Das iPhone Duo war schon da, da existierte es offiziell noch gar nicht. Im April brachte Huawei das Pura X Max. Im Juli folgte Samsung mit dem Galaxy Z Fold 8. Anfang September legte Xiaomi das 18 Fold nach. Drei Hersteller, ein Formfaktor: kurz, breit, ungefähr Reisepassgröße. Und alle drei kamen auf den Markt, bevor Apple auch nur bestätigt hatte, dass es an einem faltbaren iPhone arbeitet. Ein Kommentar.
Deutlicher lässt sich Apples eigentliches Kapital kaum beschreiben. Es ist nicht der Chip, nicht die Kamera, nicht einmal der Preis. Es ist die Fähigkeit, eine ganze Branche in Bewegung zu setzen, bevor überhaupt ein Produkt existiert. Genau dieses Kapital steht mit dem iPhone Duo, das Apple gestern Abend vorgestellt hat, auf dem Prüfstand – und zwar gleich mehrfach.
Erstens: Zieht der Apple-Effekt beim iPhone Duo noch?
Dass die Konkurrenz reagiert, ist unbestritten. Bei Foldables fällt es besonders auf, weil die Android-Hersteller vorher in die Gegenrichtung gelaufen waren: Frühe Modelle von Oppo und Google kamen den heutigen breiten Faltern näher, dann gaben beide diese Entwürfe auf, um sich Samsungs Norm eines „Vierecks“ anzupassen. Sieben Jahre lang bewegte sich die Kategorie in den Verkaufszahlen kaum.
Nur ist Nachahmung durch die Industrie nicht dasselbe wie Zustimmung durch die Kundschaft. Bei der Apple Watch und den AirPods ging beides zusammen: Apple war zwar nicht „zuerst“ da, definierte aber eine Kategorie und das schlug sich auch in den Verkaufszahlen aller Produkte nieder. Bei der Vision Pro blieben die Nachahmer fast komplett aus, offenbar war auch schon zu erwarten, dass sich das Gerät nicht gut verkauft.

Das lehrreichste Beispiel dieser Art ist aber das iPhone Air. Die Branche folgte artig: Samsung legte sogar mit dem Galaxy S25 Edge vor, Honor, Huawei und Tecno bauten ebenfalls dünne Modelle. Die Käufer folgten jedoch nicht. Im Startmonat entfielen laut Consumer Intelligence Research Partners nur drei Prozent des iPhone-Absatzes auf das Air, weltweit sollen es trotz mehrfacher Preissenkungen bei Händlern kaum mehr als 700.000 verkaufte Geräte gewesen sein. Die Produktion wurde weitgehend heruntergefahren, das Air 2 verschoben – und Samsung strich das S26 Edge gleich mit.
Der Apple-Effekt funktioniert somit zwar weiterhin zuverlässig in Richtung Konkurrenz. In Richtung Kunde funktioniert er jedoch nicht mehr immer, ein Novum für einen Hersteller, der über 10 Jahre quasi einen Verkaufsschlager nach dem Nächsten feierte.
Zweitens: 2.299 Euro für ein iPhone Duo in einem denkbar schlechten Jahr
Das iPhone Duo startet in Deutschland bei 2.299 Euro, in der Topausstattung bei 3.799 Euro. Ein Netzteil liegt (wie seit Jahren) nicht bei, das Case kostet 89 Euro extra, der Apple Pencil ebenfalls. Zum Vergleich im selben Markt: Samsungs Galaxy Z Fold 8 beginnt bei 1.999 Euro, das Z Fold 8 Ultra bei 2.199 Euro. Apple liegt über beiden.
Die psychologische Zweitausend-Euro-Marke ist damit ebenfalls gefallen, und sie fällt in einem Jahr, in dem ohnehin alles teurer wird. Praktisch die gesamte Branche hat 2026 die Preise um rund hundert bis zweihundert Euro angehoben: Neben dem neuen, teureren iPhone 18 Pro (Max) zog schon Google im August beim Pixel 11 den Preis an, auch das Galaxy Z Fold 8 Ultra ist teurer als sein Vorgänger.
Der Grund ist die Speicherkrise. Der Ausbau von KI-Rechenzentren saugt Bauteile aus dem Markt, RAM und Flash vor allem. Nothing-Chef Carl Pei berichtete, die Speicherkosten für das Nothing Phone 4A hätten sich bis zum Marktstart verdoppelt. Qualcomm hat gerade erst die Chippreise erhöht. Entspannung erwartet niemand so bald.
Samsung versprach gegenüber Journalisten bei der Vorstellung seiner Z Fold4-Serie vor einigen Jahren sinkende Preise bei Foldables, mittlerweile sind wieder sogar über den 2100 Euro die Samsung für ihr erstes Galaxy Fold haben wollte.
Für eine Kategorie, die 2025 gerade einmal 1,6 Prozent aller Smartphone-Verkäufe ausmachte, ist das eine unglückliche Ausgangslage. Apple muss die Leute nicht nur von einer neuen Bauform überzeugen, sondern von einer neuen Bauform zu einem Preis, bei dem viele in diesem Jahr ohnehin zusammenzucken.
Dritte Prüfung: Löst Apple die alten Probleme?
Bei diesem Preis wäre die naheliegende Rechtfertigung, dass Apple die bekannten Schwächen der Kategorie mit dem iPhone Duo endlich beseitigt. Der Konzern hat sich diesen Ruf über Jahre aufgebaut: nicht der Erste sein, sondern erst kommen, wenn die Kinderkrankheiten kuriert sind. Auf der Bühne klang es entsprechend: Die seidenmatte Oberfläche des Innendisplays solle den Falz praktisch verschwinden lassen.
Die ersten Hands-on-Videos aus Cupertino erzählen etwas anderes. Der Falz ist offenbar genauso sichtbar wie beim Galaxy Z Fold 8 und Fold 8 Ultra, trotz zweilagigem flexiblem Glas. Und die Kamera unter dem Display, die Apple in der Keynote mehrfach vorgeführt hat, fällt ausgerechnet deshalb auf, weil sie als einzige Stelle nicht matt ist. Samsung hatte diese Lösung beim aktuellen Fold aus guten Gründen wieder gestrichen. Dazu kommt, dass die IP68-Zertifizierung wohl nur zeitlich begrenzt gilt, ähnlich wie beim Pixel 10 Pro Fold.
Sieben Jahre Wartezeit, und der Falz ist immer noch da. Das ist die unbequeme Nachricht des Abends.
Und hier kommt Apples eigentliche Stärke ins Spiel
Denn wenn die Hardware von Apple die Probleme nicht löst, dann müssen die Ingenieure in Cupertino etwas anderes tun – und genau dort liegt Apples Vorteil ohnehin. Was der Konzern rund um das Duo an Software gebaut hat, wirkt erkennbar durchdacht. Beide Displays, außen 5,4 und innen 7,6 Zoll, teilen sich dasselbe Seitenverhältnis, sodass Inhalte beim Auf- und Zuklappen nicht springen, sondern wachsen. Dazu echtes Zwei-App-Multitasking, ein Dock, das an den rechten Rand wandert, Apple-Pencil-Unterstützung, die Samsung beim Fold erst dieses Jahr wieder gestrichen hat.

Apples iOS-27-Ansatz wirkt deutlich zielgerichteter als das, was Android von Google bzw. One UI von Samsung derzeit bieten und es sei nur eine Frage der Zeit, bis Android-Hersteller diese Bedienkonzepte kopieren.
Ein Foldable ist zu zwei Dritteln ein Software-Produkt, und Software plus Ökosystem sind das Feld, auf dem Apple seit fünfzehn Jahren am stärksten ist. Wer ein iPhone, ein iPad und eine Watch besitzt, kauft hier kein Gerät, sondern eine Fortsetzung.
Dass die Nachfrage nach solch einem Gerät grundsätzlich existiert, hat übrigens Samsung selbst bewiesen. Das Galaxy Z Fold 8 wurde in diesem Jahr ein echter Erfolg, und zwar genau mit dem breiten Passformat: In Südkorea sammelte die neue Z-Serie binnen sieben Tagen 1,44 Millionen Vorbestellungen, ein Rekord, davon rund 70 Prozent auf das Fold 8. Samsung selbst spricht von 30 Prozent mehr Verkäufen als beim Fold 7; in den ersten beiden Wochen lag die Z8-Reihe acht Prozent über der Vorjahresgeneration und beendete damit zwölf Wochen ununterbrochenen Absatzrückgangs.
Counterpoint Research erwartet für dieses Jahr entsprechend ein Plus von 20 Prozent bei Foldables mit einem Apple-Anteil von 28 Prozent nach nur wenigen Monaten.
Viertens: John Ternus
Am Ende steht eine persönliche Bewährungsprobe. Das Duo ist die erste große Hardware-Vorstellung von John Ternus als Apple-Chef. Ternus kommt aus der Hardware-Entwicklung, er hat an dem Einfluss, den Apple heute genießt, selbst mitgebaut. Ob er ihn halten und in Verkäufe übersetzen kann, muss er nun in einem Markt mit steigenden Kosten, gedämpfter Kauflaune und einer Kategorie beweisen, die nach sieben Jahren immer noch nicht erwachsen ist.

Beim iPhone Air hatte Apple den Einfluss, aber nicht die Nachfrage. Bei der Apple Watch hatte es beides. Was von beiden das iPhone Duo wird, entscheidet über mehr als ein Produkt, es entscheidet über Apples Fähigkeit einen Markt zu dominieren.
Die Hardware jedenfalls wird es nicht allein richten – der Falz ist der Beweis. Wenn dieses Gerät funktioniert, dann weil Apple das kann, was in dieser Kategorie bisher niemand konnte: die Software so zu bauen, dass man das Falten irgendwann vergisst. Ob das 2.299 Euro wert ist, entscheiden ab dem 23. Oktober die Kunden.
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