Ein launischer Jahresrückblick auf das Tech-Jahr 2025

Fabian Peters
Bild: Mit ChatGPT generiert (KI).

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2025 führte an Künstlicher Intelligenz nahezu kein Weg vorbei. Nicht ohne Grund wurde KI-Ära zum Wort des Jahres in Deutschland erkoren. Viele sogenannte Innovationen fühlten sich allerdings nicht wie Fortschritt an – im Gegenteil. Doch statt Fakten, Niveau und Respekt bestimmten vor allem Geld und die lautesten Brüllaffen viele Debatten. Eine kommentierende Analyse.

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KI-Hype, Energie-Mythen, unsoziale Medien

  • 2025 war das Jahr, in dem Künstliche Intelligenz alles konnte, aber nichts wirklich richtig. Während Rechenzentren Unmengen an Energie verbrauchten, wurde die Gesellschaft medial in den Wahnsinn getrieben. Denn KI wurde erst hochgejubelt, dann verteufelt und letztlich wieder Fallen gelassen. Bis sich Fakten und Realität eigentlich nicht mehr leugnen ließen – es sei denn man hieß Elon Musk oder Donald Trump.
  • Wie in den Jahren zuvor wurden die sogenannten sozialen Medien auch 2025 wieder ein Stück weit unsozialer. Statt als sozialer Kitt zwischenmenschliche Beziehungen oder Debatten zu fördern, waren Hass, Hetze, Niveaulosigkeit und Voreingenommenheit digitaler Alltag. Die Tech-Oligarchen agierten wie feudale Plattformfürsten: Elon Musk spielte Weltpolitik auf X, Sundar Pichai verschlimmbesserte das Internet und Mark Zuckerberg verkaufte auch das letzte Fitzel seiner Seele.
  • Einige noch schrägere Vögel wollten derweil Windräder als größte und günstigste Energiequelle in Deutschland abreißen, weil sie pro Jahr für rund 200.000 echte tote Vögel verantwortlich sind. Dass freilaufende Hauskatzen für mehrere Hundert Millionen tote Piepmätze verantwortlich sind? Geschenkt! Auch bei der Verbrenner-Lobby hats gepiept. Mit dem Ergebnis, dass E-Autos letztlich jedoch nicht mehr Unfälle verursachen als Verbrenner, keine größere Brandgefahr darstellen und niemandes Gehirn mittels magischer Magnetwellen verformen als suggeriert.

Die Menschheit schafft sich ab

Ob KI, Klimawandel oder Digitalisierung: Die meisten Medien strickten 2025 aus nahezu allem neue Meilensteine, Revolutionen oder schlicht den Untergang der Welt. Je nach Klickbedarf war KI etwa entweder Heilsbringer, Jobkiller, Umweltkatastrophe oder Auslöscher einer Menschheit, die sich zunehmend selbst abschafft.

Doch während Politik, Medien und Wirtschaft dem KI-Hype verfallen sind, juckte das Thema Künstliche Intelligenz viele Handwerker, Verkäufer und Landwirte herzlich wenig. Immerhin scheinen einige bereits erkannt zu haben, dass die KI-Debatte überbewertet ist. Jetzt müssten sie nur noch erkennen, dass sie selbst Teil einer Blase sind.

Das Problem: Debatten über KI, erneuerbare Energien oder Digitalisierung waren auch 2025 kaum möglich. Denn nie zuvor kontrollierten so wenige Tech-Oligarchen so viel Rechenpower, digitale Öffentlichkeit, Daten und damit das gesamte Internet.

Das Ergebnis: Menschen werden von Informationen, Extremwetter und dem eigenen Ego überflutet, während Wettbewerb und Meinungsvielfalt immer mehr austrocknen. Denn der permanente Update-Zyklus fordert seinen Tribut, sodass niemand mehr zuhört oder gar in der Lage dazu ist.

Stimmen

  • Während über 40 Prozent aller KI-Antworten 2025 fehlerhaft waren und Google Overview etwa Klebstoff als Pizzazutat empfahl, konstruierte sich OpenAI-Chef Sam Altman seine ganz persönliche KI-Blase: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich ohne ChatGPT herausfinden soll, wie man ein Neugeborenes großzieht.“
  • 2025 war auch das Jahr der Autokrise. Doch dass China den deutschen Autobauern bei der Elektromobilität international den Rang abläuft und die Kaufbereitschaft sowie das nötige Kleingeld der Menschen ein Ende kennen, hätte ja keiner ahnen können. Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck in einem Interview im Jahr 2019 zum damaligen VW-Chef: „Wenn Sie 2025 kein E-Mobil für unter 20.000 Euro anbieten, dann werden Sie – so fürchte ich – im Markt scheitern. Dann bieten Sie nur noch Premiumwagen an und müssten sich in PW umbenennen.“
  • Nachdem Donald Trump Anfang 2025 vollmundig die KI-Vorherrschaft der USA prophezeite, ließ er seinen Worten vor allem weitere Worte folgen. Denn: Passiert ist seitdem herzlich wenig. Mitte des Jahres fiel ihm in einer Rede aber dann immerhin plötzlich ein, dass ihn der Begriff „künstlich“ im Zusammenhang mit KI stört: „Wissen Sie, ich mag nichts, was künstlich ist, also könnten wir das bitte klären? Ich meine das ernst – ich mag den Namen ‚künstlich‘ überhaupt nicht. Es ist nicht künstlich. Es ist genial. Es ist pure Genialität.“

Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft

Einer meiner Wünsche für das kommende Jahr: Wir sollten alle mal runterfahren. Verbal, medial und vor allem: den Hosentaschencomputer. Ansonsten wird vieles auch 2026 noch größer, noch gefährlicher oder noch dringlicher, aber nicht unbedingt wichtiger oder wahrhaftiger.

Was wir aber vor allem brauchen, um digital, medial und gesellschaftlich voranzukommen ist Diskurs. Denn wo Debatten geführt werden können und sollten, herrschen häufig unsachliche Diskussionen oder Streits. Dabei brauchen wir Sachlichkeit, Niveau, Respekt und vor allem: Kompromisse.

Denn wenn wir immer weiter in ein Schwarz-Weiß-Denken auseinanderdriften, wird die Gesellschaft nicht vorankommen und dem Planeten nicht geholfen. Statt uns reißerischen Headlines und unendlichen News Feeds hinzugeben, sollten wir versuchen, Themen komplexer zu erfassen und einander zu verstehen.

Nach Jahren des Fragens „Was ist möglich?“ könnte 2026 dann wieder das „Was ist sinnvoll?“ in den Fokus rücken. Das Potenzial von KI ließe sich etwa nutzen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, statt ihn zu fördern. Erneuerbare könnten uns unabhängiger von autoritären Staaten machen.

Und in den digitalen Medien könnten soziale Debatten stattfinden, auch wenn man anderer Meinung ist. Die Reihenfolge sollte jedoch Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft sein. Denn ohne das jeweils Erstgenannte, kann das Nachgenannte nicht existieren.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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