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Gratis Kaffee für Ungeimpfte? Wonder Waffel zeigt, wie man die Gesellschaft spaltet

Wonder Waffel Berlin, Wonder Waffel Gratis Kaffee für Ungeimpfte
Screenshot / Twitter
geschrieben von Christian Erxleben

Ein Gratis Kaffee für Ungeimpfte? Mit dieser Werbung wollte Wonder Waffel bestimmte Kreise der Gesellschaft für sich gewinnen. Auf Instagram und Facebook hagelte es Kritik. Inzwischen ist der Post gelöscht. Die Erklärung fragwürdig, die Idee: hirnrissig. Ein Kommentar.

Über 102.000 Corona-Tote in Deutschland

Seit März 2020 hält uns das Coronavirus in Deutschland sprichwörtlich in Atem. Selbstverständlich sind nicht alle Initiativen und Entscheidungen komplett nachvollziehbar. Trotzdem bleibt es ein Fakt, dass wir mit der vierten Welle des Coronavirus zu kämpfen haben.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind bis zum 2. Dezember 2021 in Deutschland 102.178 Menschen an Covid-19 gestorben. Knapp sechs Millionen Menschen sind daran erkrankt. Jeden Tag sterben derzeit über 300 Menschen an einer Corona-Infektion – jeden Tag.


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Spätestens bei diesen Zahlen sollte jedem Menschen in Deutschland klar sein, dass die Situation ernst ist und dass es sich nicht um eine Verschwörung der Regierung handelt. Es steht nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch der Zusammenhalt in der Gesellschaft auf dem Spiel.

Gratis Kaffee für Ungeimpfte? Wonder Waffel polarisiert mit Social-Media-Post

Da wirkt es beinahe schon zynisch, dass die in Berlin gegründete Franchise-Kette Wonder Waffel auf Facebook und Instagram mit einem „Gratis-Kaffee für Ungeimpfte“ geworben hat.

Mindestens drei Schriftgrößen kleiner steht darunter die Ergänzung: „Das Angebot gilt auch für Geimpfte und Genesene. Einlösbar nur bei To-Go Bestellungen.“

Die Intention des Posts ist also eindeutig: Es werden gezielt optisch Ungeimpfte angesprochen und dabei für ihren „Widerstand“ belohnt. Dass die Geimpften und Genesenen auch profitieren, wirkt dabei mehr wie Blendwerk.

Im Beschreibungstext heißt es dazu:

Wonder Waffel steht für Toleranz und Respekt, egal was auf der Welt passiert, wir sollten uns bewusst machen, wie wir 2019 zueinander waren. Wir finden es sehr schade, dass wir die 2G Regel in unseren Stores haben, da wir so viele Stammgäste nicht mehr begrüßen dürfen. Daher bekommen ungeimpfte den ganzen Dezember gratis Kaffee zum mitnehmen. Die Aktion gilt aber auch für ungeimpfte und genesen.

Wonder Waffel löscht Post nach wenigen Stunden

Abgesehen von den Rechtschreibfehlern im Text löste der Beitrag sofort heftige Reaktionen aus. Auf der einen Seite gab es (erwartbar) viel Zustimmung von Impfgegner:innen, Corona-Leugner:innen und Verschwörungstheoretiker:innen. Auf der anderen Seite zeigten sich Hunderte User schockiert.

Offensichtlich hatte jedoch das Marketing-Team von Wonder Waffel derartige Reaktionen nicht erwartet. Denn schon einen Tag später war der Post gelöscht. Doch Twitter vergisst nicht.

„Jeder darf und muss sagen können, was er möchte.“

Stattdessen gibt es einen Post auf Instagram, der die Situation erklären soll. Darin spricht Wonder Waffel davon, dass jeder sagen dürfe, was er möchte. „Das haben wir uns aufgebaut. Das sind wir den Menschen schuldig, die vor uns dafür gekämpft haben.“

Wonder Waffel sei die falsche Plattform für Diskussionen. Die „unnötigen Bewertungen und Rezensionen“ seien „leider komplett inhaltslos“, sondern sollen nur Schaden zufügen. Zum Schluss betont das Social-Media-Team, dass das Angebot schließlich für alle Menschen gelte.

Wonder Waffel: Wo Naivität auf schlechtes Marketing trifft

Letztendlich wirft die Erklärung auf Instagram mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

War Wonder Waffel wirklich so naiv zu glauben, dass eine derartig eindeutige und spaltende Aktion keine negativen Konsequenzen nach sich ziehen würde? Sind negative Bewertungen wirklich nicht gerechtfertigt, nur weil es nicht um „die Besuchererfahrung“ geht? Will Wonder Waffel wirklich niemanden ausgrenzen?

Fest steht: Wonder Waffel hat entweder extrem naiv agiert oder bewusst den Streit hervorgerufen. Schließlich hätte man in nur fünf Sekunden darauf kommen können, dass man alle Menschen auch mit dem Slogan „Gratis Kaffee in schwierigen Zeiten“ ansprechen hätte können.

Stattdessen entscheidet man sich für die gesellschaftliche Spaltung, spricht dick und groß von Ungeimpften, ergänzt (gezwungen) Geimpfte und Genesene und wundert sich dann über die negativen Reaktionen. Ein Shitstorm ist da nicht wirklich überraschend.

Nur das Impfen hilft

Es bleibt zu hoffen, dass die Initiatoren der Marketing-Aktion bei Wonder Waffel den Auftritt des zukünftigen Bundeskanzlers Olaf Scholz bei „Joko und Klaas“ gesehen haben. Dieser sagt deutlich:

Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet sich selbst, gefährdet Kinder und alle seine Mitmenschen, die sich aufgrund von Vorerkrankungen nicht impfen lassen können.

Wenn sich Wonder Waffel also wirklich für unsere Gesellschaft, für den Zusammenhalt und für die Freiheit einsetzen möchte, sollte das Franchise-Unternehmen sich lieber einmal die Worte von Olaf Scholz zu Herzen nehmen.

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mittwald

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.