Technologie

Stellt die Suchmaschine You eine ernsthafte Alternative zu Google dar?

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You
geschrieben von Marcel Kappelsberger

Mit einem Anteil von rund 78 Prozent im September 2021 beansprucht Google fast schon eine Monopolstellung im Suchmaschinen-Bereich. Trotzdem trauen sich einige Herausforderer wie die alternative Suchmaschine You, es mit dem Internet-Giganten aufzunehmen.

Das Konzept hinter Google ist simpel. Es geht darum, auf jede Frage, jedes Schlüsselwort und auf alles, was Menschen online suchen, eine einfache Antwort zu entgegnen. Dieses Konzept nennt sich das Konzept der „wahren Antwort“.

Die Suchmaschine You verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Denn im Gegensatz zu Google zeigt You die Suchergebnisse nicht in einer Liste an. Zudem spielen die Begriffe Privatsphäre und Datenschutz bei der Suche eine wichtigere Rolle.

Suchmaschine You: informative Kacheln, sortiert nach Quelle

Das Grundprinzip von You basiert auf einer Zusammenfassung des Internets. Nutzer:innen sollen möglichst auf einen Blick die wichtigsten Informationen zu ihren Suchanfragen erhalten. Nachrichten lesen, Bilder anschauen oder einen Tweet verfassen: Das alles soll an einem einzigen Ort möglich sein.

Anders als die Konkurrenz verwendet You nicht das übliche System, Suchergebnisse in einer Liste darzustellen. Vielmehr kommt ein Kachelsystem zum Einsatz. Jede Kachel beinhaltet dabei den wichtigsten Inhalt der jeweiligen Website, die verlinkt ist.

Zudem sind die Kacheln nach Quellen sortiert. So können Nutzer:innen beispielsweise bei einer Suche nach Katzenfotos alle Suchergebnisse von Instagram herausfiltern. Sie können außerdem die einzelnen Websites beziehungsweise Reiter hoch- und runterscrollen.

Neben der Hauptseite in der Mitte, befindet sich links zudem eine Leiste. Mit ihr können User, wie bei der Google-Suche, nach Bildern, Videos und Schlagzeilen suchen. Neben der Leiste gibt es auch Shortcuts zu den You-internen Apps.

Auch Finanzkurse und Schlagzeilen zu Börsengeschehen kann You gut wiedergeben. (Foto: Screenshot You)

Möglichkeit zum Einloggen und weitere Schnittstellen

Während der Anwendung der Suchmaschine zeigt sich, was genau dahintersteckt. Denn bei der Suche nach „Linux“ schlägt You beispielsweise passende, technische Einträge von GitHub und Stack Overflow relativ weit oben vor. Dementsprechend werden diese Kacheln hervorgehoben und die Nutzer:innen haben schnellen Zugriff auf die nötigen Informationen.

Hinzu kommt, dass You an mehreren Stellen die Möglichkeit bietet, um Nutzerkonten mit den You-Apps zu verbinden. Loggen sich Nutzer:innen beispielsweise bei GitHub ein, zeigt eine künstliche Intelligenz (KI) bei der Suche zum Beispiel Vorschläge zu passenden Repos und Issues. 

You arbeitet also mit einer KI, die für die richtige Anordnung der Ergebnisse zuständig ist. Die Mischung aus Schnittstellen für Finanzen, News-Artikel, Entwicklertools sowie die über 100 You-Apps sorgen für ein übersichtliches Suchergebnis.

Datenschutz, CO2-Neutralität und Werbefreiheit als Leitpunkte

Der Entwickler von You, Richard Socher, betrachtet seine Suchmaschine als Konkurrenzangebot zu Google. Neben der oben genannten smarten Suche stellt der Schutz von Nutzerdaten ein Vorteil der Anwendung dar.

You verspricht, die Daten seiner Nutzer:innen niemals an andere Firmen weiterzuverkaufen. Zudem steht den Nutzenden offen, ob sie ein personalisiertes oder komplett privates Sucherlebnis haben möchten. Im zweiten Falle speichert die Firma keinerlei Nutzerdaten.

Zudem ist der gesamte Suchprozess klimaneutral. Nutzer:innen bekommen keine Anzeigen zu sehen. Die Umsätze, die das Start-up erzielt, basieren überwiegend auf Kooperationen. Diese beeinflussen laut You aber nicht das Suchergebnis.

Fazit: Großes Potenzial, aber noch im Ausbau

Ein großer Nachteil ist, dass die Suchmaschine aktuell noch nicht in anderen Sprachen als Englisch verfügbar ist. You sagte diesbezüglich, dass das Unternehmen noch ein kleines Start-up sei, das zum jetzigen Zeitpunkt nur die englische Sprache unterstützen könne. Eine Ausweitung auf andere Regionen ist aber geplant.

Hinzu kommt, dass sich die Suchmaschine noch in der Beta-Phase befindet. Schafft die Firma aber die Unterstützung weiterer Sprachen und das Fixen einiger Bugs, könnte sie wohl eine ernstzunehmende Alternative zu Google sein.

Denn: Die Kombination aus einem ansprechenden Design (vorbehaltlich eines Dark Modes), dem klimaneutralen Suchprozess und dem Thema Datenschutz, das You besonders am Herzen liegt, gibt es so wohl bei keinem anderen Suchmaschinen-Anbieter.

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Über den Autor

Marcel Kappelsberger

Marcel schreibt seit Oktober 2021 bei BASIC thinking. Er war bereits bei verschiedenen Magazinen als Redakteur tätig und studiert aktuell European Business Studies in Regensburg. Neben den aktuellen Tech-Innovationen interessiert er sich vor allem für Fußball und den neusten Trends im Online-Marketing & der Startup-Szene.

2 Kommentare

  • Servus BT Team,

    da hänge ich mich mal dran, cooles Thema. Das Kachelsystem als Alternative zu den gängigen „Search Results“ in einer Liste finde ich interessant. Es gibt schon viele gute Ansätze von Suchmaschinen, andere Ergebnisse zu liefern und diese besser aufzubereiten. Google ist und bleibt aber erstmal der Platzhirsch mit dem nötigen Kapital. Ich beobachte die Beta-Phase von You genauer und so bin ich auch auf diesen Artikel gestoßen, schauen wir mal wo die Reise hingeht.

    Beste Grüße
    Mauritz

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