Hawaii versinkt im Plastikmüll – an Land und im Meer. Forscher der Hawaii Pacific University haben jetzt eine Lösung getestet. Sie bauen Straßen aus alten Fischernetzen und Haushaltsplastik. Ein erster Praxistest auf der Insel Oahu liefert ein überraschendes Ergebnis zur Mikroplastik-Belastung. Warum der Recycling-Asphalt sogar besser abschneidet als erwartet.
Der US-Bundesstaat Hawaii steht durch seine isolierte Lage vor einem logistischen Abfallproblem. Im Ozean schwimmen regelmäßig herrenlose Fischernetze, während sich der Hausmüll auf den Inseln stapelt.
Um hohe Transportkosten für den Export des Mülls und volle Deponien zu vermeiden, suchen Wissenschaftler nach lokalen Verwertungsmöglichkeiten. Ein Forscherteam der Hawaii Pacific University testet aktuell, wie sich dieser gemischte Kunststoffabfall im Straßenbau einsetzen ließe.
Dafür integrierten die Experten bei einem Versuch recyceltes Polyethylen in Asphaltmischungen für Straßen. Dieses Material stammte direkt aus alten Fischernetzen aus dem Pazifik sowie aus dem Plastikabfall der Haushalte. Eine lokale Baufirma verlegte diese spezielle Asphaltmischung anschließend auf einer Wohnstraße der Insel Oahu.
Straßen aus Fischernetzen: Setzt der Recycling-Asphalt Mikroplastik frei?
Eine zentrale Sorge der lokalen Transportbehörde war die mögliche Freisetzung von umweltschädlichem Mikroplastik durch den neuen Belag. Das Team um die Umweltchemikerin Jennifer Lynch sammelte feinen Straßenstaub und simuliertes Regenwasser von der Teststrecke.
Der Recycling-Asphalt gab unter mechanischer Belastung nicht mehr Polymere an die Umwelt ab als die herkömmlichen Straßenbeläge der Insel. Dies galt auch für die durchgeführten Leistungstests der Asphaltproben im Labor.
Dieses Ergebnis lässt sich durch den speziellen Herstellungsprozess des Straßenbelags erklären. Der gesammelte Kunststoff schmilzt beim Mischen unter hohen Temperaturen in das klebrige Bindemittel des Asphalts ein. Später abgelöste Partikel bestehen daher nicht aus reinem Plastik, sondern aus einer festen Mischung mit Gestein. Zudem verursachte der normale Reifenabrieb in den Tests wesentlich mehr Mikroplastik als der Straßenbelag selbst.
Wie lange hält eine Straße aus Plastikmüll?
Die Experten müssen in zusätzlichen Studien untersuchen, wie haltbar der neue Straßenbelag auf lange Sicht ist. Sollte das Material den Belastungen dauerhaft standhalten, könnte dieses Verfahren das Müllproblem der Inseln verringern.
Die Direktorin des Forschungszentrums, Jennifer Lynch, bewertet die bisherigen Erkenntnisse positiv und sieht darin einen Beweis für die Machbarkeit. „Einige Menschen halten Kunststoffrecycling für einen Schwindel“, erklärte die Wissenschaftlerin zu den Ergebnissen.
Oft werde kritisiert, dass Recycling nicht funktioniere oder schlicht zu herausfordernd sei, führte sie weiter aus. Diese Arbeit demonstriere jedoch, dass die Wiederverwertung sehr wohl funktionieren könne, wenn die Gesellschaft der Nachhaltigkeit entsprechende Priorität einräume.
Die Forscher hoffen nun, dass die aus Abfall gewonnene Straßendecke zukünftig vermehrt zum Einsatz kommen könnte. Damit ließe sich die Menge an Deponiemüll und die Meeresverschmutzung auf Hawaii auf lokaler Ebene reduzieren.
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