Wirtschaft

Ein internes Gutachten stellt Teslas Gigafactory in Grünheide kein gutes Zeugnis aus

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Der Start der Tesla-Gigafactory in Grünheide könnte sich schon wieder verschieben. (Foto: Tesla)
geschrieben von Maria Gramsch

Tesla baut seine europäische Gigafactory im brandenburgischen Grünheide mit der Hilfe von vorläufigen Genehmigungen auf eigenes Risiko. Ein internes Gutachten attestiert der Fabrik nun unzureichende Vorbereitung auf Störfälle.

Bereits die 14. vorläufige Genehmigung hat das Landesamt für Umwelt Tesla für seine Gigafactory in Grünheide inzwischen erteilt. Ein weiterer Siegeszug für den Autobauer, der nun auch Maschinen für die Endmontage seiner Modelle in der Fabrik aufstellen darf.

Doch ganz so glatt läuft es im brandenburgischen Grünheide dann doch nicht: Ein von Tesla in Auftrag gegebenes Störfallgutachten „stellt dem Autobauer ein desaströses Zeugnis“ aus, wie Business Insider und das ZDF-Magazin Frontal21 zuerst berichten.


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Das Gutachten stammt von der Hamburger Ingenieurgesellschaft Müller-BBM. Für das Gutachten hat die Gesellschaft die im Werk zum Einsatz kommenden Chemikalien untersucht.

Außerdem wurden Szenarien entworfen, in denen es „zu ernsten Unfällen“ kommen kann. Zwei davon sind besonders besorgniserregend.

Explosionen durch Gaswolken

Das erste kritische Szenario betrifft die Lackiererei der Fabrik. Die Annahme: Ein Behälter mit der Flüssigkeit n-Butylacetat läuft aus, wodurch sich die freigesetzte Flüssigkeit in der Halle ausbreiten kann.

In dem Gutachten heißt es dazu: „Es wird eine Verdampfung aus der Lache mit Ausbreitung in der Umgebung bzw. Zündung und Abbrand der Gaswolke unterstellt. Als Verdampfungszeit wird 10 Minuten angenommen.“

Das bedeutet vereinfacht gesagt: Tritt die Flüssigkeit aus und kann ungehindert verdampfen, bildet sich eine Gaswolke. Diese kann explodieren oder sich entzünden und so Brände auslösen.

Laut dem Gutachten ist dieses Szenario plausibel – kann also durchaus eintreten. Tesla hingegen sei nicht darauf vorbereitet.

Gefährliches Reizgas für die Belegschaft

Als zweites Szenario beschreiben die Gutachter:innen den Austritt der Chemikalie Tetrafluorpropen. Diese wird als druckverflüssigtes Gas verwendet. Tritt sie aus und bildet eine Lache, kann es zu einem Lachenbrand kommen, wodurch wiederum Gase verdampfen.

Kommt es zu einem solchen Brand, kann laut dem Gutachten Flourwasserstoff freigesetzt werden. Dieses Reizgas ist schädlich für die Atemwege.

Doch das giftige Reizgas könnte nicht nur die Mitarbeiter:innen betreffen. Tritt eine Gaswolke aus der Fabrik aus, könnte diese auch eine Gefahr für Anwohner:innen in direkter Umgebung darstellen.

„Anhand der dürftigen Berechnungen von Tesla ist das nicht auszuschließen“, zitiert Business Insider Oliver Kalusch, Experte für Anlagensicherheit und Immissionsschutz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Nimmt Tesla die Störfälle nicht ernst?

Diese beiden Szenarien, die dem Gutachten vorliegen, sind Tesla laut den Recherchen von Business Insider und Frontal 21 bekannt. Der Konzern soll diese allerdings als „sehr unwahrscheinlich abgestempelt“ haben.

Das Gutachten widerspricht Tesla: Die Einschätzung des Autobauers basiere auf „recht naiven Annahmen“. Daraus leiten die Gutachter:innen die Forderung ab, Tesla müsse die Szenarien „neu ableiten und betrachten.“

Laut Oliver Kalusch ist dies jedoch eher unwahrscheinlich, da Tesla „nicht konservativ genug berechnet“ und immer vom Best Case ausgehe. „Ich wage eine Prognose: Wenn Tesla da nicht grundsätzlich nachbessert, wird das nichts mit der finalen Genehmigung.“

Wie geht es bei Tesla in Grünheide nun weiter?

Das vorliegende Störfallgutachten fließt nun in das endgültige Genehmigungsverfahren von Brandenburgs Umweltministerium mit ein.

Sprecherin Frauke Zelt sagt gegenüber dem Tagesspiegel, es sei gut, dass das Gutachten nun vorliegt, „um Sicherheit in der Einschätzung der Gefährdungsklasse nach Störfallrecht zu gewinnen.“

Die Behörde prüfe das Gutachten und werte es aus. Bei einem solchen Genehmigungsverfahren sei es laut Zelt selbstverständlich, „die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der Beschäftigten zu gewährleisten und insbesondere auch im Gefahrstoffbereich Auswirkungen auf die Umwelt zu prüfen.“

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und seit 2021 freie Autorin bei BASIC thinking. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ bei dem Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet unter anderem für turi2.de und die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm.

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