Grün

Wie nachhaltig ist McDonald’s Deutschland wirklich?

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Big Vegan und Co.: Die Nachhaltigkeitsstrategie von McDonald's im Klimacheck. (Foto: McDonalds)
geschrieben von Marinela Potor

Im Klimacheck von BASIC thinking stellen wir die Nachhaltigkeitsstrategien von Konzernen auf den Prüfstand. Wie nachhaltig und grün sind die neuen Konzepte wirklich? Diesmal: McDonald’s Deutschland.

Es war ein großes Zeichen, als McDonald’s im Februar 2021 eine dreijährige Partnerschaft mit Beyond Meat ankündigte. Das Unternehmen für vegane Produkte soll für McDonald’s weltweit den pflanzlichen McPlant-Burger liefern.

Solche Kooperationen sind fürs Klima weitreichender als man denkt. Sie signalisieren schließlich Produzenten und Lieferanten weltweit, dass der Trend weg vom Fleisch und hin zu pflanzenbasierter Ernährung geht.


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Und auch McDonald’s positioniert sich damit als Unternehmen, das verstärkt auf Klimaschutz achten will. Doch wie sieht das über den veganen Burger hinaus aus? Wir schauen uns die aktuelle Nachhaltigkeitsstrategie der Fast-Food-Kette in Deutschland an.

Rohwaren

Unter Rohwaren gruppiert McDonald’s Deutschland sämtliche Lebensmittel. Dazu gehören im Bereich „Fleisch“:

  • Rind
  • Schwein
  • Hähnchen

Weitere tierische Produkte sind Fisch und Shrimps.

Zu Früchten und Gemüse zählen unter anderem:

  • Kartoffeln
  • Tomaten
  • Zwiebeln
  • Milch
  • Eier
  • Weizenmehl

Regionale Priorität

Tatsächlich hat sich McDonald’s Deutschland hier sehr bewusst für eine möglichst regionale Versorgung entschieden. Bis auf Tomaten, Zwiebeln, Kaffee sowie Shrimps und Fisch, die aus Europa oder aus weltweiten Quellen stammen, kommt die Mehrheit der Produkte aus Deutschland.

Das reduziert natürlich Lieferwege. Als Qualitätssiegel setzt McDonald’s auf Nachhaltigkeitszertifikate.

Bio-Siegel und Co.

Dazu gehört das Bio-Siegel bei Obst und Gemüse. Das ist natürlich nicht das strikteste aller Nachhaltigkeitssiegel, aber immerhin.

Fischprodukte stammen zu 100 Prozent per MSC-Label und ASC-Label aus nachhaltiger Fischerei und der Kaffee kommt von Farmen, die zur Rainforest-Alliance gehören.

Tierhaltung

Bei den Hühnern achtet das Unternehmen darauf, dass die Tiere mit gentechnisch unveränderten vegetarischen Futtermitteln gefüttert werden und der Einsatz von Antibiotika gemindert wird. Heißt aber auch: Die Hähnchenprodukte sind nicht durchweg frei von Antibiotika.
Zur Tierhaltung der Hühner sagte McDonald’s gegenüber BASIC thinking, dass alle Hühnerprodukte zu 100 Prozent von Tieren aus Freilandhaltung kämen.

Für Rindfleisch gibt es seit 2019 das Programm „Best Beef“. Damit fördert das Unternehmen Rindbauern, die in ihren Nachhaltigkeitsansätzen über das gesetzlich erforderliche Minimum hinausgehen.

Das Schweinefleisch kommt sowohl von männlichen (nicht-kastrierten) und weiblichen Tieren und stammt aus dem Qualitätsprogramm QS. Dazu gehören sowohl artgerechte Fütterung als auch Transport.

Wie bereits erwähnt ist auch die neue Partnerschaft mit Beyond Meat und dem Ausrollen von veganen Burgern ein weiterer Aspekt für mehr Klimaschutz. Ebenfalls positiv: Den Januar 2021 erklärte McDonald’s zum „Veganuary.“

Verpackung

Als Fast-Food-Kette sind Verpackungen für McDonald’s natürlich ein großes Thema. Hier hat das Unternehmen aber bereits einen grünen Ansatz.

Dessertverpackungen (Strohhalme, Eisbecher, Löffel) sind schon komplett plastikfrei. Für Einwegbecher (aus Papier) gibt es ein Recyclingprogramm, um daraus bedruckbare Papierbögen zu machen.

Die Happy-Meal-Verpackungen sind noch nicht komplett plastikfrei. Doch man bemüht sich, zunehmend mehr Papier und weniger Plastik zu nutzen.

Das Spielzeug ist aber weiterhin aus Plastik. Hier gibt es immerhin mögliche plastikfreie Alternativen wie Bücher. Zehn Prozent der Happy-Meal-Einnahmen gehen außerdem an die eigene Kinderhilfestiftung.

Einweg-Papier ist auch Verschwendung

Klar ist: Diese Strategie stammt vor der neuen Vorgabe der Bundesregierung, die Einweg-Plastik verbietet. Tatsächlich hat McDonald’s sein Plastikproblem aber schon so gut wie gelöst. Nur: Auch Einweg-Papier ist im Grunde Ressourcenvergeudung.

Bis 2025 soll es aber nur noch Verpackungen aus erneuerbarem, recyceltem oder zertifiziertem Material geben.

In München gibt es außerdem seit Januar 2020 ein Testprogramm für wiederverwertbare Recups. In den Restaurants selbst wird mittlerweile auch schon von Einweggeschirr auf Porzellan umgestellt. Bei den McCafés ist dies schon länger der Fall.

Auch sagte McDonald’s gegenüber BASIC thinking, dass Kundinnen und Kunden durchaus ihre eigenen Mehrweg-Becher für Heißgetränke zum Mitnehmen mitbringen können. Für To-Go-Mahlzeiten wird man aber weiter auf Papierverpackungen setzen müssen.

Energie

Im Bereich „Energie“ konzentriert sich die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns in Deutschland vor allem auf zwei Säulen: Mobilität und Strom.

Ökostrom und E-Autos

So nutzen die Betriebe in Deutschland zu 100 Prozent Strom aus Wasserkraft.

Bis 2025 möchte McDonald’s außerdem 200 Schnellladesäulen mit Ökostrom für Elektroautos an seinen Standorten errichten, um so zumindest die Anreise der Kundinnen und Kunden im E-Auto zu fördern.

Beim eigenen Fuhrpark setzt sich der Konzern Grenzwerte und bemüht sich zumindest die E-Flotte auszubauen. Der gesetzte Emissionsgrenzwert liegt aktuell bei unter 100 Gramm pro Kilometer. Überschreitungen gibt es wohl, werden aber kompensiert.

Weil dies auf den ersten Blick nicht sehr ehrgeizig scheint, haben wir beim Unternehmen nachgefragt. Es zeigt sich, die Pläne gehen ein wenig weiter.

So bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern auch ein günstiges Fahrradleasing an (auch mit E-Bikes). Auch bei den Lieferungen setzt McDonald’s in Deutschland offenbar auf zwei Räder.

Delivery per Fahrrad

Der Logistik-Partner ist die Havi Logistics GmbH. Auch hier gibt es keine Pläne zur Elektrifizierung. Aber: Havi plant immerhin 70 Prozent der Flotte auf Gas- und LNG umzurüsten. Geht es hier ehrgeiziger? Natürlich! Warum zum Beispiel nicht Biogas?

Aber das Einsparpotenzial kann so immerhin bei bis zu 40 Prozent weniger Emissionen bei einer Strecke liegen. McDelivery wiederum kommt per Delivery Hero größtenteils auf dem Fahrrad an.

CO2-Abdruck

Den größten CO2-Abdruck verursacht McDonald’s Deutschland ganz klar im Bereich Rohwaren-Produktion. Diese mache 87 Prozent des gesamten Abdrucks aus, sagt das Unternehmen.

Die nächsten Posten (Filialbetrieb und Verpackungsherstellung) fallen dagegen mit fünf Prozent relativ gering aus. Die Frage ist, ob und wie McDonald’s hier Druck ausüben oder Ansporn für die Partner bieten kann . Doch auch hier gibt es erste Ansätze.

Standards für Partner

In der Nachhaltigkeitsstrategie von McDonald’s sollte daher auch erwähnt werden, dass die Kette durchaus hohe Standards an die Partnerunternehmen weitergibt. Wer mit dem Unternehmen arbeiten will, muss sowohl den „Supplier Code of Conduct“ erfüllen als auch am Programm für „Supplier Workplace Accountability“ teilnehmen.

Darüber hinaus hat das Unternehmen eine Fokusgruppe für Nachhaltigkeit etabliert, die immerhin auch (nicht-verpflichtende) Empfehlungen für die Partner ausspricht.

Dennoch: Mit dem Brot-Partner Lieken arbeitet McDonald’s seit 2020 an einer neuen nachhaltigeren Fruchtwechsel-Methode.

Fazit zur Nachhaltigkeitsstrategie von McDonald’s in Deutschland

Verglichen mit den Anfängen von McDonald’s hat die Fast-Food-Kette einen großen Wandel vollzogen. Klar: Schnelles Essen ist immer noch das Konzept und allein das mögen viele aus Klimasicht kritisieren.

Dennoch bemüht sich die Restaurantkette eindeutig um einen niedrigeren CO2-Fußabdruck. In vielen Bereichen, wie etwa beim Recycling, Ökostrom oder der regionalen Produkt- und Lieferkette ist schon ein großes Bewusstsein für den Klimaschutz zu erkennen, auch wenn sicherlich noch Luft nach oben besteht.

Lobenswert ist auch der Transparenz-Ansatz des Unternehmens. Wer will, findet online oder per App eine detaillierte Auflistung aller Zutaten in den einzelnen Produkten. McDonald’s Deutschland hat zudem einen Podcast gestartet, in dem auch die Herkunft der Zutaten diskutiert wird.

Wasserstrategie fehlt

Auffällig ist aber, dass McDonald’s bestimmte Bereiche in seiner Nachhaltigkeitsstrategie gar nicht erst erwähnt.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • die Zubereitung der Gerichte
  • Zusatzstoffe in Gerichten
  • Wasserkonsum

Wie viel Wasser verbraucht McDonald’s Deutschland beispielsweise in der gesamten Produktkette? Gibt es Ansätze, um Wasser zu sparen oder auch wenn möglich zu recyceln?

Auf Nachfrage von BASIC thinking sagt das Unternehmen, dass verantwortungsbewusstes Wassermanagement durchaus Teil der Nachhaltigkeitsstrategie sei.

„In Deutschland folgen wir diesem Grundsatz. So wurden unsere Restaurants unter anderem mit entsprechenden Reinigungsanlagen ausgestattet, um eine Abwasserbelastung möglichst zu minimieren“, sagt das Unternehmen gegenüber BASIC thinking.

Was ist mit Plastikflaschen?

Und: Was ist eigentlich mit den Wasser- und Getränkeprodukten in den Restaurants? Diese werden nach wie vor in Plastik verpackt. Auch hier könnte sich die Kette künftig nachhaltigere Alternativen überlegen, die es ja durchaus gibt.

Dazu sagt McDonald’s Deutschland Folgendes: „Apfelschorle und Wasser werden derzeit in Einwegpfandgebinden angeboten, da diese aus Verpackungs- und Recyclingprozessgesichtspunkten so bestmöglich in einen optimierten und geschlossenen Kreislauf zurückgeführt werden können.“

Angesichts eines sehr guten Mehrwegsystems von Glasflaschen in Deutschland, ist dies aber nicht zu 100 Prozent nachvollziehbar.

Soziale Verantwortung von Fast Food

Die Zutaten der Gerichte wie Transfette, Zucker oder auch Stärken mögen etwa im Vergleich zu Fleisch keinen extremen Klimaeffekt haben. Doch sie schaden den Konsumentinnen und Konsumenten.

Menschen, die sehr viel Fast Food konsumieren, leiden öfter an Depressionen, ihre Haut altert schneller und Fast Food begünstigt auch Krankheiten wie Diabetes Typ 2 und Demenz.

Fairerweise muss man dazu sagen, dass dies meist daran liegt, dass Menschen, die viel Fast Food essen auch wenig Sport treiben und anderweitig ungesund unterwegs sind. Auch wird mal ein Burger hier oder dort keine Langzeitschäden hervorrufen.

Dennoch gäbe es in diesen Bereichen durchaus noch Verbesserungspotenzial für McDonald’s. Darin steckt aber auch eine wirtschaftliche Herausforderung. Denn als günstige Fast-Food-Kette hat McDonald’s natürlich auch einen strikten Price-Point.

Wer will schon so viel für einen Burger bei „Mickie D’s“ zahlen wie in einem Gourmet-Restaurant?

McDonald’s muss mit der Zeit gehen

Gleichzeitig sieht natürlich auch der Konzern, dass sich das Bewusstsein der Kundinnen und Kunden wandelt, hin zu mehr Nachhaltigkeit und einem gesünderen Lifestyle. Fettige Pommes sind da einfach nicht mehr zeitgemäß.

Es wird daher spannend zu sehen, wie McDonald’s künftig mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern mitgehen wird und gleichzeitig wirtschaftlich bleiben kann.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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