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Streaming: Wer profitiert am meisten vom Deal zwischen Sky und RTL?

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Alles Wichtige zum Deal von Sky Q und der RTL Group. (Foto: Unsplash.com / Cytonn Photography)
geschrieben von André Gabriel

Synergie kann innerhalb eines überfüllten, aber boomenden Markts ein Zauberwort sein. Beides trifft auf die Streaming-Entwicklungen zu und kürzlich verbündeten sich zwei etablierte Player, um in Teilen gemeinsame Sache zu machen. Was beinhaltet der Deal von Sky und RTL?

Seit Anfang Mai 2018 existiert die Plattform Sky Q, auf der Kunden eine neue Benutzeroberfläche und inhaltliche Ausrichtung des Angebots vorfinden. Damit positioniert sich Sky für Inhalte aus TV und Streaming auf einer Art Metaebene, denn Sky Q ergänzt das eigene Programm durch Apps und Mediatheken anderer Anbieter.

In der illustren Runde möchte sich auch RTL platzieren. Der Deal zwischen Sky und der RTL-Mediengruppe beinhaltet die Aufnahme der „TV Now Premium“-App ins Angebot von Sky Q und den Zugriff seitens der deutschen und österreichischen Sky-Q-Kunden auf die Free-TV-Inhalte der RTL-Gruppe.

Zum Hintergrund: TV Now ist der Video-on-Demand-Dienst der RTL Group, die mit dem Sky-Q-Deal ihre Reichweite ausbauen möchte. Im Gegenzug erhalten die Kunden von Sky Q ein noch größeres Angebot, das sie auch ohne Premium-Abo nutzen können. Der Launch ist für Sommer 2021 geplant.

Devesh Raj, der CEO von Sky Deutschland, fasst den Deal mit RTL aus der Sicht von Sky Q folgendermaßen zusammen:

Sky Q vereint wie kein anderer Service lineares Fernsehen, On Demand, Mediatheken, Apps, Streaming und komfortable Funktionalitäten auf einer gemeinsamen Plattform. Durch die Partnerschaft mit der Mediengruppe RTL und der Integration von TV Now stärken wir die Position von Sky Q als führende Aggregationsplattform.

Darüber hinaus starten pro Saison vier Formel-1-Rennen live im freien Programm von RTL. Die Formel-1-Rechte liegen bei Sky, sodass der Pay-TV-Dienst die Auslagerung im Zuge des Deals zwischen Sky und RTL anbieten konnte.

Nicht ohne Grund: Auf diese Weise kann Sky die Reichweite innerhalb der relevanten Zielgruppe erweitern und im Idealfall neue Abonnenten gewinnen, wenn Zuschauer angefixt sind und die gesamte Formel-1-Saison verfolgen möchten.

Warum dealen Sky und RTL miteinander?

Ein Deal in solchen Sphären ist auf allen Seiten gut durchdacht. Trotzdem wird die Zukunft zeigen, wer am meisten davon profitiert – neben den bereits zahlenden Kunden, die ab Sommer 2021 mehr Inhalte zum gleichen Preis erhalten, wenn die Abonnementkosten stabil bleiben.

Wer hat mehr zu bieten: Sky oder RTL? So genau ist die Frage nicht zu beantworten, da beide Player unterschiedliche Argumente und Hauptziele in den Deal einbringen. Daher betrachten wir zwei ungefilterte Fakten:

  • Sky Q: mehr als 2,5 Millionen Kunden
  • TV Now Premium: mehr als 47.000 Programmstunden

Um die Reichweite zu steigern, sind mindestens 2,5 Millionen potenzielle Zuschauer eine vorteilhafte Kennzahl. Wobei der Fokus hier auf „potenziell“ liegt, denn Sky Q listet auch Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon Prime sowie Mediatheken von ARD und ZDF. Die Konkurrenz ist groß.

Letztlich spiegelt Sky Q auch ein Problem des Streaming-Markts wider: Es herrscht ein Überangebot, das sortiert werden möchte. Doch inwiefern sich das RTL-Programm hier durchsetzen und viele Zugriffe via Sky Q erzielen kann, bleibt abzuwarten.

Was bietet die RTL Group den Sky-Q-Kunden aus Deutschland und Österreich? Grundsätzlich ein vielfältiges und üppiges Programm, denn der Deal inkludiert die Zugriffsrechte auf alle Free-TV-Sender:

  • RTL
  • Vox
  • Ntv
  • Super RTL
  • RTL II
  • Nitro
  • RTLplus
  • Toggo Plus
  • VOXup

Das kann sich in der Theorie durchaus sehen lassen. Die Frage ist nur: Wie viele Streaming-Verwöhnte möchten es sehen? Vor allem ergänzend zum Angebot von etablierten und neuen renommierten Anbietern wie Paramount Plus. Und die Antwort darauf ist sowohl für Sky als auch für RTL relevant.

Rückläufige Entwicklungen auf beiden Seiten

Es drängt sich eine weitere Frage auf: Auf welcher Seite ist der Bedarf an positiven Entwicklungen größer? Faktisch, also konkret im Bereich der Kündigungen von Abonnements, fällt die Bilanz für Pay-TV-Dienste wie Sky schlechter aus als für Streaming-Dienste.

In den Monaten März, April und Juni 2020 stiegen die Kündigungen innerhalb der Pay-TV-Branche um rund 50 Prozent, während die Rate im Streaming-Segment um rund 34 Prozent fiel.

Dem 2019er-Jahresbericht der RTL Group ist ein permanenter Rückgang der Aktie seit dem Jahr 2015 zu entnehmen. In einer sehr allgemeinen Schlussfolgerung lässt sich davon auch eine grundlegende Rückläufigkeit der Attraktivität der Mediengruppe ableiten.

Die Umsatzentwicklung zeigt nur einen leicht positiven Trend und der Gewinn lag 2019 im niedrigsten Bereich seit mindestens fünf Jahren.

Somit untermalen die Situation an sich und zumindest die Lage der RTL Group den Handlungsbedarf. Den Wunsch nach mehr Attraktivität bestätigt der CEO der Mediengruppe RTL Deutschland, Bernd Reichart, indirekt:

Das Angebot attraktiver Inhalte im engen Zusammenspiel unserer reichweitenstarken Sender mit TV Now sind Kern unserer Strategie. Durch die Partnerschaft mit Sky können wir das Wachstum von TV Now weiter beschleunigen. Sky bietet mit Sky Q eine großartige Entertainment-Plattform für TV und Streaming.

Dass sich bei RTL etwas tut, ist bekannt. Erst im Februar 2021 wurde von einer Umbenennung berichtet: von TV Now zu RTL Plus. Abgesehen davon, dass das „Plus“ im Streaming-Markt längst salonfähig ist, gliedert die Mediengruppe ihr Angebot so auch namentlich besser ein.

Der Deal zwischen Sky und RTL verdeutlicht den Wettkampf im TV- und Streaming-Markt einmal mehr. Den Playern fordert das ein cleveres und zukunftsorientiertes Umdenken ab. Auf der Verbraucherseite entstehen sowohl neue Optionen als auch ein wachsendes Überangebot, dem Plattformen wie Sky Q gerecht werden möchten.

Um die einleitende Frage zu beantworten: Zunächst profitieren die Sky-Q-Kunden, die am Programm der RTL Group interessiert sind, sowie Formel-1-Zuschauer ohne Sky-Q-Zugang. Alles andere bringt die Zukunft.

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Über den Autor

André Gabriel

André Gabriel schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Als freier Autor und Lektor arbeitet er mit verschiedenen Magazinen, Unternehmen und Privatpersonen zusammen. So entstehen journalistische Artikel, Ratgeber, Rezensionen und andere Texte – spezialisiert auf Entertainment, Digitalisierung, Freizeit und Ernährung. Nach dem Germanistik-Studium begann er als Online-Redakteur und entwickelte sich vor der Selbständigkeit zum Head of Content.

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