Wirtschaft

Stellenanzeige von Amazon lässt Bitcoin-Kurs abheben – wirklich?

Bitcoin, China, Kryptowährung
Unsplash / André François McKenzie
geschrieben von Marinela Potor

Die Kurse von Kryptowährungen scheinen momentan vor allem davon abzuhängen, wie sich Unternehmen und CEOs zu dem Thema äußern. Neuestes Beispiel: Eine simple Stellenanzeige von Amazon lässt den Bitcoin-Kurs abheben. Wirklich?

So viel steht fest: Amazon sucht momentan einen Blockchain-Experten. In einer aktuellen Stellenanzeige ist das E-Commerce-Unternehmen derzeit auf der Suche nach einem „Digital Currency and Blockchain Product Lead.“

Dieser solle eine spezielle Bitcoin-Strategie sowie eine allgemeine Kryptowährungsstrategie für das Unternehmen entwickeln. Das Interesse von Amazon an Bitcoin ist damit offensichtlich.

Amazon veröffentlicht Anzeige, Bitcoin steigt

Amazon veröffentlichte die Anzeige am 22. Juli. Am gestrigen Montag, also am 26. Juli, stieg der Kurs von Bitcoin rasant um 14,5 Prozent auf ein Hoch von 40.278 US-Dollar an. Auch weitere Kryptowährungen wie Ethereum und Dogecoin zogen an. Magazine wie etwa City AM oder der Spiegel schlossen daraus: Das muss an der Amazon-Stellenanzeige liegen.

Das klare Interesse von Amazon am Bitcoin habe den Kurs steigen lassen. Auch eine optimistische Äußerung von Elon Musk habe dazu beigetragen.

Musk kann sich künftig Bitcoin-Zahlungen vorstellen

Musk hatte in der vergangenen Woche am 21. Juli in einem Interview gesagt, dass er sich durchaus vorstellen könne, Bitcoin wieder als Zahlungsmöglichkeit für ein Unternehmen Tesla zuzulassen, wenn der Strom für die Prozesse im Hintergrund zum größten Teil aus erneuerbaren Energien stamme.

Elektroautobauer Tesla hatte zeitweise Bitcoin als Zahlungsmethode für seine Kunden zugelassen, dies aber aufgrund des hohen CO2-Abdrucks beim Krypto-Mining wieder gestoppt.

Schon in der Vergangenheit haben Aussagen von Unternehmen oder CEOs rund um Kryptowährungen für Kursschwankungen gesorgt.

Große Bitcoin-Liquidierung auf Binance

War dies also auch bei der Amazon-Anzeige der Fall? Es könnte durchaus eine Rolle gespielt haben. Denn kurz nach der Stellenanzeige berichtete City AM ebenfalls am Montag von weitreichenderen Krypto-Plänen bei Amazon.

Das Magazin will von einem anonymen Insider erfahren haben, dass Amazon bis Ende des Jahres Bitcoin-Zahlungen einführen wolle. Auch gäbe es Pläne für eine eigene Kryptowährung bei Amazon. Diese Neuigkeiten von Amazon und Tesla könnten also den Kursverlauf des Bitcoins beeinflusst haben.

Allerdings fand am selben Tag auf der Bitcoin-Börse Binance die größte Liquidierung von Bitcoin-Shorts seit Mai statt, etwas, das Experten aber erwartet hatten. Tatsächlich sei es die Liquidierung von über 761 Short-Positionen in einer Stunde, die zu einem zeitweiligen Hoch im Bitcoin-Preis geführt habe, schreibt das Finanzportal FR24 News.

Ob also wirklich (allein) eine Aussage von Elon Musk und eine Stellenanzeige von Amazon den Bitcoin-Kurs Tage später derartig beeinflusst haben, lässt sich daher nicht eindeutig sagen.

Auch wenn Entscheidungen von Amazon und Tesla sicherlich Kurse beeinflussen können, hatten die Short-Squeezes vermutlich ebenfalls einen großen Effekt. Wie auch im Fall der Coca-Cola-Aktie und Fußballspieler Cristiano Ronaldo, sind auch bei Amazon und Bitcoin die Zusammenhänge also viel komplexer.

Amazon dementiert Bitcoin-Pläne

Wiederum einige Stunden später veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters ein Dementi von Amazon. Das Unternehmen widersprach den Insider-Aussagen und stellte klar, dass es keine Pläne für eine eigene Kryptowährung gebe, auch wenn Amazon durchaus Interesse an der Zahlungsform für Kund:innen habe.

Kurz danach fiel der Bitcoin-Kurs wieder, auf 36.899 US-Dollar. Auch hier scheint es aber voreilig, dies allein auf die Amazon-Aussage zurückzuführen. Auch dies könnte schlicht das Wiedereinpendeln des Kurses nach den Short-Squeezes widerspiegeln.

Aktuell liegt der Bitcoin bei 37.851 US-Dollar.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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