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26 Prozent weniger Emissionen: So hat Corona das Reisen in Deutschland verändert

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Pixabay.com / polyquer
geschrieben von Marinela Potor

Nordsee statt Mallorca. Campervan statt Flugzeug. Mit eingeschränkten Möglichkeiten hat Corona das Reisen nachhaltig verändert. Wie sehr sich das auch auf den CO2-Abdruck beim Reisen ausgewirkt hat, zeigt eine aktuelle Untersuchung. 

Bist du im vergangenen Jahr verreist? Falls ja, war es vermutlich nicht die Flugreise nach Südostasien, sondern eher das Ferienhaus an der Nordsee oder der Trip im Campervan durch Portugal.

Denn mit strikteren Quarantäneregeln, Reisebeschränkungen und allgemeinen Sicherheitsbedenken zog es deutsche Reisende 2021 verstärkt an Urlaubsziele in Deutschland oder Europa.


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Das wirkt sich auch auf den CO2-Abdruck aus. Eine aktuelle Untersuchung hat ermittelt, dass die Deutschen wegen Corona ihren CO2-Fußabdruck beim Reisen deutlich reduziert haben.

So hat Corona das Reisen verändert

So zeigte eine gemeinsame Auswertung der zwei Reiseportale Billiger Mietwagen und Holidu, dass sich die Reise-Emissionen der Deutschen durch die Pandemie verringert haben. Dazu analysierten das Mietwagenportal und die Reiseplattform Buchungen aus dem Jahr 2019 und 2021.

Insgesamt kamen dabei zwei Millionen Mietwagentage und rund drei Millionen Übernachtungen zwischen dem 15. Juni und dem 15. September aus den zwei Vergleichsjahren zur Auswertung.

Der direkte Vergleich zeigt, inwiefern Corona das Reiseverhalten der Deutschen beeinflusst und wie sich das wiederum auf den CO2-Abdruck ausgewirkt hat.

Corona und Reisen: 26 Prozent weniger CO2 bei Anreise

So zeigt die Auswertung der Reisedaten, dass der CO2-Ausstoß pro Weg zur Mietwagen-Abholstation sich verringert hat. Das ist der Weg, den Reisende von ihrem Wohnort bis zum Abholort für ihren Mietwagen zurücklegen. Der CO2-Ausstoß wiederum errechnet sich aus dem CO2-Verbrauch pro Kilometer.

Während dieser Wert 2019 bei durchschnittlich 1.192 Kilogramm CO2 lag, waren es 2021 im Schnitt lediglich 879 Kilogramm CO2. Das ist ein Rückgang von rund 26 Prozent.

Dies ergibt sich vor allem daraus, dass die Urlaubsziele der Deutschen 2021 nicht mehr so weit entfernt waren wie vor der Pandemie. Damit ist auch die Anreise zum Mietwagen-Abholort entsprechend geringer.

Deutlich mehr Mietwagen-Buchungen in Deutschland

Nach Daten von Billiger Mietwagen reduzierte sich die Distanz zwischen Wohnort und Abholstation um acht Prozent – von 1.322 Kilometer auf 1.211 Kilometer.

Während also beispielsweise eine Familie 2019 möglicherweise mit dem Flugzeug in die Karibik reiste und hier einen Mietwagen buchte, buchte die gleiche Familie 2021 ein Ferienhaus in Bayern und stieg hier schon am Heimatort in den Mietwagen.

Billiger Mietwagen verzeichnete 2021 eine entsprechend höhere Quote von Mietwagen-Buchungen innerhalb Deutschlands. Die Anzahl der Buchungen mit Abholort in Deutschland stieg demnach von 30 Prozent im Jahr 2019 auf 34 Prozent für 2021.

Corona und Reisen: Deutschland beliebtestes Urlaubsziel

Ein sehr ähnliches Bild zeichnet sich bei der Buchung von Ferienunterkünften. So verzeichnete Holidu einen Anstieg von Buchungen von Unterkünften in Deutschland.

Zwar war Deutschland auch schon vor der Corona-Pandemie ein beliebtes Reiseziel. So lag der Anteil der Deutschlandbuchungen bereits 2019 bei 71 Prozent. 2021 erhöhte sich dies aber nochmals auf 83 Prozent.

Auch das wirkt sich auf den CO2-Fußabdruck beim Reisen aus. Ein Reiseziel im eigenen Land verkürzt die gefahrenen Kilometer bis zum Ziel. Somit verringerte sich der CO2-Ausstoß pro Reise zur Ferienunterkunft um 23 Prozent – von 236 Kilogramm CO2 (2019) auf 192 Kilogramm.

Pandemie könnte Reiseverhalten langfristig beeinflussen

Interessant dabei ist, dass damit viele Urlauber:innen Deutschland als Reiseziel neu zu entdecken scheinen. Nach einer Umfrage des ADAC sagten 80 Prozent der Befragten, dass sie auch künftig Deutschland als Reiseziel ins Auge fassen.

Das vermutet auch Frieder Bechtel von Billiger Mietwagen:

Die Modellrechnung verdeutlicht, welche Auswirkungen die unfreiwillige Beschränkung auf Nahziele während der Pandemie hatte. Darüber werden sicherlich viele Reisende ins Nachdenken kommen, auch wenn bald wieder mehr Fernreiseziele offen sind.

Ein weiterer unerwarteter Nebeneffekt: Der verstärkte Andrang hat bei Ferienhausbesitzer:innen dafür gesorgt, dass sie ihre Objekte nachhaltiger ausstatten, um so für Reisende attraktiver zu sein.

„Einige statten ihre Mietobjekte mit Sonnenkollektoren aus, verwenden beim Bau und bei der Renovierung recycelte Materialien oder bieten natürliche statt gechlorter Schwimmbecken an“, sagt Heike Müller von Holidu.

Nachhaltiger Tourismus gegen die Erderwärmung

Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist der Tourismus für rund fünf Prozent aller Treibhausgas-Emissionen weltweit verantwortlich. Die Mehrheit (72 Prozent) entsteht durch die Anreise per Flugzeug und Auto und 21 Prozent durch die Unterkünfte.

Nachhaltiger Tourismus – und dazu gehört auch Urlaub in nahegelegenen Regionen – ist daher ein wichtiger Schritt, um die CO2-Emissionen weltweit zu reduzieren.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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