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YouTube-Monetarisierung: Profitabel, hilfreich oder unfair?

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YouTuberin Hazel vom Kanal "Pocket Money" hat einige Tests zur Monetarisierung auf YouTube gemacht. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Marinela Potor

Die YouTube-Monetarisierung, vor allem in Form von Werbe-Einnahmen, macht die Videoplattform für viele Vlogger attraktiv. Doch immer mehr YouTuber beschweren sich darüber, dass es dabei nicht immer fair zugehe.  

Justin Bieber, Pew Die Pie oder Shawn Mendes: Diese Beispiele zeigen, wie man über YouTube sehr erfolgreich werden kann. Auch wenn natürlich klar ist, dass nicht jeder YouTuber so groß herauskommen kann, ist die Plattform für viele als Einnahmequelle attraktiv.

Die Welt der YouTube-Monetarisierung

YouTube bietet den Nutzern nämlich verschiedene Monetarisierungs-Möglichkeiten – also Einnahmequellen.


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Dazu gehören:

  • Kanal-Mitgliedschaft: Hier bekommen YouTuber mit vielen Abonnenten bestimmte Vorteile.
  • Super Chat: In dem Fall bezahlen Zuschauer dafür, dass ihre Nachrichten in Livechats hervorgehoben werden.
  • YouTube Premium: In den Ländern, in denen man das YouTube-Abo nutzen kann, bekommen die YouTuber einen Anteil der Abo-Gebühr.
  • Merchandising: Das kann von Produktplatzierungen bis zum Verkauf von eigenen Produkten oder Dienstleistungen auf dem eigenen Kanal reichen.

Doch die bekannteste Einnahmequelle bei YouTube sind Werbe-Einnahmen. Die Video-Plattform bietet dafür verschiedene Formate.

  • Display-Anzeigen: Rechts vom Video oder über den Video-Empfehlungen eingeblendet (für Computer und Laptops)
  • Overlay-Anzeigen: Im unteren Fünftel des Videos (Computer und Laptops)
  • Überspringbare Videoanzeigen: Meist vor dem Video eingeblendet und können von Zuschauern nach fünf Sekunden übersprungen werden. (alle Geräte, inklusive Spielkonsolen)
  • Video-Anzeigen, die man nicht überspringen kann. (Computer, Laptops, mobile Geräte)
  • Bumper-Anzeigen: Sechssekündige Vollbildanzeige vor dem Video (Computer, Laptops, mobile Geräte)
  • Gesponserte Infokarten: Kleine visuelle Teaser, die ein paar Sekunden lang eingeblendet werden. (Computer, Laptops, mobile Geräte)

Darüber hinaus gibt es für längere Videos ab zehn Minuten auch die Option, Mini-Werbeblocks mitten im Video einzubauen. Die YouTuber können wählen, welche und wie viele Anzeigenformate sie für ihre Videos aktivieren wollen.

Einige Formate – wie etwa die nicht-überspringbaren Anzeigen – bringen mehr Geld, wirken unter Umständen aber auch abschreckend. Ein solch komplexes Anzeigen-Portfolio haben wenige andere Plattformen. Deshalb sieht YouTube genau das als besonderes Merkmal seiner Plattform.

YouTube für Anzeigenkunden sehr attraktiv

Demnach kommen so drei Gruppen zusammen: Zuschauer, Kanal-Betreiber sowie Werbekunden und schaffen so einen Kreislauf, „von dem jeder profitieren kann“.

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Der Werbe-Kreislauf auf YouTube. (Foto: Screenshot / YouTube)

Auf der einen Seite stehen die YouTuber selbst, die Creator, die ihre Inhalte verbreiten und damit die Zuschauer informieren, unterhalten oder inspirieren.

Diese Zuschauer wiederum sind eine großartige Einnahmequelle für Werbekunden. Das liegt vor allem daran, dass die YouTuber durch ihre Inhalte meist eine sehr klare Zielgruppe ansprechen.

Wenn ein Windel-Hersteller seine Produkte etwa als Anzeige vor einen Mami-Vlog schaltet, kann er ziemlich sicher sein, dass er damit die perfekte Zielgruppe erreicht. Dafür geht dann im Gegenzug ein Prozentanteil an die jeweiligen Kanal-Betreiber.

Nun kann tatsächlich nicht jeder YouTuber seinen Kanal monetarisieren. Das funktioniert nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind und YouTube den Kanal für die Monetarisierung freischaltet.

Dazu gehört ein Mindestalter von 18 Jahren sowie der Zugriff zum Adsense-Programm. Darüber hinaus verlangt YouTube eine gewisse Anzahl von Abrufen für die Videos.

Auch dürfen keine Verwarnungen vorliegen und die Inhalte müssen den Richtlinien für „werbefreundliche Inhalte“ entsprechen. Genau hier wird es aber problematisch.

Alle profitieren, aber einige mehr als andere

Denn Werbekunden können festlegen, dass sie ihre Anzeigen nur in solchen Videos abspielen lassen möchten, die zur Marke passen. Einerseits ist das natürlich sinnvoll.

Es ist zum Beispiel sicherlich nicht sehr hilfreich, eine Anzeige für veganen Käse vor einem Koch-Video für Steaks abzuspielen. Auch will kein Unternehmen seine Anzeigen zu einem Terror-Video schalten.

Andererseits sorgt die Macht der Anzeigenkunden dafür, dass bestimmter Content bevorzugt, anderer diskriminiert wird und YouTuber sogar, wenn sie ihre Videos monetarisieren wollen, ganz bewusst ihre Inhalte anpassen.

Seitdem immer mehr YouTuber offen über ihre Werbe-Einnahmen sprechen, ist ziemlich offensichtlich, dass es profitablere Themen gibt als andere. Ein Finanz-Kanal für Selbstständige lockt zum Beispiel mehr Werbungtreibende an als ein Kanal mit politischer Satire oder gesellschaftskritischen Inhalten.

Langfristig, so die Sorge, kann das zu einer Selbst-Zensur der Plattform führen, bei der komplexere Inhalte einfach nicht mehr auftauchen, weil sie so schwer zu vermarkten sind.

YouTube-Monetarisierung: Unfairer Algorithmus?

Viele YouTuber vermuten außerdem, dass die Plattform einen Algorithmus nutzt, der anhand von Keywords in der Video-Beschreibung entscheidet, wie Videos mit Anzeigen gepaart werden, beziehungsweise einzelne Videos lediglich aufgrund von Keywords sogar von der Monetarisierung blockt.

Ob ein Video gesperrt wird, ist relativ schnell erkennbar. Denn sobald ein YouTuber ein Video hochlädt, erscheint meist direkt entweder ein grünes oder ein gelbes Dollar-Zeichen.

Grün bedeutet für Werbung freigeschaltet, gelb steht für „eingeschränkte oder keine Werbeanzeigen“. Das heißt: YouTuber können mit demonetarisierten Videos keine Werbeeinnahmen verbuchen.

Das Problem ist weniger die Technologie an sich, sondern vielmehr, dass der Algorithmus offenbar sehr grob arbeitet und Videos oftmals nur aufgrund von bestimmten Keywords demonetarisiert. Die eigentlichen Inhalte beachtet er gar nicht.

Die deutschen Betreiber hinter dem Geschichtskanal „The Great War“ haben zum Beispiel bemerkt, dass ihre Videos demonetarisiert wurden, weil sie das Wort „Krieg“ im Titel oder in der Beschreibung haben.

In dem Fall zeigt ein Blick auf die Videos aber, dass der Kanal den Ersten Weltkrieg historisch aufarbeitet und qualitativ hochwertige Inhalte zeigt, die im Prinzip auch als Dokumentation im Fernsehen laufen könnten.

Auch Themen wie „Burnout“ oder „Selbstmord“ werden oft gar nicht erst für Werbung freigeschaltet, weil die Inhalte eben vom Algorithmus vermutlich automatisch als „nicht werbefreundlich“ eingestuft werden, auch wenn sich YouTuber hier einfühlsam mit sehr wichtigen Tabu-Themen auseinandersetzen.

Videos mit problematischen Keywords für Werbung gesperrt

Auch YouTuber in Deutschland haben sich daher unter dem Hashtag #Darktube unter anderem auch über diese selektive und sehr grobe Monetarisierungs-Taktik beschwert, doch YouTube bestreitet die Vorwürfe. Eine Demonetarisierung auf Basis von Keywords finde nicht statt.

Dass daran aber doch etwas dran ist, hat die deutsche YouTuberin Hazel auf ihrem Kanal „Pocket Money“ belegt.

Dazu hat Hazel mehrere Videos auf ihrem Kanal hochgeladen, die weder Bild noch Ton hatten und nur mit bestimmten „problematischen“ Keywords versehen waren, wie etwa „Weltkrieg“, „schwul“ oder „Essstörung“.

Das Ergebnis: Bis auf das Video mit dem Keyword „schwul“ wurden ihre Videos nicht für Werbe-Einnahmen freigeschaltet.

Das legt durchaus nahe, dass YouTube also nicht wirklich auf die Inhalte der Videos achtet, sondern vielmehr über einen Algorithmus eine Art Vorauswahl zur Werbe-Monetarisierung allein über Schlagwörter trifft.

YouTuber können sich natürlich auch beschweren, wenn sie meinen, das gelbe Dollar-Zeichen sei zu Unrecht vergeben worden. Dann müssen Mitarbeiter der Plattform die Inhalte manuell prüfen. Auch hier scheint aber eine gewisse Willkür vorzuherrschen, wie die YouTuberin Hazel festgestellt hat.

Werbeeinnahmen beeinflussen Inhalte

So hat sie auf ihrem zweiten Kanal ein Video zum Thema „Was ich gerne über S*X beim ersten Mal gewusst hätte…“ produziert. Dieses wurde für die Monetarisierung freigeschaltet.

Weil das Video gut ankam, entschied sich Hazel dazu, einen zweiten Teil aufzunehmen. Dieser wurde von YouTube aber demonetarisiert und auch nach der manuellen Prüfung als „nicht werbefreundlich“ eingestuft.

Damit hat Hazel also zwei Videos zum gleichen Thema auf ihrem Kanal: Eines ist für Werbung freigeschaltet, das andere nicht.

Das wirklich Problematische zeigt sich aber nicht nur in der Widersprüchlichkeit dieser Einstufung, sondern auch in der Schlussfolgerung, die Hazel daraus für sich gezogen hat. So sagt sie: „Manchmal überlege ich mir mehrmals, ob ich Videos mache, auf der Entscheidungsgrundlage: Verdiene ich damit Geld oder nicht?“

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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