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Warum das Kosmetikunternehmen Lush auf seine Social-Media-Kanäle verzichtet

Lush, Social Media, Kosmetik
Lush
geschrieben von Marcel Kappelsberger

Die sozialen Medien dienen für viele Unternehmen als Werbeplattform. Sie sind heutzutage in Sachen Marketingstrategie kaum noch mehr wegzudenken. Nun verzichtet das Kosmetikunternehmen Lush jedoch als Teil einer Kampagne auf seine Social-Media-Seiten. Wir erklären die Hintergründe. 

Es ist ein Schritt, den bisher kaum ein großes Unternehmen gewagt hat. Die Kosmetikfirma Lush möchte ab dem 26. November 2021 all ihre Marken-, Shop- und Personenaccounts auf Facebook, Instagram, Snapchat und Tik Tok löschen. Die Konten auf Twitter, YouTube und LinkedIn bleiben aktiv.

Die Änderung der Social-Media-Richtlinien hat mehrere Gründe, wie Lush in seiner Pressemitteilung erklärt. Das Unternehmen sagt, dass die „bedenklichen Auswirkungen“ durch soziale Medien bisher kaum beachtet würden.

Die Gründe von Lush für den Social-Media-Ausstieg 

Lush behauptet, die sozialen Medien hätten sich in den vergangenen Jahren immer mehr weg von einem entspannten Ort entwickelt. Stattdessen nutzten sie Algorithmen, um Menschen „scrollend ans Smartphone zu fesseln und sie vom Abschalten und Entspannen abzuhalten“.

Das Ziel des Kosmetikunternehmens sei es, dass die Menschen auf ihr Wohlbefinden achten. Soziale Medien seien immer mehr zum „Gegenteil dieses Ziels“ geworden, sagt Jack Constantine, Produkterfinder bei Lush.

Gleichzeitig zielt der Konzern darauf, dass die Verantwortlichen etwas ändern. Es brauche „strenge Richtlinien“ sowie international gesetzlich verankerte Regelungen gegen menschenfeindliche Techniken bei Social-Media-Plattformen.

Die Anti-Social-Media-Grundsätze von Lush

„Lush wartet nicht länger und nimmt sich dieser Thematik jetzt an“, so die Pressemitteilung. Daraufhin sind acht Leitsätze entstanden: die sogenannten „Anti-Social-Media-Grundsätze“. Mit ihnen legt das Unternehmen fest, wie es in Zukunft mit dem Thema Social Media umgehen will.

Lush verpflichtet sich beispielsweise immer,die neusten Kommunikationsmittel zu nutzen, um mit seinen Kund:innen in Kontakt zu treten. Dabei soll diese Kommunikationsform aber nicht zu sehr von Dritten kontrolliert werden. 

Zudem möchte der Kosmetikanbieter nur die Plattformen und Dienste nutzen, die ihr Bestes tun, „um Nutzer:innen vor Belästigung, Schaden und Manipulation“ zu schützen. Plattformen, die manipulative Algorithmen verwenden, will das Unternehmen künftig nicht mehr nutzen.

Diese Dienste sollen zudem so gestaltet sein, dass das „Risiko einer übermäßigen Nutzung minimiert und ein gesundes Nutzungsverhalten“ gefördert wird. Die Marke verspricht, ihre Überlegungen bei eventuellen neuen Plattformen immer im Hinterkopf zu behalten. Im Wortlaut präsentiert Lush alle Grundsätze auf seiner Webseite

Ernsthafte Kampagne oder nur Image-Politur?

Es stellt sich die Frage, was wirklich hinter der Aktion steckt. Ist Lush sich seiner Verantwortung als Unternehmen bewusst und zieht deshalb Konsequenzen? Oder handelt es sich vielleicht nur um einen weiteren PR-Stunt?

Fakt ist, dass die Reichweite der Social-Media-Konten des Unternehmens ohnehin nicht allzu groß war. Bis Redaktionsschluss hatte der Instagram-Account von Lush „nur“ etwas mehr als 75.000 Follower. Der britische und gleichzeitig internationale Account hat rund die zehnfache Anzahl. Jedoch wurde der letzte Post vor circa drei Monaten veröffentlicht.

Auffällig ist, dass der deutsche Account viel aktiver ist als der internationale. Trotzdem erreicht Lush mit seinen Posts global durchschnittlich „nur“ rund 400 Likes . Es ist also fraglich, ob die Aktion einen direkten Einfluss auf die Kund:innen haben wird.

Sicher ist jedoch, dass Lush mit seinem Vorgehen für mediale Resonanz sorgt. Es besteht dennoch die Möglichkeit, dass das Unternehmen ein Zeichen setzt und Vorbild für andere Firmen wird. Ob diese folgen, bleibt jedoch abzuwarten.

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Über den Autor

Marcel Kappelsberger

Marcel schreibt seit Oktober 2021 bei BASIC thinking. Er war bereits bei verschiedenen Magazinen als Redakteur tätig und studiert aktuell European Business Studies in Regensburg. Neben den aktuellen Tech-Innovationen interessiert er sich vor allem für Fußball und den neusten Trends im Online-Marketing & der Startup-Szene.

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