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Tencent: Das ist Chinas größter Digital-Konzern

Tencent, Gaming, Technologie
Tencent ist der größte Gaming-Konzern weltweit. (Foto: Screenshot / Tencent)
geschrieben von Vivien Stellmach

Tencent ist Chinas größter Internet-Konzern – und zugleich noch die größte Gaming-Firma weltweit. Doch in welchen digitalen Geschäftsfeldern ist das Unternehmen aus dem chinesischen Shenzhen eigentlich noch aktiv? Das zeigen wir dir in einem Porträt.

Tencent wurde 1998 von Ma Huateng und Zhang Zhidong in der südostasischen Metropole Shenzhen gegründet. Das allererste Produkt brachte das Unternehmen im Februar 1999 auf den Markt.

Es handelte sich um den Instant Messenger IOCQ, welcher später wegen seiner namentlichen Ähnlichkeit zum konkurrierenden Messenger ICQ in Tencent QQ umbenannt wurde.


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Das Unternehmen war damals mit dem Messenger sehr erfolgreich. Es gelang Tencent in nur wenigen Jahren, zum ersten Gewinn erzielenden Internet-Unternehmen in China zu werden.

Seit Juni 2004 ist Tencent auch an der Börse von Hongkong notiert. Seit Mai 2007 ist das Unternehmen außerdem im MSCI Emerging Markets Aktienindex gelistet und seit Juni 2008 im Hang Seng Aktienindex.

Tencent: Das größte Digital-Unternehmen in China

Im Jahr 2007 investierte das Unternehmen bereits über 100 Millionen chinesische Yuan– das entspricht etwas weniger als 15 Millionen US-Dollar – in den Aufbau des ersten chinesischen Forschungs- und Entwicklungsinstituts für Internet-Technologien.

Das Tencent Research Institute ist heute mit Standorten in Peking, Shanghai und Shenzhen vertreten.

Heute ist Tencent mit einer Marktkapitalisierung von ungefähr 491 Milliarden US-Dollar das größte Digital-Unternehmen in China. Es gehört gleichzeitig auch zu den wertvollsten Unternehmen der Welt.

Und das kommt nicht von ungefähr. Die Firma ist inzwischen in vielen digitalen Bereichen aktiv – darunter in sozialen Netzwerken, Instant-Messenger-Diensten, E-Commerce-Plattformen, Online-Spielen und Online-Werbung.

Das Spiel mit Wechat und Social Games

So betreibt Tencent zum Beispiel die Plattform Wechat. Ursprünglich handelte es sich dabei um einen reinen Messenger für Smartphones. Mittlerweile enthält die App aber auch zahlreiche weitere Funktionen wie das Mobile-Payment-System Wechat Pay, das sich mit Google Pay und Apple Pay vergleichen lässt.

Und die chinesische Plattform kann noch viel mehr. Tencent ist es über Wechat nämlich auch gelungen, mit Social Gaming Geld zu verdienen.

Die Spieleplattform von Wechat heißt Wechat Mini Games und enthält kleine Anwendungen, die komplett auf eine mobile Nutzung ausgerichtet sind. Die Zielgruppe sind auch keine waschechten Videospiel-Fans, sondern vielmehr grundsätzlich die Nutzer des sozialen Netzwerks.

Mobile Games sind nämlich meist simpel zu spielen und darum ein Geschäftsmodell an sich. Die Einnahmen generieren sich aus In-App-Käufen und Werbung, wobei 60 Prozent an den Entwickler gehen und 30 Prozent an Werbungtreibende.

Tencent hat das Potenzial, das im Gaming-Markt steckt, also schon früh entdeckt. In der Hinsicht ist das chinesische Unternehmen eine echte Erfolgsstory.

Tencent hat sich ein Standbein durch gezielte Übernahmen aufgebaut

Und geschäftlich hat Tencent bislang auch überaus clever agiert. Das Unternehmen hält Beteiligungen an 14 Firmen aus der Technologie- und Gaming-Branche. Es hat sich also ebenfalls ein Standbein durch gezielte Übernahmen aufgebaut.

Das Software-Unternehmen Epic Games gehört etwa zu fast 50 Prozent dem chinesischen Technologie-Konzern. Und dieser hatte alleine im vierten Quartal 2019 Schätzungen zu Folge mehr als 5,2 Milliarden US-Dollar mit Games umgesetzt.

Tencent hält derzeit auch 84 Prozent an Supercell, dem Unternehmen hinter Clash of Clans.

Komplett zum Unternehmen gehören sogar das Gaming-Studio Riot Games, das wiederum hinter dem erfolgreichen Spiel „League of Legends“ steckt, und Funcom. Das ist ein norwegischer Entwickler und Publisher von Spielen wie „Age of Conan: Hyborian Adventures“.

Allerdings beschränkt sich Tencent nicht auf Beteiligungen an Software-Unternehmen und Entwickler-Studios. Tencent hat sich breit aufgestellt und hält beispielsweise auch zwölf Prozent an der Social-Media-Plattform Snapchat und 7,5 Prozent am Musik-Streaming-Dienst Spotify.

Ein eigenes Ökosystem

Das bedeutet, dass Tencent sich über die Jahre hinweg ein eigenes Ökosystem aufgebaut hat. Das Unternehmen hat nicht nur Inhalte, sondern auch Kommunikationskanäle und Bezahlmöglichkeiten auf einer Plattform vereint.

Kunden können in der Welt von Tencent also Spiele spielen, über soziale Netzwerke mit anderen Menschen kommunizieren und zugleich ihre Rechnungen bezahlen, Flüge buchen oder einen Tisch in Restaurants reservieren.

Hinzu kommt, dass das Unternehmen aus China expandiert und sich Zugang zu westlichen (Spiele-)Firmen verschafft hat. Das Erfolgsgeheimnis von Tencent scheint demnach zu sein, die Hände zur richtigen Zeit in die richtige Richtung auszustrecken.

Ist Tencent spannender als Facebook und Co.?

Und da der Konzern scheinbar genau dafür ein sehr gutes Gespür hat, könnte er möglicherweise auch spannender als Facebook und Co. sein.

Tencent sucht nämlich sorgfältig nach lohnenden Investitionen und Akquisitionen. Und dass diese in der Regel von Erfolg gekrönt sind, beweist beispielsweise die Beteiligung an Epic Games und deren Erfolg mit dem beliebten Online-Spiel Fortnite.

Das zeigt auch, dass unabhängige Software-Firmen und Entwickler eigentlich nicht mehr als ein Spielball für große Tech-Unternehmen wie Tencent sind. Wenn die Firma ihre Marktmacht weiter ausbaut, scheinen sich in Zukunft viele Möglichkeiten zu bieten – nämlich die Spitze der Gaming- und Tech-Welt.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass alle Maßnahmen und Innovationen von Facebook fast genau dem Plan von Tencent und Wechat folgen. Das merken wir in Europa zwar nicht, weil sich unser Blick eher auf den US-amerikanischen Markt richtet. Der Realität entspricht es trotzdem.


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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

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