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Warum die Abgesänge auf Netflix noch zu früh kommen

Breaking Bad, Walter White, Netflix
Netflix und seine Serien haben zahlreiche treue Fans. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Christian Erxleben

Netflix wird von Kritikern gerne schon zu Grabe getragen. Disney Plus, HBO Max und Apple TV Plus wären die neuen Helden. Für den größten Streaming-Dienst der Welt gäbe es keinen Platz mehr. Ich meine: Wartet doch erst einmal ab. Ein Kommentar.

Tja, die Welt könnte doch so schön sein. Es gibt einen Streaming-Dienst, der wirklich alle Serien und Filme anbietet und dabei auch gerade einmal zehn oder meinetwegen 15 Euro kostet. So sieht wohl in vielen Köpfen die Ideal-Vorstellung eines Streaming-Dienstes aus.

Lange Zeit erfüllte Netflix diese Ideal-Vorstellung – oder kam zumindest sehr nahe an diesen eigentlich nicht zu erreichenden Status heran.


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Schließlich lieferte das Unternehmen aus dem kalifornischen Los Gatos über Jahre hinweg Monat für Monat neue Blockbuster und Spitzen-Serien. Das ist eigentlich auch heute noch so. Doch es gibt inzwischen ein paar Einschränkungen – und die sind quasi von Natur aus gegeben.

Mit Disney Plus und HBO Max beginnt die Fragmentierung

Was ich damit meine? Ich meine damit, dass es selbstverständlich ist, dass nicht ein Unternehmen über Jahre hinweg fast alleine ein Monopol besetzen kann, ohne dass Herausforderer versuchen, am Thron zu rütteln.

Das gilt für den Streaming-Bereich ebenso wie für die sozialen Netzwerke. Dort ist zwar das Facebook-Imperium noch immer dominant. Ohne die geschickten taktischen Zukäufe von WhatsApp und Instagram sähe die Situation jedoch vermutlich anders aus.

Und eben jener Prozess der Fragmentierung des Marktes – und damit auch der Nutzer-Gruppen – setzt langsam aber sicher im Streaming-Sektor ein. Als größte Herausforderer für den aktuellen Marktführer Netflix werden dabei Disney Plus und HBO Max gehandelt.

Viele Fragezeichen in Deutschland

Beide Angebote haben sicherlich ihren Reiz. So liefert HBO beispielsweise das Warner-Bros-Universum um Serien wie Friends und den Prinz von Bel Air sowie das DC-Universium um Doom Patrol und Co. Später soll das Angebot – und das ist nicht uninteressant – auch Live-Sport enthalten.

Doch wie die Situation dabei in Deutschland konkret aussieht und wann das Angebot überhaupt in welcher Form zu uns kommt ist noch offen.

Anders sieht die Lage bei Disney Plus aus. Der Dienst, der seit November 2019 in den USA, Kanada, den Niederlanden, Australien und Neuseeland verfügbar ist, kommt auch noch in diesem Jahr nach Deutschland. Alleine der Preis ist mit 6,99 Euro im Monat bereits eine Ansage.

Wie lange es dabei bleibt, ist unbekannt. Schließlich war ja auch Netflix mal deutlich günstiger gestartet.

Inhaltlich punktet Disney neben den eigenen Produktionen auch mit den Inhalten von Pixar, Marvel, Lucasfilm und National Geographic. Von Star Wars über die Avengers bis hin zur Eiskönigin gibt es also bei Disney viele Blockbuster-Inhalte.

Klar ist aber auch: Das Angebot ist – im Moment – beschränkt und spricht auch teilweise sehr spezielle Zielgruppen an. Wer nicht gerade auf Superhelden steht und seine Naturdokumentationen an anderer Stelle schaut, hat die Premium-Inhalte von Disney in einem Monat durch.

Ein langfristiges Erlebnis sieht anders aus.

Die neue Konkurrenz von Netflix ist noch winzig

Doch selbst wenn wir annehmen, dass beide Dienste – oder zumindest einer – ein voller Erfolg werden, starten beide global bei genau null Abonnenten. Netflix kommt währenddessen immerhin schon auf einen Wert von über 150 Millionen monatlich zahlenden Kunden.

Selbst wenn Netflix ein Drittel seiner Nutzerschaft alleine an Disney verliert, bleiben noch immer über 100 Millionen Premium-Mitglieder zur Monetarisierung.

Und was man dabei auch nicht vergessen darf: Wenn Netflix nicht mehr um die extrem teuren Rechte für Star Wars und Co. mitbieten muss, spart der Streaming-Dienst viel Geld ein. Dadurch lässt sich ein möglicher Zahlungsausfall – zumindest teilweise – kompensieren.

Wer also schon heute Netflix zu Grabe trägt, ist noch ein wenig zu früh dran.

Und die ganzen Schreihälse in den sozialen Netzwerken, die beständig nur Netflix kritisieren und damit drohen, den Dienst zu verlassen, haben ja jetzt endlich bald die Möglichkeit dazu. Ob das neue Angebot auf Dauer besser ist, werden sie selbst herausfinden müssen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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