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Warum hat Apple eigentlich keine eigene Suchmaschine?

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Unsplash.com / Brandon Romanchuk
geschrieben von Christian Erxleben

Warum hat Apple keine Suchmaschine? Diese Frage stellen sich Millionen von Menschen und natürlich insbesondere Apple-User. Dabei gibt es eine simple Antwort, warum es keine Apple-Suchmaschine gibt: Apple verdient mit der Google-Suche jedes Jahr Milliarden.

Google dominiert den Suchmaschinenmarkt

Warum hat Apple keine Suchmaschine? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst einen Blick auf den globalen Suchmaschinenmarkt werfen. Schließlich geben die Machtverhältnisse rund um den Globus einen ersten Hinweis auf die Antwort der Frage.

Der Suchmaschinenmarkt am Desktop

Zuerst schauen wir uns dafür die Marktanteile im Desktop- beziehungsweise Laptop-Sektor an. Hier kommt Google im Juni 2021 auf einen Wert von 76,5 Prozent. Auf dem zweiten Platz folgt Bing mit 10,32 Prozent. Den Bronzerang sichert sich die chinesische Suchmaschine Baidu (7,28 Prozent), die primär im eigenen Land genutzt wird.


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Die verbleibendenden 5,9 Prozent verteilen sich auf alternative oder veraltete Suchmaschinen wie Yahoo, Yandex, Duckduckgo oder Ecosia. Ihre Bedeutung ist jedoch zu vernachlässigen.

Der Suchmaschinenmarkt am Smartphone

Noch deutlicher fallen die Verhältnisse jedoch im mobilen Bereich aus. Dazu zählen hauptsächlich Smartphones und Tablets. Und gerade in diesem zukunftsfähigen Markt kommt Google im Juni 2021 auf einen Marktanteil von 88,77 Prozent.

Nur der chinesische Marktführer Baidu hat mit 8,08 Prozent noch einen signifikanten Marktanteil. Alle anderen Anbieter landen bei mobilen Suchmaschinen bei Werten von weniger als einem Prozent und sind somit irrelevant.

Warum hat Apple keine Suchmaschine?

Es ist also klar ersichtlich, dass Google den Markt der Suchmaschinen in allen Ländern der Welt – mit der Ausnahme von China – dominiert. Daran konnte auch noch keiner der zahlreichen „Google-Killer“ in den letzten Jahren etwas ändern.

Dabei stellen sich viele Menschen die Frage, warum nicht Apple als größter Konkurrent von Google im Smartphone-, App- und Browser-Markt eine eigene Suchmaschine entwickelt. Schließlich hätte eine Apple-Suchmaschine durch iPhone, iPad und Mac(book) sofort eine riesige Nutzerbasis.

Google bezahlt Apple jedes Jahr Milliarden für die Suchmaschinen-Nutzung

Die Antwort auf diese Frage ist simpel und aus der Perspektive von Apple auch einleuchtend: Google zahlt seit nun mehr bald 15 Jahren jedes Jahr mehrere Milliarden dafür, dass es als Standard-Suchmaschine auf Apple-Geräten eingestellt ist oder an oberster Stelle vorgeschlagen wird.

Beliefen sich diese Zahlungen im Jahr 2017 noch auf drei Milliarden US-Dollar, ist dieser Wert noch einmal deutlich angestiegen. Demnach hat Google im Jahr 2020 schon zwischen acht und zwölf Milliarden US-Dollar an Apple überwiesen.

Es gibt also keine Apple-Suchmaschine, weil Apple von Google so viel Geld bekommt, dass die Entwicklung eines Konkurrenzproduktes überhaupt keinen Sinn ergibt.

Google ist für 20 Prozent des Apple-Gewinns verantwortlich

Das verdeutlicht auch noch einmal ein Blick auf die Geschäftszahlen von Apple. So hat der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 275 Milliarden US-Dollar erzielt. Der Gewinn beläuft sich auf 57,4 Milliarden US-Dollar.

Geht man von einer Zahlung von acht Milliarden US-Dollar aus, ist Google für 14 Prozent des Apple-Gewinns im Jahr 2020 verantwortlich. Legt man den Wert von zwölf Milliarden US-Dollar zu Grunde, steigt der Anteil sogar auf 20 Prozent.

Wettbewerbshüter klagen gegen Google

Allerdings sollten sich weder Apple noch Google zu sehr auf den getroffenen Vereinbarungen ausruhen. Schließlich hat das Department of Justice (DOJ) im Oktober 2020 eine Wettbewerbsklage gegen Google erhoben.

De facto geht es dem US-amerikanischen Justizministerium und elf US-Bundesstaaten darum, dass Google seine beherrschende Marktstellung ausnutzt und so das Aufkommen von alternativen Suchmaschinen gezielt unterbindet.

Auch die Kooperation mit Apple steht dabei im Mittelpunkt der Untersuchung. Konkret lautet der Vorwurf, dass kein Konkurrent von Google dazu in der Lage sei, Apple (und andere Konzerne) mit so hohen Zahlungen zu locken, sodass ein fairer Wettbewerb im Prinzip von Beginn an ausgeschlossen ist.

Google hingegen beruft sich darauf, dass die Google-Verträge bislang allen Untersuchungen Stand gehalten hätten und dass die gezahlten Summen notwendig seien, um andere (zahlungskräftige) Konkurrenten wie Bing auszustechen.

Es gibt eine Apple-Suchmaschine

Wer nun glaubt, dass Apple auf ein etwaiges Ende oder gar Verbot der Kooperation mit Google nicht vorbereitet ist, unterschätzt das Unternehmen von CEO Tim Cook. Selbstverständlich verfügt auch Apple über eine eigene Suchmaschinen-Technologie.

Tatsächlich löst sich Apple sogar auf den eigenen Endgeräten teilweise von der Google-Abhängigkeit. So verbessert Apple fortlaufend die Suchfunktionalität von Siri auf mobilen Endgeräten und der Spotlight-Suche auf stationären Geräten.

Ebenso ist spätestens seit 2020 ein signifikanter Anstieg der Webcrawling-Aktivitäten des Applebots feststellbar. Das äußert sich dann darin, dass Apple innerhalb des eigenen Kosmos immer häufiger auf eigene Ergebnisse hinweist und Google zusehends ausklammert.

Nichtsdestotrotz ist nicht davon auszugehen, dass Apple sich mit einer eigenen Apple-Suchmaschine in den Kampf mit Google stürzt, solange es keine sinnvollen Gründe dafür gibt. Schließlich kann auch Apple nicht problemlos auf 20 Prozent des Umsatzes verzichten.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

1 Kommentar

  • Die 12 Mrd. sind bezogen auf den Umsatz aber lediglich 4,3% und nicht 20% – das ist zwar vermutlich nicht schön, sollte Apple aber angesichts des Gewinns von fast 60 Mrd. problemlos verkraften können, wenn sie es denn wollen…

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