Wirtschaft

General Motors ist jetzt fortschrittlicher als deutsche Autobauer. Traurig!

Der Bolt EUV von General Motors im Gegenlicht mit Landschaft.
General Motors kündigt an, ab 2035 nur noch emissionsfreie Autos zu verkaufen. (Foto: General Motors)
geschrieben von Marinela Potor

General Motors will ab 2035 nur noch emissionsfreie Pkw verkaufen. Ein solches Klimabekenntis von einem der traditionellsten Autobauer der USA ist schockierend. Vor allem, weil GM damit plötzlich fortschrittlicher ist als die deutschen Autobauer – findet jedenfalls Marinela Potor. Ein Kommentar. 

General Motors ist so ziemlich das Gegenteil von einem hippen, modernen Autobauer. Wenn ich GMs in den USA herumfahren sehe, sind das vor allem Pick-ups oder gigantische SUVs, für die man in Deutschland drei Parkplätze bräuchte.

Und doch hat jetzt ausgerechnet das US-Traditionsunternehmen aus der „Motor City“ Detroit etwas ziemlich Revolutionäres angekündigt. GM sagt „bye“ zum Verbrenner. Ab 2035 möchte das Unternehmen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge verkaufen. Und bis 2040 soll der Konzern komplett CO2-neutral sein.


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Das wirklich Schockierende daran: Damit ist General Motors plötzlich fortschrittlicher als die deutschen Autobauer.

General Motors denkt erst an sich, dann ans Klima

Machen wir uns nichts vor. Dahinter steckt natürlich auch Wirtschaftskalkül. Erste US-Bundesstaaten wie Kalifornien haben schon jetzt Gesetze auf den Weg gebracht, mit denen in einigen Jahren keine Verbrennungsmotoren auf den Straßen fahren dürfen.

Angesichts der Tatsache, dass in Kalifornien rund zwölf Prozent der US-Bevölkerung lebt, ist das für Autobauer wie GM ein riesiger Marktverlust, wenn sie nicht jetzt sofort ihre Fahrzeuge auf emissionsfrei umsatteln.

Weitere Bundesstaaten dürften folgen. Auch striktere, landesweite Gesetze in diese Richtung sind mit der neuen Biden-Administration denkbar.

Wenn man dann noch dazunimmt, dass US-Präsident Biden erst vor wenigen Tagen angekündigt hat, dass er die komplette staatliche Fahrzeugflotte auf Elektromobilität umstellen möchte, ist auch klar: GM wittert ein Geschäft.

Denn während Tesla sich als Innovationsunternehmen schon immer Elektromobilität auf die Fahnen geschrieben hat, könnte eine Partnerschaft mit dem unberechenbaren Tesla-Chef Elon Musk etwas gewagt für die US-Regierung sein.

Ein Traditionsunternehmen wie General Motors würde schon eher passen. Kein Wunder also, dass GM sich schon mal in Position bringt.

Daran ist eigentlich auch nichts auszusetzen. Denn General Motors würde damit nicht nur sich selbst helfen, sondern auch dem Klima und tausenden von Angestellten, die nun verlässlichere Jobperspektiven haben. Win-Win!

Verlierer sind dagegen die deutschen Autobauer.

Deutsche Autobauer zu langsam

Denn sie müssen, mal wieder, zuschauen, wie andere Unternehmen ihnen davonfahren.

Nach Jahren des Beharrens auf den Verbrennungsmotoren, Kritik an Elektroautos und dem mitleidigen Belächeln von Tesla, haben auch sie nun so langsam die Kehrtwende vollzogen. Betonung liegt auf langsam.

Es mussten erst staatliche Unterstützungen, Teslas überraschende Rekordwerte an der Börse und eine weltweite Pandemie kommen, in der Verbraucher praktisch nur noch E-Autos kaufen, damit Bewegung in die Elektro-Pläne der deutschen Autobauer kam.

Es ist natürlich nicht so, als gäbe es nicht auch auf dem deutschen Markt spannende Entwicklungen. Der Audi e-tron hat Autofahrer und Experten weltweit positiv überrascht.

Volkswagens VW ID.3 verkaufte sich wie warme Semmeln. Und VW hat auch schon angekündigt, bis 2050 CO2-neutral sein zu wollen. Heißt: Spätestens dann dürften auch von VW keine Verbrenner mehr vom Band rollen.

Selbst Daimler setzt neuerdings auf E-Motoren. Und dann gibt es auch noch das frische Start-up Sono Motors, das mit seinem Sion wirklich spannende Ansätze in der Elektromobilität (und darüber hinaus) verfolgt.

Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass dem Verbrennungsmotor auch in Europa so langsam die Puste ausgeht.

Doch von den traditionellen deutschen Autobauern hat noch niemand so einen radikalen Schritt gewagt wie jetzt General Motors. Zumindest nicht laut und offiziell und nach außen hin.

Mehr Mut, bitte!

Es mag sein, dass die Marschrichtung die gleiche wie bei General Motors ist. Man kommt aber nicht umhin sich zu fragen, warum dies nicht mutiger kommuniziert wird?

Möglicherweise ist bei den deutschen Autobauern doch noch die Angst im Hinterkopf, den damit vermeintlich konservativeren deutschen Verbraucher abzuschrecken.

Genau das wirkt dann aber im direkten Vergleich mit General Motors so enttäuschend. Es ist eine Sache, von einer Technologie nicht überzeugt zu sein. Oder nicht so exzentrisch sein zu wollen wie Tesla. Es ist aber eine andere, sich aus Angst vor der eigenen Courage nicht zu trauen.

Nach außen wirkt es ungefähr so: Wir wollen eigentlich schon, aber nicht so richtig. Weil wir dann ja eventuell Kunden verlieren. Obwohl wir schon wissen, dass der Markt sich dahin bewegt. Noch ist es aber zu wenig. Warten wir lieber ab, bis Verbrennungsmotoren in der Masse wirklich uncool sind. Dann können auch wir es tun.

Das mag sogar eine schlaue Marketing- und Geschäftspraxis sein. Das möchte ich gar nicht abstreiten. Auch wenn ich glaube, dass die Unternehmen sich damit auch selbst Chancen verbauen und den deutschen Verbrauchern weniger Innovationsmut zugestehen als sie haben.

Doch eins ist klar. Mutig und fortschrittlich sieht anders aus und eine Vorreiterrolle im weltweiten Automarkt erlangt man damit auch nicht. Und genau das ist von den angeblich so fortschrittlichen deutschen Autowerkstätten enttäuschend. Daher: Etwas mehr Mut, bitte!

Und vielleicht noch als Ansporn: Nach der Ankündigung von General Motors stieg der Aktienkurs von GM um mehr als drei Prozent.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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