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Der eine Punkt, den wir bei Remote Work von den Niederlanden lernen können

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In der Niederlande fallen wichtige Voraussetzungen für Remote Work zusammen. (Foto: Unsplash.com / manny PANTOJA)
geschrieben von Philip Bolognesi

Remote Work ist für viele deutsche Unternehmen ein völlig neues Arbeitskonzept. In den Niederlanden jedoch gehört dieser Ansatz seit Jahren fest zur Arbeitswelt. Es handelt sich also nicht um ein temporäres Phänomen. Von dieser Erkenntnis können wir alle lernen.

In der Corona-Krise zeigt sich, dass der Wille in vielen Unternehmen vorhanden war und noch immer ist, dezentral aus dem Home Office zu arbeiten. Leider nahm und nimmt die Bereitschaft schon wieder spürbar ab.

Die oft zitierte „neue Normalität“ wird jedoch dazu führen, dass Remote Work nicht nur ein temporäres Phänomen ist. Denn viele Länder und auch einige Branchen werden das Arbeiten in den eigenen vier Wänden dauerhaft umsetzen.

Vor dem Ausbruch des Coronavirus gaben laut einer Studie der europäischen Kommission rund 4,7 Prozent der Arbeiter in Großbritannien an, gewöhnlich remote zu arbeiten. In Deutschland immerhin 5,2 Prozent. In den Niederlanden waren es schon 14,1 Prozent, die laut eigener Aussage normalerweise nicht im Büro arbeiten.

Lange Zeit war die Niederlande Vorreiter beim Thema Remote Work. Und während Finnland in den letzten Jahren immer mehr Telearbeit aus dem Home Office für sich entdeckt, hinken vielen europäische Nachbarn um Jahre dieser Entwicklung hinterher.

Doch was sind die Gründe dafür?

In diesem Punkt ist uns die Niederlande voraus

Weltweit haben viele Unternehmen und Konzerne feststellen müssen, dass die Umstellung auf Remote Work wahrlich nicht einfach ist. Sei es die technische Neuausrüstung von Mitarbeitern oder das zügige Aufsetzen einer anderen Arbeitskultur: Für viele stellten sie einschneidende Veränderungen dar.

Für niederländische Unternehmen hatten sie allerdings eher den Charakter kleinerer Anpassungen. Förderlich für diese Entwicklung ist bei unseren niederländischen Nachbarn die digitale Infrastruktur. Denn hier können 98 Prozent aller Haushalte einen Breitbandanschluss nutzen.

Wesentlich wichtiger und für den Erfolg von Remote Work in der Breite maßgeblicher ist allerdings ihre Kultur. In vielen Firmen kommt es nicht auf die tägliche Stundenanzahl im Büro an, sondern schlussendlich auf die Produktivität, also welchen Wert jeder Arbeiter täglich leistet.

Eine Kultur, die perfekt für Remote Work ausgelegt ist

Selbst große Unternehmen wie Twitter und Barclays gaben vor kurzem an, ihre innerstädtischen und teuren Büroflächen anderweitig vermieten oder aufgeben zu wollen. Werden also diese Bekenntnisse namhafter Unternehmen Ansporn für andere sein?

Sicher ist: Langfristig sollten Remote Work und Home Office Grundpfeiler einer neuen Arbeitskultur werden.

In den Niederlanden sind die Voraussetzungen dafür perfekt. Der Gedanke der Partizipation ist dabei gekoppelt an eine breite Motivation innerhalb der Gemeinschaft der Arbeitnehmer, die eigene Leistung stets in den Dienst des eigenen Arbeitgebers zu stellen.

Eine Motivation, die Arbeitgeber mit Vertrauen belohnen und mit gegenseitiger Wertschätzung.

Vertrauen zählt – und wird honoriert

Die Niederlande zeigt ein bewundernswertes Maß an Vertrauen in ihre Mitarbeiter und versteht die digitalen Rahmenbedingungen perfekt, die zur Umsetzung von Remote Work erforderlich sind. Wir, die europäischen Nachbarn, sollten deshalb von ihnen lernen und diesem Modell nacheifern.

Viele Länder kämpfen mit der Präsenz-Kultur. Mitarbeiter erfahren Druck und werden angehalten, ins Büro zu kommen. Anderen fehlt es an einem Breitbandanschluss. Diesen Herausforderungen gilt es, sich zu stellen.

Denn während die Niederlande eine Kombination aus abgestimmter Infrastruktur, Investitionen in eine digitale Zukunft und Vertrauenskultur aufweist, sollten und müssen Unternehmen in anderen Ländern die Pandemie als Wendepunkt begreifen – und sich auf eine weniger bürobasierte Zukunft einlassen.


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Über den Autor

Philip Bolognesi

Philip Bolognesi war von 2018 bis 2020 in der Redaktion von BASIC thinking tätig. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover.

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