Wirtschaft

Spotify-Statistiken: Was wir zum Streaming-Dienst wissen – und was (leider) nicht

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Die Spotify-Statistiken sprechen eine klare Sprache. (Foto: Unsplash.com / Puria Berenji)
geschrieben von Christian Erxleben

Spotify ist der größte Streaming-Dienst der Welt und zugleich auch der größte Disruptor der Musik-Branche. Doch viele Künstler beschweren sich. Deshalb will Spotify transparenter werden. Wir stellen dir die wichtigsten Spotify-Statistiken und offenen Fragen vor.

Wie viel Umsatz und Gewinn generiert Spotify?

Wenn wir einen Blick auf die wichtigsten Spotify-Statistiken werfen, dürfen selbstverständlich auch die finanzwirtschaftlichen Kennzahlen nicht fehlen.

Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2020 bei 7,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lag der Umsatz noch bei 1,9 Milliarden Euro. Zugleich ist jedoch der Verlust von 230 Millionen Euro (2015) auf 581 Millionen (Euro) angestiegen.


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Allgemein zeigt der Blick auf die Einnahmen: Seit der Gründung im Jahr 2006 konnte das Unternehmen von Gründer Daniel Ek noch keinen einzigen (!) Gewinn erwirtschaften. Letztendlich ist das Geschäftsmodell von Spotify also noch immer nicht lukrativ.

Wie viel Geld zahlt Spotify an Künstler pro Stream?

Zu dieser Frage hält sich Spotify vornehm zurück – auch auf der neuen Transparenz-Seite „Loud & Clear„. Dort redet der Streaming-Dienst lange um den sprichwörtlichen heißen Brei herum.

So sei es schwierig eine Auszahlung pro Stream zu errechnen, weil das von den Lizenzgebühren und den Vereinbarungen der Künstler mit ihren Labels abhänge. Ebenso gehe es Spotify darum, die Umsätze zu maximieren, sodass die Einnahmen für alle Künstler steigen.

Beide Ideen haben ihre Richtigkeit, erweisen sich in der Realität jedoch als problematisch.

Glücklicherweise gibt es sowohl Künstler als auch Analysten die Einblicke in ihre Geschäftsbücher geben. Daraus geht hervor, dass Spotify im Durchschnitt pro Stream 0,00203 US-Dollar zahlt. Das macht bei einer Million Streams im Monat dann 2.030 US-Dollar.

Zum Vergleich: YouTube zahlt lediglich 1.540 US-Dollar aus, Amazon Music (4.260 US-Dollar) und Apple Music (6.750 US-Dollar) dagegen deutlich mehr.

Wie viel Geld zahlt Spotify an Künstler oder Rechte-Inhaber aus?

Auf diese Frage liefert Spotify selbst eine Antwort. Demnach hat der Musik-Streaming-Dienst seit seiner Gründung über 23 Milliarden US-Dollar an die Rechte-Inhaber ausgezahlt. Davon entfallen alleine fünf Milliarden US-Dollar auf das Jahr 2020. Laut Spotify ein neuer Spitzenwert.

Insgesamt entfallen 50 Prozent der Musik-Umsätze auf das Streaming-Geschäft. Mit einem Anteil von 20 Prozent an den gesamten, weltweit generierten Umsätzen mit Musik ist Spotify der größte Player auf dem Markt. Im Jahr 2017 lag der Wert noch bei 15 Prozent.

Wie viele Künstler gibt es auf Spotify?

Das ist eine der spannendsten Fragen mit Blick auf die Spotify-Statistiken – und leider bleibt sie unbeantwortet.

Spotify selbst spricht lediglich ungenau von „millions of creators“. Es scheint also mehrere Millionen Musiker und Bands zu geben, die den Streaming-Dienst für die Promotion nutzen. Eine konkrete Zahl fehlt allerdings und das macht die Einordnung der folgenden Werte schwieriger.

Wie viele Künstler und Rechte-Inhaber verdienen wie viel Geld mit Spotify?

Eben jene Frage beantwortet Spotify tatsächlich auf der neuen Transparenz-Seite. Dabei vergleicht der schwedische Musik-Streaming-Dienste die Anzahl der Künstler, die den entsprechenden Wert ausgezahlt bekommen haben. Der Vergleichswert in Klammern ist das Jahr 2017.

  • 1 Million US-Dollar und mehr: 870 (2017: 450)
  • 500.000 US-Dollar und mehr: 1.820 (2017: 950)
  • 100.000 US-Dollar und mehr: 7.800 (2017: 420)
  • 50.000 US-Dollar und mehr: 13.400 (2017: 7.300)
  • 10.000 US-Dollar und mehr: 42.100 (2017: 22.900)
  • 5.000 US-Dollar und mehr: 67.200 (2017: 35.600)
  • 1.000 US-Dollar und mehr: 184.500 (2017: 89.700)

Im Vergleich zu 2017 sind alle Ausschüttungen also deutlich gestiegen. Allerdings verdienen auch gerade einmal 13.400 Künstler und Bands beziehungsweise Rechte-Inhaber ein Jahresgehalt von mehr als 50.000 US-Dollar im Jahr. Bei spekulativen zwei Millionen Künstlern auf Spotify wären das gerade einmal 0,67 Prozent.

Insgesamt 184.500 Künstler oder Rechte-Inhaber erreichen die magische Mindestgrenze von 1.000 US-Dollar im Jahr. Auch hier ist es allerdings wieder spannend, die Spotify-Statistiken umzudrehen. Von den spekulativen zwei Millionen Musikern verdienen also knapp 91 Prozent (!) nicht einmal 1.000 US-Dollar im Jahr.

Ergänzend dazu muss man sagen, dass „millions of creators“ vermutlich mehr als zwei Millionen sind. Die tatsächlichen Zahlen fallen also noch deutlicher aus.

Spotify-Statistiken: Spotify zieht sich bei der Bezahlung aus dem Fokus

Mit Blick auf die Spotify-Statistiken ist die Rolle von Spotify selbst interessant. Diese ist nämlich ganz eindeutig keine partnerschaftliche, obwohl der Streaming-Dienst das selbstverständlich anders kommuniziert.

So sagt Spotify selbst: „Wir bezahlen keine Songwriter und Künstler. Wir bezahlen die Rechte-Inhaber.“ Das sind in den meisten Fällen die Plattenlabels und nicht die Musiker direkt. Die Labels wiederum erhalten ungefähr zwei Drittel jedes generierten Dollars. Spotify selbst behält also ein Drittel.

Wie viel Geld am Ende beim Künstler ankommt, liegt also nicht an Spotify, sondern am Vertrag, den die Künstler mit ihren Labels geschlossen haben. Auch diese Ansicht ist zwar richtig, allerdings mit Blick darauf, dass Spotify die Stimme der Künstler sein will, zweifelhaft.

Fazit

Trotz Umsätzen im Milliardenbereich ist es Spotify noch nicht gelungen, ein profitables Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen. Zudem profitieren weniger die Künstler von Streams, sondern vielmehr die Labels und Spotify selbst.

Nicht einmal 1.000 Künstler oder Rechte-Inhaber haben im Jahr 2020 mehr als eine Million US-Dollar mit Spotify eingenommen. Das heißt auch: Selbst für die erfolgreichsten Stars der Branche ist Spotify primär ein Nebenerwerb. Andere Einnahmequellen sind deutlich lukrativer.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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