Hitzewellen, Stürme oder Starkregen: Extremwetter nimmt zu und mit ihm die Belastung für die Stromnetze weltweit. Eine aktuelle Studie des ifo-Instituts hat Stromausfälle in fünf Ländern über zehn Jahre ausgewertet und kommt zu einem klaren Ergebnis: Im Sommer steigt die Zahl ungeplanter Ausfälle in Deutschland um mehr als die Hälfte. Wie das Land im internationalen Vergleich dasteht und welche neuen Risiken durch die europäische Vernetzung entstehen.
Die Folgen des Klimawandels zeigen sich durch Wetterextreme wie Hitzewellen, Starkregen, Dürren oder schwere Stürme weltweit immer häufiger und intensiver. Auch in Deutschland haben in den vergangenen Jahren langanhaltende Trockenperioden, überdurchschnittlich heiße Sommer oder lokale Unwetter mit teils starken Überschwemmungen deutlich zugenommen.
Auch die Stabilität der Energieversorgung rückt in diesem Zusammenhang zunehmend in den Fokus, wie eine aktuelle Studie des ifo-Instituts zeigt. Demnach können extreme Wetterlagen, die durch den Klimawandel verursacht werden, erhebliche Auswirkungen auf die Stromnetze weltweit haben.
Denn mit zunehmender Hitze, Trockenheit und anderen wetterbedingten Belastungen steigt auch das Risiko für Stromausfälle. Das gilt selbst in Ländern mit bislang vergleichsweise stabiler Infrastruktur.
Klimawandel: Extremwetter führen zu mehr Stromausfällen
Für die Studie hat das europäische Forschungsnetzwerk EconPol Europe, das wissenschaftlich eng mit dem ifo-Institut verbunden ist, Stromausfälle in Verbrauchernetzen untersucht. Die Forscher konnten dafür Daten aus fünf Ländern aus den Jahren 2013 bis 2023 analysieren.
Grundlage für die Untersuchung sind tagesgenaue Daten zu Stromausfällen aus den Ländern Australien, Brasilien, China, Deutschland und Mexiko. Den Daten von Behörden und Netzbetreibern konnten die Forscher Informationen zum Zeitpunkt der Ausfälle sowie der Dauer und Ursachen entnehmen.
Demnach ist die Zahl der ungeplanten Stromausfälle in Deutschland im Winter am niedrigsten. Im Dezember der Jahre 2013 bis 2023 fiel hierzulande durchschnittlich 3.616 Mal ungeplant der Strom aus.
Zum Hochsommer hin zeichnet sich jedoch ein anders Bild ab. Denn im Juli steigt diese Zahl um 53 Prozent auf 5.546 Ereignisse.
„Extreme Hitze, Gewitter und stärkere Stürme im Sommer belasten das deutsche Stromsystem spürbar“, erklärt ifo-Forscher Filippo Pavanello. „Jedoch fällt im Vergleich zu Brasilien oder Mexiko in absoluten Zahlen der Strom in Deutschland deutlich seltener aus.“
So steht Deutschland im Vergleich zu China, Brasilien und Mexiko da
In Deutschland dauerten die ungeplanten Stromausfälle im untersuchten Zeitraum im Durchschnitt zwischen anderthalb und zwei Stunden. Nur bei einem Prozent der Ausfälle kam es zu Unterbrechungen von mehr als 18 Stunden.
Im Vergleich zu den anderen untersuchten Ländern steht Deutschland damit gut da. Denn in China beispielsweise dauerten viele Ausfälle mehr als sechs Stunden. In Extremfällen sei der Strom sogar 73 Stunden lang nicht verfügbar gewesen.
„Deutschland hat ein vergleichsweise zuverlässiges Stromnetz, aber Extremwetter und Hitzewellen werden auch hierzulande die Infrastruktur zunehmend unter Druck setzen“, erklärt ifo-Forscherin Jacqueline Adelowo.
Deutschland profitiert dabei im Vergleich auch von der zunehmenden Vernetzung der europäischen Stromnetze. Dadurch könnten Ungleichgewichte besser ausbalanciert werden.
Gleichzeitig steige durch die fortschreitende Vernetzung jedoch auch das Risiko für Kettenausfälle über die Ländergrenzen hinweg. Die Forscher fordern deshalb neben dem Netzausbau auch eine koordinierte Steuerung, gemeinsame Betriebsregeln sowie einen Informationsaustausch.
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