Social Media Wirtschaft

Amazon verklagt Admins von 10.000 Facebook-Gruppen wegen Fake-Rezensionen

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geschrieben von Maria Gramsch

Fake-Rezensionen sind keine Seltenheit bei Amazon. Nun hat der Versandhändler zum Gegenschlag ausgeholt und die Administrator:innen von mehr als 10.000 Facebook-Gruppen verklagt.

Produkt-Rezensionen sind für viele Menschen hilfreich beim Online-Shopping. Doch scrollt man durch die Bewertungen fallen oft auch Beiträge auf, die nicht wirklich Sinn ergeben.

Das liegt an der Vielzahl von Fake-Rezensionen, die sich auf vielen Online-Portalen inzwischen tummeln. Amazon will sich dagegen nun wehren und hat am Montag Klage gegen die Admins von mehr als 10.000 Facebook-Gruppen eingereicht.

Was haben Fake-Rezensionen bei Amazon mit Facebook-Gruppen zu tun?

In Facebook-Gruppen hat sich ein Business um Fake-Rezensionen etabliert. Hier versammeln sich Leute, die falsche Produktbewertungen bei Amazon abgeben. Diese werden für ihre Fake-Rezensionen bezahlt oder erhalten kostenfreie Produkte als Entlohnung.

Betroffen sind laut Amazon die Geschäfte in den USA, in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Japan.

Amazon stoppe bereits „Millionen von verdächtigen Bewertungen“, bevor diese von Kund:innen gesehen werden können, sagt Dharmesh Mehta, Amazons Vice President für Selling Partner Services. Mit der Klage wolle der Konzern noch einen Schritt weitergehen, um „die Täter in den sozialen Medien zu enttarnen“.

Proaktives rechtliches Vorgehen gegen bösartige Akteure ist eine von vielen Möglichkeiten, wie wir Kunden schützen, indem wir bösartige Akteure zur Verantwortung ziehen.

Eine der Gruppen, die Bestandteil der Klage ist, nannte sich „Amazon Product Review“. Meta hat die Gruppe mit mehr als 43.000 Mitgliedern Anfang des Jahres gelöscht.

Doch diese Löschung passierte erst auf Anraten von Amazon. Zuvor hatten die Admins versucht, durch Facebooks Lösch-Raster durchzurutschen – zum Beispiel durch falsche Buchstaben in problematischen Formulierungen.

Wie geht Amazon bisher gegen Fake-Rezensionen vor?

Amazon beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 12.000 Mitarbeiter:innen, die sich dem Schutz vor Betrug und Missbrauch verschrieben haben. Dazu gehört auch das aufspüren von Fake-Rezensionen.

Ein spezielles Team kümmere sich vor allem um gefälschte Rezensionen auf Social-Media-Seiten. Seit 2020 habe Amazon so 10.000 gefälschte Bewertungsgruppen an Meta gemeldet.

Mehr als die Hälfte der Gruppen sei von Meta wegen Verstößen gegen die Richtlinien gesperrt worden. Die Aktivitäten weiterer Gruppen würden noch untersucht.

Allein im Jahr 2020 habe Amazon mehr als 200 Millionen mutmaßlich gefälschte Bewertungen aufgespürt und gelöscht.

Wie wichtig sind Produkt-Bewertungen für die Kaufentscheidung?

Dabei ist die Wichtigkeit der Rezensionen anderer Kund:innen nicht zu verachten. Das zeigte bereits eine Umfrage unter Online-Käufer:innen zur Bedeutung von Produktrezensionen aus dem Jahr 2011.

Demnach nutzen 64 Prozent der Befragten gern die Bewertungen und Hinweise anderer Kund:innen. 63 Prozent sind sogar der Meinung, dass sich durch die Kommentarfunktion die Einflussmöglichkeiten der Konsument:innen verbessert haben.

Und auch im Jahr 2020 hat die Bedeutung nicht abgenommen. Laut einer Bitkom-Umfrage haben im Jahr 2020 rund 66 Prozent der befragten 16- bis 29-Jährigen Kundenbewertungen vor dem Kauf gelesen.

Bei den 30- bis 49-Jährigen waren es 60 Prozent. Und auch von den über 65-Jährigen greifen rund 40 Prozent der Befragten auf das Hilfsmittel Online-Rezension zurück.

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mittwald

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ beim Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz.

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