Wirtschaft

Kein neues Geld: Verschwindet Gorillas vom Markt?

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Gorillas
geschrieben von Christian Erxleben

Gorillas: Doordash, der größte US-amerikanische Lieferdienst, der bislang noch nicht in Europa vertreten ist, hat gesteigertes Interesse am Berliner Start-up. Dabei profitiert Doordash davon, dass sich die finanzielle Lage beim 10-Minuten-Lieferdienst zuspitzt. 

Gorillas: Doordash will neue Finanzierungsrunde anführen

Um den gehypten Berliner 10-Minuten-Lieferdienst Gorillas ist es immer schlechter bestellt. Zwar erreichte das Start-up in Rekord-Geschwindigkeit eine Bewertung von über einer Milliarde Euro. Seitdem stottert jedoch der Motor des Unicorns.

Demnach sind die Gorillas offensichtlich schon seit mehreren Monaten auf der Suche nach Geldgebern – doch es findet sich kaum ein Investor. Deshalb, so berichtet die Financial Times, hat Gorillas-Chef Kagan Sümer seine Forderungen bereits heruntergefahren.


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Anstatt der bislang angepeilten Bewertung von rund fünf Milliarden Euro hat sich der Wert der Gorillas offenbart mehr als halbiert. Den Informationen zu Folge soll nach der Finanzierungsrunde eine Bewertung von nur noch 2,1 Milliarden Euro auf dem Papier stehen.

Der größte Geldgeber in der angestrebten Finanzierungsrunde soll derweil der US-amerikanische Lieferdienst Doordash werden – und das ist spannend.

Was macht Doordash?

Doordash wurde 2013 in Kalifornien gegründet und konzentriert sich seitdem auf die Lieferung von Speisen und Getränken von Restaurants an Menschen. Das Geschäftsmodell ist also beispielsweise mit dem von Lieferando und Co. vergleichbar.

Seit dem Jahr 2019 ist Doordash mit einem Marktanteil von rund 55 Prozent der größte Lieferservice in den USA. Das Angebot erstreckt sich über mehrere tausend Städte in den USA und Kanada.

Der Umsatz des Unternehmens belief sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 auf 2,886 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis nach Steuern sieht weniger gut aus. Der Verlust liegt im Jahr 2020 bei 461 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen wird an der Börse derzeit mit knapp 59 Milliarden US-Dollar bewertet.

Gorillas: Doordash und ein Fire Sale?

Da Doordash schon seit geraumer Zeit eine Expansion nach Europa anstrebt, ist es jedoch möglich, dass es nicht nur bei einer Beteiligung an Gorillas bleibt. Das von der Financial Times unterstützte Start-up-Magazin Sifted bringt sogar eine Übernahme durch einen sogenannten Fire Sale ins Gespräch.

Der Begriff des Fire Sale entstammt ursprünglich der Aktienwelt und meint den überstürzten Verkauf von Aktien, wenn sich herauskristallisiert, dass bestehende Geschäftsmodelle kein oder nicht genügend Geld abwerfen.

Was bedeutet das im Kontext von Gorillas? Falls das Management des 10-Minuten-Lieferdienstes feststellt, dass es mit seinem Geschäftsmodell kein weiteres Geld mehr einsammeln kann, könnte es dazu übergehen, das gesamte Unternehmen zu verkaufen bevor es in die Verlust-Zone rutscht.

Genau das haben zwei nicht näher genannte Insider gegenüber Sifted bestätigt. Demnach könnte ein Gorillas-Doordash-Verkauf schon für „wenige Milliarden US-Dollar“ über die Bühne gehen.

Warum ist Gorillas ein Übernahme-Kandidat?

Diese Frage lässt sich auf sehr vielen Ebenen beantworten. An erster Stelle ist dabei selbstverständlich die angespannte finanzielle Situation von Gorillas zu nennen, die derartige Überlegungen überhaupt erst hervorruft.

Hinzu kommt, dass Gorillas in den letzten Wochen und Monaten immer wieder mit Problemen zu kämpfen hat. So gibt es neben einem Datenschutz-Skandal auch regelmäßig Beschwerden rund um die Arbeitsbedingungen der Fahrer:innen, die zum Teil schon in Streiks und Bußgeldverfahren geendet sind.

Zugleich bietet Gorillas mit seinen Standorten in Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, der Niederlande, Spanien und Großbritannien ein breites Netz. Das ist für einen Konzern wie Doordash, der noch nicht in Europa vertreten ist, natürlich eine gute Grundlage.

Fazit

Derzeit haben sich weder Doordash noch Gorillas zu den veröffentlichten, internen Informationen geäußert. Allerdings erscheint es so, dass ein Verkauf für beide Parteien durchaus lukrativ sein könnte.

Ob die auffälligen Gorillas-Fahrer:innen und die großangelegten Werbekampagnen bald den Namen Doordash tragen, werden jedoch erst die nächsten Tage, Wochen und Monate zeigen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

1 Kommentar

  • Gorillas gute Idee, glaube aber, dass die Deutschen hier zu konservativ sind.

    Erstaunlich für mich bleibt weiterhin – unabhängig von Gorillas – dass ein Business immer auf viel Geld von Dritten aufgebaut wird. Bleibt der Geldhahn dann mal zu, ist es dann auch schon wieder vorbei. Und wenn es der Geldhahn nicht ist, bringt auch gern der Datenschutz oder der Arbeitsschutz das Business massiv in Gefahr, weil die Gründer diese Punkte nicht berücksichtigen. Aber so ist wohl der Markt. Ideen kommen … Ideen gehen.

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