Je alltäglicher der Gebrauch von Künstlicher Intelligenz ist, desto schneller landen sensible Nutzer-Informationen auf den Servern der jeweiligen Anbieter. Ein neues kostenloses Online-Tool zeigt, wie viel ChatGPT und Co. wirklich über dich wissen.
Künstliche Intelligenz im beruflichen Alltag zu nutzen, ist mittlerweile normal. Auch im Privatleben ist KI vielen Menschen eine Stütze. Sie planen Aktivitäten und Urlaube oder holen sich Rat. Um passende Ergebnisse zu generieren, teilen sie in Chats nicht selten persönliche Informationen.
Einer Bitkom-Umfrage vom April 2026 zufolge setzt rund ein Drittel der Menschen in Deutschland mindestens einmal pro Woche KI ein, 15 Prozent sogar täglich. Am beliebtesten ist ChatGPT, das 71 Prozent der KI-Nutzer verwenden. Gleich danach landet Gemini mit 50 Prozent auf Platz zwei. Platz drei geht an Copilot mit 43 Prozent. Claude kommt auf fünf Prozent.
KI-Nutzung: Sorge um Datenschutz sinkt
Aus der Bitkom-Studie geht auch hervor, dass die Sorge um die eigene Datensicherheit eher sinkt, obwohl immer mehr persönliche Informationen in den KI-Chats landen. So äußerten etwa 43 Prozent der Befragten Bedenken, dass ihre persönlichen Daten nicht sicher sind. Im Vorjahr waren es noch 51 Prozent.
Um mehr Sensibilität dafür zu schaffen, hat das Schweizer Unternehmen Proton ein kostenloses Online-Tool veröffentlicht: AI Paper Trail. Damit können Nutzer selbst überprüfen, wie viel eine KI tatsächlich über sie weiß.
„Jeder Chat mit einer gängigen KI hinterlässt Spuren“, schreibt das Unternehmen. „Alles, was Sie eingeben, wird gespeichert und analysiert, und es kann leicht passieren, dass Sie damit die Modelle der KI trainieren und ein Profil über sich selbst erstellen. Selbst beiläufige Eingaben können sehr persönliche Details preisgeben – von Ihrer Arbeit und Ihren Gewohnheiten bis hin zu Ihren Beziehungen und Ihrer Identität.“
AI Paper Trail zeigt: Das weiß ChatGPT über dich
Aktuell unterstützt AI Paper Trail ChatGPT und Claude. Künftig sollen aber noch weitere Plattformen dazukommen. Nutzer können ihre Gesprächsdaten bei den beiden KI-Systemen exportieren und im Tool hochladen.
Anschließend bekommen sie einen detaillierten Report über ihre persönliche Datenlage. Dabei analysiert das Tool die hochgeladenen Informationen wie folgt.
- Datenschutztyp des Nutzers: Diese Persönlichkeitsbezeichnung basiert auf seinem Umgang mit Datenschutz.
- Expositionswert: eine numerische Punktzahl, die auf der Anzahl der extrahierten Datenpunkte und deren Aussagekraft basiert.
- KI-Wissen: Das Tool identifiziert persönliche Daten des Users und seine Identität sowie Adresse, Gewohnheiten und Beziehungen.
- Datenwert: AI Paper Trail errechnet, wie viel die Daten dem jeweiligen KI-Anbieter wert sind, in realen Dollarbeträgen.
So nutzt du das kostenlose Online-Tool
Um das Proton-Tool zu nutzen, musst du deine Daten zunächst beim jeweiligen KI-Anbieter exportieren:
Für ChatGPT-Nutzer
- Melde dich bei deinem ChatGPT-Konto an.
- Klicke auf dein Profil-Symbol in der unteren linken Ecke der Seite.
- Gehe zu Einstellungen, dann Datenkontrollen.
- Suche nach „Daten exportieren“ und klicke auf „Export„.
- Bestätige im Pop-up-Fenster mit „Export bestätigen„.
Für Claude-Nutzer
- Melde dich bei deinem Claude-Konto an.
- Klicke auf dein Profil-Symbol in der unteren linken Ecke der Seite.
- Gehe zu Einstellungen, dann Datenschutz.
- Klicke unter deinen Daten auf „Daten exportieren„.
- Folge den Anweisungen, um den Export zu bestätigen.
Wichtig: Besonders bei ChatGPT kann der Download einige Stunden bis Tage dauern. Für Business- und Enterprise-Kunden steht die Export-Funktion gar nicht zur Verfügung.
Sobald du deine Daten exportiert hast, erhältst du einen Download-Link per Mail. Anschließend musst du die jeweiligen Dateien bei AI Paper Trail hochladen.
Der Datenschutz-Selbsttest: Was weiß die ChatGPT über mich?
Meine Erfahrung: Da der Export meiner ChatGPT-Daten extrem zeitaufwendig zu sein scheint, habe ich den Test mit Claude durchgeführt. Ich musste erkennen, dass ich ein offenes Buch bin. Das Tool stufte mich als leicht zu profilieren ein und vergab einen Expositionswert im oberen Mittelfeld.
Am meisten weiß die KI über meinen Beruf, mein soziales Umfeld und meine finanzielle Situation. Darüber wundere ich mich grundsätzlich nicht, da ich die KI häufig nutze, um verschiedene Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten durchzurechnen.
Was mir auffällt, ist, dass sich die Rückschlüsse über viele einzelne Chats hinweg ergeben, auch wenn ich sie nie ausdrücklich mitgeteilt habe. Auch Proton stellt dieses System als zentrales Argument dar: Nicht einzelne Prompts verraten etwas. Stattdessen ergibt sich ein Muster aus der täglichen Nutzung über viele Monate hinweg.
Der Online-Check hat mir auf jeden Fall die Augen geöffnet. Zwar teile ich nie sensible Informationen wie Bankdaten, meine Adresse, Klarnamen oder so mit KI. Dennoch lesen die Anbieter meine Persönlichkeit und Interessen viel deutlicher aus, als ich erwartet habe.
ChatGPT und Claude: So geht Datenschutz bei der KI-Nutzung
Damit Nutzer ihre Daten besser schützen können, gibt Proton selbst einige Nutzungstipps am Ende jedes Reports aus. Der wichtigste Punkt: Teile nur, was wirklich nötig ist. Namen, Adressen, finanzielle Angaben oder andere identifizierende Informationen gehören nicht ins Chatfenster.
Außerdem lohnt sich ein Blick in die Datenschutzeinstellungen des jeweiligen Anbieters. Proton rät, Chat-Verlauf und Modelltraining nach Möglichkeit zu deaktivieren. Bei ChatGPT findest du den entsprechenden Schalter unter Einstellungen und Datenkontrollen, bei Claude unter Einstellungen und Datenschutz.
Außerdem empfiehlt Proton, regelmäßig zu prüfen, welche Daten die genutzten KI-Systeme über dich gespeichert haben. Lösche alles, was du nicht mehr brauchst. Beide Anbieter bieten dafür eigene Modi an, temporäre Chats bei ChatGPT und Inkognito-Chats bei Claude, in denen Gespräche weder im Verlauf landen noch für das Training verwendet werden.
Wer hinter AI Paper Trail steckt
So nützlich das Tool auch ist: Es lohnt sich ein Blick darauf, wer es anbietet. Proton ist ein Schweizer Unternehmen, das mit verschlüsselten Diensten wie Proton Mail bekannt wurde und mit Lumo einen eigenen KI-Assistenten betreibt.
Kein Wunder also, dass das Unternehmen diesen als Alternative zu den bekannten US-Plattformen empfiehlt. AI Paper Trail ist zwar kostenlos, aber nicht interessenfrei. Das Tool macht ein reales Problem sichtbar und liefert die Lösung gleich mit. Trotzdem bleibt der Selbsttest allemal aufschlussreich und ein sinnvoller Denkanstoß.
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