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Wird Netflix jetzt erwachsen?

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Unsplash.com / napoleonschwan
geschrieben von André Gabriel

Durch die Pandemie konnte Netflix Geld sparen, weil weniger kostspielige Neuproduktionen möglich waren. Die drastisch gestiegenen Abozahlen bescherten dem Dienst wiederum mehr Umsatz. Ergebnis: ein hoher Netflix-Gewinn. Wird Netflix jetzt endlich erwachsen?

Der Streaming-Dienst Netflix hat die Ergebnisse für das zweite Quartal 2021 veröffentlicht. Ins Auge fallen vor allem die niedrigen Zahlen beim Nutzerzuwachs. Doch ist das wirklich ein Problem? Wer genauer hinschaut, entdeckt auf der finanziellen Seite ein ordentliches Plus.

Vielmehr stellt sich die Frage, welchen Unternehmensstatus Netflix hat – von innen proklamiert und von außen zugesprochen. Anders gefragt: Wie viel Start-up steckt im Milliarden-Geschäft von Netflix? Und wie ist der Gewinn zu bewerten?

Wie viele Neukunden hat Netflix im zweiten Quartal?

Von Anfang April bis Ende Juni 2021 stieg die Zahl der weltweiten Abonnent:innen um rund 1,5 Millionen. Damit liegt das Unternehmen jetzt bei etwa 209 Millionen zahlenden Kund:innen. Die Daten verkündete Netflix am 20. Juli 2021 nach dem Schluss der US-Börse.

Im gesamten Jahr 2020 addierte Netflix 36,57 Millionen Abos zum bestehenden Kunden-Portfolio – ein unternehmensinterner Bestwert, der zur Überschreitung der magischen 200-Millionen-Grenze führte.

Wer die Zahl fair durch vier teilt, erkennt schnell, warum die jetzt neuen 1,5 Millionen ein miserables Ergebnis darstellen.

Zweites Quartal 2021: Der Netflix-Gewinn ist stabil

Die andere Seite der Medaille: Im Vergleich zum zweiten Quartal 2020 erhöhte sich der Nettogewinn auf 1,35 Milliarden US-Dollar – also um beinahe 90 Prozent. Der Umsatz stieg im genannten Zeitraum von 6,1 Milliarden (Q2 2020) auf rund 7,3 Milliarden US-Dollar und lag somit im anvisierten Bereich.

Gegenüber dem ersten Quartal 2021 entspricht das zwar einem Rückgang des Netflix-Nettogewinns um rund 0,3 Milliarden US-Dollar. Doch insgesamt bleibt der Wert auf einem hohen Niveau. Für das dritte Quartal 2021 rechnet Netflix mit einem Gewinn von 1,16 Milliarden Dollar und mit 3,5 Millionen neuen Abonnent:innen.

Wie verzerrt sind die Netflix-Zahlen?

Im Zentrum der Corona-Krise boomte der Streaming-Markt. Davon profitierten vor allem etablierte Anbieter wie Netflix. Gewinne wurden gefühlt beiseitegeschoben – voller Fokus auf das Wachstum im Abobereich.

Erst aufblasen, dann sch(r)öpfen. Was nach einem typischen Start-up-Prinzip klingt, hat wunderbar funktioniert: Nach dem gigantischen Anstieg der Nutzerzahl erhöhte sich auch der Gewinn von Netflix.

Und nun? Niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickelt. Was geschieht, wenn sich eine Art Normalzustand eingependelt hat? Wie viele Abonnementkündigungen folgen dann? Und so weiter. Von einer natürlichen Entwicklung kann kaum die Rede sein.

Was plant Netflix für die Zukunft?

Zuletzt liebäugelte der Streaming-Dienst mit einem neuen Markt: Gaming. Die Suche nach einer branchenspezifischen Führungskraft ist inzwischen abgeschlossen – seit Kurzem kümmert sich Mike Verdu, der unter anderem Erfahrungen bei Electronic Arts sammeln konnte, um die Gaming-Sparte von Netflix.

Auch eine Partnerschaft mit Sony erscheint möglich, um die Expansion ins Videospiel-Business erfolgreich zu meistern.

Das alles sind Maßnahmen, die auf eine Vergrößerung der Abonnentenzahl abzielen – zum Beispiel durch die Akquisition neuer Kund:innen innerhalb einer erweiterten Zielgruppe. Oder durch frische Mehrwerte ohne steigende Kosten, um die Kündigungsrate zu minimieren.

Neuerdings gibt es auch einen Onlineshop für Netflix-Merchandise. Nein, es ist nicht die eigene Unternehmensentwicklung, die Netflix Kopfschmerzen bereitet, sondern der überfüllte Markt, in dem sich stark wachsende Player wie Disney Plus mehr und mehr nähern.

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Über den Autor

André Gabriel

André Gabriel schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Als freier Autor und Lektor arbeitet er mit verschiedenen Magazinen, Unternehmen und Privatpersonen zusammen. So entstehen journalistische Artikel, Ratgeber, Rezensionen und andere Texte – spezialisiert auf Entertainment, Digitalisierung, Freizeit und Ernährung. Nach dem Germanistikstudium begann er als Onlineredakteur und entwickelte sich vor der Selbständigkeit zum Head of Content.