Social Media

Wie können wir Kinder im Netz beschützen?

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Wie wollen wir unsere Kinder beschützen, wenn wir intime Momente mit Millionen Menschen im Netz teilen? (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Vivien Stellmach

Wenn Eltern ihr ungeborenes Kind bereits auf Instagram vermarkten: Wie können wir im Netz dann überhaupt noch unsere Kinder beschützen? Die Frage ist berechtigt, denn einige Eltern verdienen sehr viel Geld damit, auf Kosten ihres Nachwuchses Werbeanzeigen zu schalten.

Eltern wollen ihre Kinder beschützen – normalerweise um jeden Preis. Zumindest gilt das für die echte Welt. In der digitalen scheinen sich einige Mütter und Väter wohl weniger Gedanken zu machen.

Auf Instagram gibt es genug Eltern, die mit ihren Kindern für Kleidung, Spielzeug und Nahrungsergänzungsmittel werben. Die Kleinen machen den Spaß oft mit, obwohl ihnen natürlich nicht bewusst ist, was sie da genau tun.


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Die beiden eineiigen Zwillinge Taytum und Oakley Fisher haben zum Beispiel einen eigenen Instagram-Kanal mit 3,1 Millionen Followern. Ihr Vater, Kyler Fisher, gab der New York Times ein Interview, in dem er erzählt, dass er mit einem gesponserten Post auf dem Kanal der beiden Zweijährigen zwischen 10.000 und 20.000 US-Dollar verdienen könne.

Kinder beschützen: Ist das Geld wichtiger als die Privatsphäre im Netz?

Kyler Fisher und seine Frau Madison haben ebenfalls eigene Instagram-Kanäle mit 546.000 und 1,6 Millionen Followern.

Den erfolgreichsten Kanal betreibt die Familie aber auf YouTube. Dort teilen sie ihren Alltag regelmäßig mit mehreren Millionen Menschen – und kassieren laut New York Times bis zu 50.000 US-Dollar pro Werbeclip.

Der Vater sagt: „Meine Kinder machen das Paket perfekt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir so weit gekommen wären, wenn wir die Mädchen nicht hätten.“ Aber machen sich die Eltern keine Gedanken um die Privatsphäre ihrer Kinder? Ist ihnen das Geld wichtiger?

Eltern vermarkten ihr ungeborenes Kind

Das Motiv hinter dem Familien-Influencer-Wahnsinn kennen wir nicht.

Auf der einen Seite kann man den Eltern natürlich Cleverness attestieren. Schließlich machen sie sich erfolgreich die Macht des Internets zunutze. Sie sind nicht von einem Job mit Hungerlohn abhängig – und können sogar mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Auf der anderen Seite können Kinder in dem Alter unmöglich das Bewusstsein dafür haben, was es heißt, sich so offenkundig im Netz präsentieren zu lassen. Moralisch noch fragwürdiger wird die Sache aber, wenn Eltern sogar ihr ungeborenes Kind vermarkten. Und auch das haben Kyler und Madison Fisher getan.

Für ihre dritte Tochter Halston Blake Fisher hatten die Eltern schon vor der Geburt ein Instagram-Profil angelegt. Den ersten Post veröffentlichten sie am 15. November 2019, obwohl das Baby erst im März 2020 auf die Welt kommen sollte. Der Beitrag sammelte mehr als 110.000 Likes.

Das Kind ist inzwischen ein paar Monate alt und hat 643.000 Follower. Die Eltern präsentieren sein Gesicht ohne Hemmungen prominent auf nahezu jedem Foto.

Und in diesem Fall kann nun wirklich niemand behaupten, dass Halston Blake Fisher auch nur die geringste Wahl hatte, sich auch gegen eine öffentliche Präsenz im Netz zu entscheiden.

Wie können wir im Netz unsere Kinder beschützen?

Vielleicht haben die Eltern sich auch genug Gedanken um die Privatsphäre ihrer Kinder gemacht. Vielleicht machen sie gerade alles richtig, wenn es um ihre persönliche Familie geht. Fest steht aber, dass uns das Beispiel einlädt, einmal darüber nachzudenken, wie wir im Netz unsere Kinder beschützen können.

Denn Kinderfotos im Netz sind nicht ungefährlich. Entführer und Pädophile könnten im schlimmsten Fall auf die Kleinen aufmerksam werden und im echten Leben nur darauf warten, sie anzusprechen.

Vielleicht stellen die Kinder mit fünf Jahren aber auch einfach fest, dass sie nicht öffentlich im Netz zur Schau gestellt werden wollen. Würden Eltern wie die Fishers das dann sofort akzeptieren? Oder würden sie das Kind überreden wollen, weil sie so viel Geld mit ihm verdienen?

Die beste Möglichkeit, unsere Kinder vor psychischen und physischen Schäden zu bewahren, ist es, keine (öffentlichen) Fotos von ihnen im Internet zu teilen.

So können wir sie am besten beschützen. Aber das Verlangen, das eigene Leben mit anderen, teilweise fremden Menschen zu teilen, scheint in Zusammenspiel mit der Möglichkeit, viel Geld zu verdienen, für viele zu groß dafür zu sein.

Müssen soziale Netzwerke und Politik unsere Kinder beschützen?

Aber müssen soziale Netzwerke dann nicht mehr Verantwortung übernehmen? Muss die Politik nicht vielleicht sogar verbieten, Kinderfotos öffentlich im Netz zu posten oder zumindest, sie als Influencer zu missbrauchen?

Soziale Netzwerke könnten zum Beispiel eine Bilderkennung einführen, die automatisch den Upload von Kinderfotos verbietet.

Denn scheinbar wissen viele Eltern nicht, wie viel Druck sie emotional auch auf ihr Kind ausüben. Wenn es beispielsweise keine Lust auf ein Fotoshooting hat, bedeutet das für die Eltern auch, finanziell zurückstecken zu müssen.

Möglicherweise brauchen wir also ein passendes Gesetz dafür, dass Kinder nicht unwillentlich zur Vermarktung benutzt werden.


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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

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