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Nutzen die chinesische Behörden Corona-Apps, um Proteste zu verhindern?

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unsplash.com/ Markus Winkler
geschrieben von Maria Gramsch

Proteste sind in China alles andere als gern gesehen. Berichten zufolge wird nun vermutet, dass die chinesischen Behörden sogar Corona-Apps dazu benutzen haben, um Proteste zu unterbinden. Die Hintergründe. 

In der chinesischen Provinz Henan wurde mehreren Menschen offenbar über eine chinesische Corona-App der Zugang zu Städten, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Gebäuden verwehrt. Und das, obwohl die letzten Tests alle negativ ausgefallen waren. Das berichtet die BBC unter Berufung auf chinesische Medien.

Wie funktioniert die chinesische Corona-App?

Viele Chines:innen nutzen eine Corona-App, die den Gesundheitszustand über ein farbcodiertes System anzeigt. Das funktioniert ähnlich wie die Anzeige in unserer Corona-Warn-App.

Zeigt die chinesische Covid-App einen grünen Farbcode an, können die Nutzer:innen damit alle Geschäfte betreten oder ins Restaurant gehen. Ein roter Farbcode hingegen bedeutet eine nachgewiesene Infektion mit dem Corona-Virus. Wer also einen roten Code in der chinesischen Covid-App hat, muss sich in Quarantäne begeben.

Corona-App: Welche Problem gab es in Henan?

Wie die BBC unter Berufung auf chinesische Medien berichtet, gab es in der chinesischen Covid-App nun aber einige Auffälligkeiten. Demnach sei bei mehreren Menschen ein roter Code aufgetaucht – auch, wenn diese Personen zuvor negativ getestet worden waren.

Dabei soll es sich ausnahmslos um die Kund:innen von vier ländlichen Banken aus der chinesischen Provinz Henan handeln. Diese hatten zuvor Probleme mit der Bargeldabhebung.

Die Banken haben im vergangenen Monat die Ersparnisse eingefroren. Laut der BBC wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um rund sechs Milliarden US-Dollar handeln soll.

Im vergangenen Monat hatte es bereits „wütende Demonstrationen“ gegeben. Nun wird vermutet, dass über die chinesische Covid-App verhindert werden sollte, dass es zu weiteren Protesten kommt.

Denn durch den roten Code in der App konnten die Betroffenen sich nicht mehr frei bewegen. Auch ist es nicht möglich, mit einem roten Farbcode in der chinesischen Covid-App Städte zu betreten.

Reiner Zufall oder vorsätzliche Manipulation?

Wie viele Menschen von diesen plötzlich auftretenden roten Farbcodes betroffen sind, ist bisher nicht bekannt. Laut der BBC hätten chinesische Medien jedoch berichtet, dass das Problem in mehreren Städten und Dörfern in Henan aufgetreten ist.

Darunter war auch Henans Hauptstadt Zhengzhou. Die BBC zitiert eine Bankkundin in Zhengzhou, bei der genau dieser Fall eingetreten ist. Sie sei nie mit einem bestätigten Fall in Berührung gekommen und alle ihre letzten Tests seien negativ gewesen. Gesundheitsbeamte hätten sie aufgesucht und aufgefordert, sich in Quarantäne zu begeben. Eine Erklärung blieb aus.

Chinesische Corona-Apps in der Kritik

Auch Verwandte von Bankkund:innen sind offenbar betroffen. Teilweise würden diese für ihre Quarantäne sogar in Hotels gebracht. „Ich bin keine Kundin, sondern mein Vater, der Geld in einer der Banken eingezahlt hat und es jetzt nicht mehr herausbekommt“, sagte eine Frau gegenüber BBC Chinese. Die Gesundheitsbehörde hat der BBC bestätigt, dass es bei vielen Bankkund:innen dieses Problem gibt.

„Es gibt eine solche Situation. Im Moment können sie sich nur an ihre Community Manager wenden, um eine Änderung ihres Status zu beantragen. Nachdem sie innerhalb von drei Tagen zwei Covid-Tests gemacht haben, kann ihr Status wieder geändert werden“, sagte ein Mitarbeiter der BBC.

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ beim Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz.

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