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Uber für Wäsche? Das steckt hinter dem Trend der Wäsche-Apps

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geschrieben von Marinela Potor

Die USA sind eine der größten Tech-Nationen dieser Welt. Doch wie stehen eigentlich die Amerikaner selbst zu all dem? Welche Trends begeistern sie, welche gehen völlig an ihnen vorbei? Genau darüber berichtet Marinela Potor – direkt aus den USA im BASIC thinking US-Update. Diesmal fragt sie sich: Warum nutzen US-Amerikaner Wäsche-Apps?

Hast du schon mal was von dem Prinzip von „Uber für Wäsche“ gehört? Nein? Ich bis vor Kurzem auch nicht. Bis ich in den USA immer wieder über Artikel über Wäsche-Apps stieß.

Sie heißen Fly Cleaners, Rinse, Bynext, Delivery oder Washio, werden gerne auch „Uber für Wäsche“ genannt und schießen derzeit gefühlt wie Pilze aus dem Boden.


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Ich war verwirrt. Was genau ist eine Wäsche-App? Was hat das mit Uber zu tun? Und wieso benutzen US-Amerikaner eine App, um ihre Wäsche zu waschen?

So funktionieren Wäsche-Apps

Die Wäsche-Apps helfen Nutzern dabei, ihre schmutzige Wäsche mit einem Wasch-Service zu verbinden. Sagen wir mal, du hast zwei Kilogramm schmutzige Wäsche. Dann suchst du in der App, basierend auf deinem Standort, einen passenden Waschsalon oder Reinigungsservice und vereinbarst über die App einen Abholtermin.

Jemand holt dann deine Wäsche ab und liefert sie dir meist einen Tag später sauber wieder ab. Der Preis orientiert sich in der Regel nach dem Gewicht. Der Lieferservice kostet meist extra, ist aber bei großen Wäschemengen oftmals gratis.

Preise liegen irgendwo um die zehn US-Dollar pro Kilo, variieren aber auch, je nach App, Standort und für Eilanträge zahlt man extra.

Du kannst sowohl einfach waschen und falten lassen als auch sensiblere Kleidungsstücke in den Reinigungsdienst abgeben.

Als Nutzer hast du damit wirklich minimalen Aufwand. Du musst lediglich deine Wäsche in dafür vorgesehene Wäschesäcke packen und  gegebenenfalls trennen und an den Lieferservice abgeben. Bei vielen Wäsche-Apps musst du dafür nicht einmal zu Hause sein, solange du deine Wäsche an einem leicht zugänglichen Ort hinterlegen kannst.

Wäsche-Apps tun also tatsächlich das, was Sharing-Apps wie Uber oder Airbnb tun. Sie verbinden ein Angebot mit einer Nachfrage, in dem Fall Wäschedienste mit Menschen mit schmutziger Wäsche und stellen dafür eine digitale Plattform zur Verfügung.

Die App-Anbieter verdienen Geld damit, dass sie die Infrastruktur zur Verfügung stellen und kassieren entsprechend eine Provision für die Transaktionen, die über ihre digitalen Dienste stattfinden.

Wäsche-Apps sind vor allem ein Großstadt-Trend

Ganz so neu sind die Wäsche-Apps tatsächlich nicht. Es gibt sie schon seit einigen Jahren und sie sind besonders unter Großstädtern beliebt.

Das leuchtet ein. Viele Menschen haben im typischen Großstadt-Stress einfach keine Zeit, um ihre Wäsche zu waschen. Einige wohnen auch in sehr kleinen Wohnungen, die schlicht keinen Platz für eine Waschmaschine bieten. Auch hat nicht jede Wohneinheit eine Waschküche.

Vor den Wäsche-Apps war die Lösung dafür: Waschsalons. Doch irgendwann kamen clevere Geschäftsleute auf die Idee, den Waschsalon ins 21. Jahrhundert zu holen und zu digitalisieren.

Da ich weder in einer Wohnung noch in einer Großstadt wohne, ist dieser Trend allerdings bislang relativ unbemerkt an mir vorbeigegangen. Bis jetzt. Denn nun bekomme sogar ich in meinem Vorort (mit viel Platz für eine Waschküche) plötzlich Werbung für diese Wäsche-Apps angezeigt.

Lukratives Geschäftsmodell

Im unmittelbaren Umfeld kenne ich tatsächlich niemanden, der eine solche App nutzt. Wenn ich der Berichterstattung zu dem Thema und Erfahrungswerten im Netz aber glauben kann, scheint es durchaus eine Nachfrage zu geben. Vor allem scheint es aber ein lukratives Geschäftsmodell zu sein.

Wie man schließlich anhand von Unternehmen wie Uber und Airbnb sehen kann, lässt sich mit dem Plattform-Prinzip sehr viel Geld verdienen. Die Plattform-Betreiber haben minimalen Aufwand, übernehmen (solange sie nicht gesetzlich dazu gezwungen werden) keine Verantwortung für schlechten Service, kassieren aber regelmäßig ab.

Das funktioniert natürlich nur, wenn tatsächlich eine Nachfrage nach dem Angebot besteht. Bei den Wäsche-Apps ist der Vorteil aus Sicht der Wäschedienste relativ klar. Sie bekommen eine Infrastruktur, mit der sie sehr einfach und ohne hohe Kosten neue Kunden gewinnen können.

Wenn die Wäsche-Apps selbst die Lieferungen der Wäsche übernehmen, bedeutet das für die Wäschedienste: Mehr Umsatz mit minimalem Mehraufwand.

Wieso nutzt man eine App zum Wäschewaschen?

Doch warum nutzen US-Amerikaner die Wäsche-Apps? Wie gesagt, es gibt schließlich auch Waschsalons, die wesentlich günstiger wären.

Nach einer Rechnung von Business Insider zahlt man für rund vier Kilogramm Wäsche (waschen und zweimal trocknen) in einem Waschsalon im Schnitt neun US-Dollar. Für die gleiche Menge zahlen Nutzer bei Flycleaners 18,40 US-Dollar, bei Cleanly 24 US-Dollar und bei Washio sogar 25,60 US-Dollar.

Für die meisten Nutzer scheint der Zeit-Faktor entscheidend zu sein. Wäsche waschen, egal ob zu Hause oder im Waschsalon, kostet Zeit. Und, das gilt vor allem für gut bezahlte Menschen. Ihre Zeit ist mehr Geld wert als die Ersparnisse im Waschsalon.

Bei einem Stundenlohn von 20 US-Dollar kommt man dann mit den Wäsche-Apps unterm Strich sogar günstiger heraus als im Waschsalon.

Auch darf man sicherlich nicht unterschätzen, dass für die meisten Menschen Wäschewaschen einfach eine lästige Aufgabe ist, die sie wahrscheinlich gerne an jemanden abgeben.

Die Zeitersparnis und der Service sind für viele Menschen in den USA offenbar attraktive Faktoren, um Wäsche-Apps zu nutzen.

Fragt sich nur: Welche lästige Aufgabe im Haushalt werden clevere App-Entwickler in den USA wohl als Nächstes monetarisieren?

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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