Social Media

Warum niemand Facebook mag und trotzdem alle die Plattform nutzen

Facebook, Facebook-App, Facebook-Icon
Ohne Facebook geht es offensichtlich auch nicht. (Foto: Unsplash.com / Brett Jordan)
geschrieben von Christian Erxleben

Die Zeiten, in denen Facebook die angesagte Plattform und der Treffpunkt in den sozialen Netzwerken war, sind vorbei. Zu groß ist die Konkurrenz durch Tik Tok, Instagram und Co. Trotzdem wächst der Dienst von Mark Zuckerberg weiter. Eine Einordnung.

Mit seinen schon mehr als 16 Jahren ist Facebook eigentlich schon raus aus der Pubertät. Und wie auch bei der menschlichen Pubertät hat auch das soziale Netzwerk von Gründer Mark Zuckerberg in den letzten drei bis fünf Jahren einen persönlichen Wandel vollzogen.

Facebook: Noch immer die unangefochtene Nummer 1

Denn während Facebook 2015 definitiv noch das coolste Kind auf dem Pausenhof der sozialen Netzwerke war – Instagram war damals noch eine unbedeutende Nischenplattform und Tik Tok gab es noch nicht einmal – sieht die Situation zum Jahreswechsel 2020/2021 anders aus.


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In der Zwischenzeit ist die Plattform „uncool“ um im Jargon der Schule zu bleiben. Wenn man die öffentlichen Aussagen so anhört, nutzt eigentlich fast niemand mehr das Netzwerk. Wenn überhaupt besteht der Account nur noch. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter dem Niedergang?

Zu den Fakten: Im dritten Quartal 2015 – also vor fünf Jahren – verzeichnete Facebook rund um den Globus 1,545 Milliarden Nutzer, die mindestens einmal innerhalb eines Monats auf der Plattform aktiv sind.

Zum Vergleich dann noch die Zahlen aus dem dritten Quartal 2020: Aktuell summieren sich die monatlich aktiven Nutzer (MAU) auf 2,74 Milliarden Menschen. Das entspricht im Fünf-Jahres-Vergleich einer Steigerung um mehr als 77 Prozent. Ein Niedergang sieht anders aus.

Und auch in Deutschland sieht die Situation durchaus vergleichbar. Auch wenn die letzten Zahlen aus dem Jahresbericht 2018 stammen, sind 32 Millionen monatlich aktive und 23 Millionen tägliche Nutzer ungeschlagen.

Die Zahlen zeigen: An Facebook führt kein Weg vorbei.

Wie steigen die Zahlen, wenn die private Nutzung zurückgeht?

Diese Frage ist wohl die interessanteste. Dabei gibt es mehrere Faktoren zu beachten. Beginnen wir mit der Nutzung von Facebook in Deutschland. Diese bleibt seit Jahren stabil über 30 Millionen Nutzern.

1. Verschiebungen in den Altersgruppen

Was sich jedoch verändert hat, sind die Altersgruppen: Waren im Jahr 2014 noch 92 Prozent der 16- bis 19-Jährigen auf der Plattform aktiv, sind es heute gerade einmal 36 Prozent. Und auch bei den 20- bis 29-Jährigen ist die Nutzung von 85 auf 73 Prozent gesunken.

Zugleich ist jedoch die Anzahl der älteren Nutzer deutlich gestiegen. Sowohl die Werte der 40- bis 49-Jährigen (plus acht Prozent auf 64 Prozent) und der 50- bis 59-Jährigen (plus zwölf Prozent auf 59 Prozent) sind dafür angestiegen.

So kommt es, dass in der Summe die Anzahl der Facebook-Nutzer in Deutschland fast stabil bleibt. Nur die Nutzung verschiebt sich.

2. Wachstum in Schwellenländern

Hinzu kommt, dass wir bei der Gesamtbetrachtung von Facebook oftmals unsere deutsche Brille nicht absetzen, denn der Blick auf das globale Wachstum von Facebook macht deutlich, dass die Plattform durchaus noch Potenzial besitzt. Die 3-Milliarden-Marke ist greifbar.

Gerade in Schwellenländern in Afrika, Südamerika und Teilen von Asien ist das Netzwerk von Mark Zuckerberg immer noch die wichtigste Plattform zur Kommunikation und Organisation. Und auch im Heimatland – also in den USA – sind die Zahlen nach wie vor beeindruckend.

Dabei vergessen wir, dass der in Deutschland mit knapp 60 Millionen Nutzern beliebteste Dienst WhatsApp in den USA eher ein Schattendasein fristet. Und auch Snapchat und Twitter sind längst nicht mehr von den USA abhängig. Auch ihre Nutzer stammen verstärkt von anderen Kontinenten.

3. Werbungtreibende und Publisher

Und der dritte und letzte Faktor für das Wachstum von Facebook liegt darin, dass das soziale Netzwerk nicht nur die mit Abstand größte, sondern auch mit Blick auf das Social Media Marketing wichtigste Werbeplattform der Welt ist.

Aufgrund der breiten Streuung innerhalb fast aller Altersklassen und fast aller Regionen der Welt ist Facebook für Werbungtreibende und auch Publisher ein Kanal, der nicht ignoriert werden kann.

So gibt es im Herbst 2020 zehn Millionen Unternehmen, die nur auf Facebook Werbung schalten. Wenn man die Nutzung der beiden Töchter Instagram und WhatsApp mit einberechnet, wächst dieser Wert auf 200 Millionen Unternehmen.

Der Umsatz von Facebook beläuft sich im dritten Quartal auf mehr als 21,5 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum 2019 lag der Wert noch bei 17,7 Milliarden US-Dollar. Die Corona-Krise hat dem Werbegeschäft des größten sozialen Netzwerks also nicht wirklich geschadet.

Denn: Mehr als 95 Prozent aller Einnahmen entstammen aus der Werbung.

Und wer als Unternehmer, Verlag, Werbungtreibender oder Influencer seine Kunden ansprechen oder die eigenen Produkte bewerben möchte, braucht nun einmal einen Facebook-Account. Ohne diesen sind dir die Funktionen verschlossen.

Fazit

Alle Zahlen unterstreichen die Bedeutung von Facebook nachdrücklich. Und selbst wenn der Eindruck stimmt, dass die private Nutzung von Facebook in einigen Ländern in einigen Altersgruppen zurückgeht, lässt sich daraus noch längst kein globaler Trend ableiten.

Und wenn wir an all die Social Media Manager, Online Marketer und Co. denken, die Facebook beruflich nutzen müssen, ist auch klar, dass das Netzwerk von Mark Zuckerberg uns wohl auch noch die nächsten Jahre begleitet – wenn auch in einem anderen Gewand als noch vor fünf oder zehn Jahren.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

1 Kommentar

  • Hallo Christian,

    schöner Beitrag dazu, wie wichtig Facebook sein kann. Das Netzwerk ist sehr aktiv. Viele Menschen tummeln sich dort.

    Dennoch muss man schauen was das eigene Projekt an Voraussetzungen mit sich bringt. Gerade die Zielgruppe ist wichtig.

    Auf der anderen Seite macht es kaum ein anderes Netzwerk insbesondere kleinen Webseiten so schwer. Die Sichtbarkeit mit einer Seite statt einem Profil geht gegen 0. Selbst die Gruppen mit 500+ Mitgliedern erreichen nur einen geringen Teil der User.

    Es scheint als wolle Facebook eben die von Dir angesprochene Werbung fokussieren. Heißt im Endeffekt, wenn ich kein Budget habe, ist Facebook nicht wirklich die beste Plattform.

    Zumindest sind das meine Erfahrungen der letzten Jahre. Und das was ich selbst bei großen Profilen mit vielen Fans wahrnehme.

    Viele Grüße
    Ronny

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