Technologie Wirtschaft

Elektroautos kommen – ob du nun willst oder nicht!

Volkswagen, VW ID.3, Elektroauto
An den Elektroautos führt kein Weg mehr vorbei. (Foto: Volkswagen)
geschrieben von Marinela Potor

Sie mögen bislang noch in der Minderheit auf unseren Straßen sein, doch Elektroautos kommen – ob du willst oder nicht. Eine persönliche Einschätzung. 

Elektroautos galten lange als Fahrzeuge für Sonderlinge oder Extrem-Ökos. Die ersten Modelle erinnerten schließlich auch eher an überdimensionale Streichholzschachteln, die man selbst den Berg hochschieben musste und hatten entsprechend wenig mit einem windschnittigen Fahrzeug gemeinsam.

Für die großen Autobauer wiederum waren die Elektroautoprojekte eher nur als Nebenaufgaben für ambitionierte Ingenieure gedacht. Selbst US-Autobauer Ford, der in den 1990er Jahren einen durchaus straßentauglichen Elektroflitzer auf die Straßen brachte, war die Sache nicht geheuer. Das Unternehmen zog kurzerhand alle E-Autos aus dem Verkehr.


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Doch die Zeichen stehen auf Wandel.

Elektroautos lange nur für Reiche oder Klimabewusste

Seit mehreren Jahren macht allen voran Elektroautobauer Tesla mit seinen Luxusmodellen von sich reden. Tesla gilt darum als Pionier für die Elektromobilität.

Auch hier hieß es aber lange: Diese Autos sind nicht massentauglich. Mit langen Ladezeiten, kurzen Reichweiten und hohen Preisen waren Elektroautos auch im 21. Jahrhundert entweder etwas für wohlhabende oder sehr klimabewusste Autofahrer.

Selbst jetzt sind Elektroautos noch in der Minderheit auf unseren Straßen. Doch viele aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin: Das wird nicht lange so bleiben.

Gesetze fördern emissionsfreie Fahrzeuge

Ein sehr offensichtlicher Grund dafür ist der Klimawandel. Viele Länder weltweit, darunter auch Deutschland, haben verbindliche Klimavorgaben unterzeichnet. Demnach will Deutschland bis 2050 „weitestgehend treibhausgasneutral“ sein.

Einer der größten Hebel dafür ist der Verkehr. Der Verkehrssektor ist der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland.

Könnte man allein diese vermeiden, wäre man den Klimazielen schon ein großes Stück näher. Das sehen auch andere Nationen so. So gehen immer mehr Länder, Regionen oder Städte weltweit dazu über, entsprechende Gesetze zu entlassen, um Verkehrsemissionen zu senken.

Und wir reden hier nicht mehr von neuen Dieselmodellen oder besseren Filtern. In Städten wie London, Paris oder Brüssel soll es schon in wenigen Jahren nicht mehr erlaubt sein, Autos mit Verbrennungsmotoren zu fahren.

Norwegen will ab 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen. Australien diskutiert ein Verbrennerverbot für 2040. China hat sich feste Elektrofahrzeug-Quoten gesetzt.

Der Trend zu emissionsfreien Fahrzeugen weltweit ist klar.

Verbraucher reagieren bereits auf diese Pläne – und kaufen sich Elektroautos. Denn wer will schon in einen Diesel oder Benziner investieren, wenn nicht klar ist, ob er diesen in fünf Jahren überhaupt noch fahren darf?

Autobauer verabschieden sich vom Verbrenner

Die Autobauer, die sich lange gegen Elektroautos gesperrt haben, vollziehen derzeit eine Kehrtwende. Es mögen die gesetzlichen Vorgaben sein, der Tesla-Coolness-Faktor von Elektroautos oder mehr Verbraucher, die Wert auf Klimaschutz legen oder auch eine Kombination aus allem.

Fakt ist: Von Daimler bis Opel setzen alle plötzlich auf Elektroautos.

Weil Verbrennungsmotoren auf absehbare Zukunft keine Chance mehr haben, dadurch ein größeres Interesse an Elektroautos besteht, und diese auch noch staatlich gefördert werden, ist es für traditionelle Autobauer nun auch wirtschaftlich ergiebig auf Elektroautos zu setzen.

Denn wenn man anfangen kann, die Produktion von Elektrofahrzeugen zu skalieren, lohnen sich auch die Investitionen in die Forschung, Entwicklung und eine komplett neue Infrastruktur.

Gleichzeitig ist es damit wiederum genauso sinnvoll, sich zu 100 Prozent auf das neue Modell einzulassen und die Verbrenner aufzugeben.

Die ersten Ergebnisse sehen wir bereits. Renault liebäugelt mit einem Verbrenner-Produktionstopp bis spätestens 2035. Volvo baut jetzt schon nur noch Elektro- und Hybridautos und General Motors will einen Verbrenner-Stopp bereits 2035 erwirken. Selbst Volkswagen setzt neuerdings mit der ID-Familie auf Elektro.

Das ist noch keine massive Lawine, aber ein Anfang.

Und dieser Anfang führt wiederum dazu, dass auf einmal sehr viel investiert, geforscht und entwickelt wird, um Elektroautos günstiger, besser und massentauglicher zu machen.

Elektroautos werden massentauglich(er)

Diese bislang fehlende Massentauglichkeit der Elektroautos ist die letzte Hürde, die derzeit überwunden wird. Die Fortschritte, die in nur wenigen Jahren gemacht wurden, sind schon enorm.

Reichweiten haben sich erhöht. Ladezeiten wurden gekürzt. Preise sind gesunken. Die Ladeinfrastruktur ist massiv gewachsen. Gefühlt jeden Tag liest man außerdem etwas über einen neuen wissenschaftlichen Durchbruch, sei es bei den Akkus, bei der Rohstoffgewinnung oder bei der Entwicklung von grünem Wasserstoff.

Und das ist das Ergebnis geringer Investition und Forschung. Wenn aber jetzt Regierungen und Autobauer ihre Ressourcen vermehrt in die Elektromobilität stecken, kann man sich schon ausmalen, dass Elektroautos nicht mehr weit von der Massentauglichkeit sind.

Das passiert vielleicht nicht heute und möglicherweise auch nicht in diesem Jahr, aber schon sehr bald. Sobald Elektroautos dann erschwinglich, bequem und praktisch sind, wird es auch keinen Grund mehr geben, diese abzulehnen.

Und dann werden wir uns vermutlich nicht mehr vorstellen können, wie wir jemals Autos mit Verbrennungsmotoren gefahren sind.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

4 Kommentare

  • Diese erzwungene Energiewende werden wir noch bitter bereuen – ob wir wollen oder nicht! Die Renewables halten nicht, was sie versprechen und der steigende Stromhunger in Verbindung mit schwachen Netzen wird uns Blackouts bescheren! Aber wie sie schreiben – aber es kommt, ob wir wollen oder nicht. Die Mehrheit glaubt an die Klimakrise… Sind wir froh, dass wir derzeit noch die Windräder mit Diesel-Hubschrauber enteisen können!

    • Hallo Markus,
      beim Strom fehlt es definitiv noch am Ausbau der Infrastruktur. Wobei, als es mit den ersten Benzinern und Diesel losging, gab es nur „Sprit“ an den Apotheken, es ist also machbar, wenn man will und natürlich entsprechend darauf hinarbeitet. Aber was genau meinst du mit „Die Renewables halten nicht, was sie versprechen?“

  • Ob das Aus des Verbrennungsmotors nun bald kommt, wage ich zu bezweifeln. Keine Frage, die Zulassungszahlen von Autos mit Elektroantrieb steigen rasant. Dass die Elektrotechnologie aber schon sehr bald die Verbrennungstechnologie im Individualverkehr ersetzen, ist schlicht Träumerei. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Autos mit Verbrennungsmotoren von unseren Straßen verschwinden, zumal es aktuell über eine Milliarde solcher Autos im Bestand gibt. Täglich werden viele neue Verbrenner zugelassen. Deshalb sollten wir uns die Entwicklung und Produktion von synthetischen Kraftstoffen mal genauer anschauen, da wir diese in Zukunft brauchen, auch wenn diese Art von Kraftstoffen noch lange nicht massentauglich ist (Stichwort Wirkungsgrad). Aber darum soll es in diesem Kommentar gar nicht gehen. Worum es mir geht: Die Zukunft der Mobilität wird schon lange in China entschieden. Bisher wollte China auch rasch das Aus von Verbrennern beschließen. Mal war 2030 gesetzt, dann 2040. Vor wenigen Monaten wurde aber etwas bekannt, was uns alle, insbesondere uns im ,,Autoland“ Deutschland, erschrecken sollte: China verschiebt das Verbrenner-Aus um Jahrzehnte, nämlich auf das Jahr 2060. Für die Automobilhersteller bedeutet das, es müssen mehrere Antriebe parallel entwickelt werden, ist China doch bei weitem der wichtigste Absatzmarkt. Wir sollten uns keine Illusionen machen. Es ist zwar interessant, dass viele Länder ein Ende des Verbrennungsmotors in Aussicht stellen, über die Zukunft dieser Antriebsmöglichkeit wird aber längst in China entschieden. Und so wird es kommen, wie es Branchenexperten prognostizieren: Der Verbrennungsmotor wird Jahrzehnte weiter entwickelt und optimiert, von der chinesischen Regierung gefördert und subventioniert.

    • Sehr interessante Einschätzung. Ich hatte tatsächlich überwiegendan die deutschen / europäischen Straßen gedacht, aber China darf man absolut nicht unterschätzen. Möglich wäre natürlich, dass z.B. die deutschen Autohersteller dann mit 2 Plattformen arbeiten, einer Elektroproduktionsstätte in Europa und einer in China, denn beides parallel in einem Werk, ist natürlich utopisch. Vielleicht zögern die deutschen Autobauer auch deshalb noch etwas, mit der E-Mobilität vorzupreschen und wollen abwarten, auf welches Pferd sie setzen sollen – Akkus oder Synfuels.

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