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Wortfilter: So schränkt TikTok die Meinungsfreiheit in Deutschland ein

Fabian Peters
unsplash.com/ Solen Feyissa

TikTok setzt in Deutschland offenbar gezielt Wortfilter ein, um bestimmte Inhalte zu zensieren. Damit schränkt der chinesische Mutterkonzern Bytedance hierzulande die Meinungsfreiheit ein. Das geht aus einer gemeinsamen Recherche von NDR, WDR und der Tagesschau hervor. 

Unterhaltsame Kurzvideos zu Musik haben TikTok zu dem gemacht, was es heute ist: eine der beliebtesten Social-Media-Apps überhaupt. Die Plattform spielt deshalb auch in der Musikbranche eine große Rolle. Mittlerweile kursieren auf TikTok jedoch Videos zu allmöglichen Themen – auch zu politischen.

Kritiker werfen Mutterkonzern Bytedance außerdem immer wieder Versäumnisse in puncto Kinder- und Jugendschutz vor. Eine gemeinsame Recherche von NDR, WDR und der Tagesschau hat nun ergeben, dass die Videoplattform offenbar gezielt bestimmte Inhalte zensiert.

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TikTok schränkt über Wortfiltern die Meinungsfreiheit ein

Demnach hielt TikTok im September 2022 mindestens 20 Wörter zurück – darunter „Cannabis“, „LGBTQ“, „homo“ und „Sex“. Laut Recherche veröffentlichte die Plattform Kommentare, die einen der 20 Begriffe einhielten, bei mehreren Tests nicht öffentlich unter einem Video.

Die Rechercheure testen dabei über 70 Wortkombinationen mit verschiedenen Testaccounts. Zu den weiteren Begriffen, die TikTok offenbar blockierte, gehören auch: „Drogen“, „Gas“, „Nazi“ und „Porno“. Außerdem schränkte der Konzern bestimmte Wörter zumindest teilweise ein – darunter Inhalte zur „Klimakrise“, zum „Klimawandel“ oder zur „Ukraine“.

Eine Unternehmenssprecherin erklärte gegenüber der Tagesschau dazu, dass TikTok Systeme einsetze, die „proaktiv nach Kommentaren suchen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen oder die ein Spam-Verhalten darstellen“. Mit Blick auf die Untersuchung gestand sie jedoch ein:

In diesem Fall wurden Kommentare, die nicht gegen unsere Community-Richtlinien verstießen, fälschlicherweise als potenziell schädlich gekennzeichnet.

Makelte Transparenz: TikTok informiert User nicht über Zensur

Bereits im März 2022 ergab eine Recherche von WDR, NDR und Tagesschau, dass TikTok Wortfilter einsetzt, um Inhalte zu zensieren. Auch damals schränkte die Plattform harmlose Beiträge und damit auch die Meinungsfreiheit ein. Das Unternehmen erklärte, dass das eigene Vorgehen nicht zielgerichtet sei und man mit Hochdruck an Verbesserungen arbeite.

Doch sowohl damals wie heute blockierte TikTok offenbar wahllos Inhalte anhand von bestimmten Schlagwörtern. Das kann hochproblematisch sein und einen Eingriff in die Meinungsfreiheit darstellen. Denn TikTok unterbindet so nicht nur potenzielle Hasskommentare, sondern auch neutrale oder aufklärerische Inhalte, die lediglich ein bestimmtes Wort beinhalten.

Ein weiteres Problem: TikTok erklärt seinen Usern nicht, ob, wann und warum Inhalte gesperrt wurden. Ganz im Gegenteil: Die Plattform erweckt den Eindruck, die Kommentare veröffentlicht zu haben. Diese Methode nennt man auch Shadow-banning. User können dabei nicht sicher sein, ob nur sie oder auch andere ihre Kommentare sehen können.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).