraus. Schon in frühen Jahren bewiesen spätere Gründer ihre Führungsqualitäten. Sie waren zum Beispiel Schülersprecher oder sie schwammen gerne gegen den Strom. Das belegen Verweise und andere Klassenbucheinträge.

Weiter sind Gründer deutlich häufiger als die Allgemeinheit „sehr zufrieden“ mit ihrer Lebenssituation. Sie kommen also gut mit den Anforderungen und Unwägbarkeiten eines Start-ups zurecht.

Kapitalquellen

Eine Wachtstumsbremse für die deutsche Start-up-Szene ist die große Differenz zwischen den bevorzugten und tatsächlich genutzten Kapitalquellen. Auf der Wunschliste oben stehen die Finanzierungen durch Business Angels und Venture Capital.

Obwohl fast 40 Prozent der Start-ups eine Finanzierung durch Wagniskapital anstrebten, konnten nur 15 Prozent erfolgreich VC-Gelder einsammeln. Kapital ist insgesamt eine begehrte Ware. Es ist nie ausreichend vorhanden und stellt das Hauptproblem in der weiteren Entwicklung dar.

Mitarbeiterbeteiligungen

Formen von Mitarbeiterbeteiligungen liegen bei mehr als der Hälfte der DSM-Start-ups vor. Rechtlich stoßen die Gründer dabei aber auf schwierige Aufgaben, die sie nur selten mit „sehr günstig“ bewerten.

Hier verweist der Report auf die Studie von Index Ventures, nach deren Ergebnis Deutschland den traurigen vorletzten Platz von 22 untersuchten europäischen Ländern einnimmt, wenn es um die Attraktivität für Mitarbeiterbeteiligungen geht.

Demnach bewerten lediglich 31,6 Prozent der Start-ups die rechtlichen Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen in Deutschland als (sehr) günstig.

Politische Einstellung

Mittlerweile wählen die meisten der an dem DSM teilnehmenden Start-ups die Grünen. Dies ist eine interessante Entwicklung. Schließlich lässt sich hieran möglicherweise ein Vertrauensverlust bezüglich traditionell wirtschaftsfreundlicher Parteien wie FDP erkennen.

Die Wünsche an die Politik richten sich vor allem auf den Abbau der Bürokratie sowie an eine bessere Förderung bei der Kapitalbeschaffung. Darüber hinaus gibt es verstärkt Forderungen, die auf die Nachhaltigkeit, Umweltschutz und gesellschaftlichen Anliegen ausgerichtet sind.

Geschäftslage

Auch wenn inzwischen innerhalb Deutschlands von einer Abschwächung der Wirtschaft gesprochen wird, wirkt sich dies noch nicht auf die Stimmungslage der Start-ups aus.

Hier ist zwar ein Rückgang der positiven Bewertung bezüglich der Geschäftslage von rund 2,5 Prozent zu bemerken. Doch von rund 50 Prozent der Start-ups wird die Lage weiter als sehr positiv eingeschätzt.

Dazu passt, dass knapp zwei Drittel der Start-ups der zukünftigen Geschäftsentwicklung zuversichtlich entgegensehen. Dies entspricht einer Steigerung von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die aktuelle Geschäfts-Situation wird sonst von rund 42 Prozent als befriedigend eingestuft, schlecht nur von knapp acht Prozent.

Urheberrechtsreform

Neu im DSM ist eine Beurteilung der europäischen Urheberrechtsreform. Digitale Geschäftsmodelle sind alltäglich bei Start-ups und nehmen eine wichtige Funktion bei diesen ein.

Knapp 72 Prozent der befragten Start-ups kommen zu dem Ergebnis, dass die Urheberrechtsreform eine negativen Einfluss ausübt. Sie sprechen sogar von einer Gefahr für das eigene Unternehmen und die eigenen Geschäftsmodelle.

Fazit zur deutschen Start-up-Szene

Auch wenn die Zahl der Gründungen zurückgeht, wird die konjunkturelle Entwicklung von den befragten Start-ups positiv bewertet. Das ist eine wichtige Erkenntnis. Schließlich erlaubt es auch einen Rückschluss auf die Einschätzung zur Gründung eines Unternehmens.

Da diese Bewertung gut ausfällt, bleibt das Gründen eines Unternehmens eine Alternative für gut ausgebildete und motivierte Menschen gegenüber dem Weg in eine sichere Anstellung.

Jedoch gibt es ein Thema, das sich jedes Jahr im DSM wiederfindet: Die ungünstigen Rahmenbedingungen für Gründer. Das hier eine Verbesserung dringend notwendig ist, wird von den Gründern nicht nur im DSM geäußert, sondern auch mit Regelmäßigkeit an zahlreichen anderen Stellen.

Es ist inzwischen einfach nur noch unverständlich, dass hier so wenig geschieht. Bedenkt man, dass Deutschland als Volkswirtschaft auf die Innovationen, den Enthusiasmus und das wirtschaftliche Engagement junger Menschen angewiesen ist, kann mit Verbesserungen nicht länger gewartet werden.

Dies gilt umso mehr, weil es für Start-ups mit einem Online-Geschäftsmodell immer einfacher wird, ausländische Unternehmensformen zu nutzen.

Zuletzt ist nach wie vor die Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten eines der Hauptthemen der befragten Start-ups. Hier muss die Politik verstärkt Anreize schaffen.

Hilfreich wäre dabei, wenn Start-ups von Seiten der politischen Akteure nicht nur als Risiko, sondern als bedeutender Arbeitgeber und als Innovationsmotor verstanden werden.

Als solche sollten Start-ups insgesamt gehegt und gepflegt und insbesondere mit möglichst optimaler Ausgangslage versorgt werden, damit diese sich auch auf dem internationalen Markt behaupten können.

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

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