KI Bilder Restaurants Essen Künstliche Intelligenz

Einfach unappetitlich: Restaurants schneiden sich mit KI-Bildern ins eigene Fleisch

Fabian Peters
Bild: BASIC thinking / mit ChatGPT erstellt (KI)

Wer auf KI-generierte Bilder von Gerichten auf Speisekarten setzt, könnte sich damit ins eigene Fleisch schneiden. Skurrile, unauthentische oder einfach nur ekelerregende Darstellungen sorgten bereits für viel Spott und Hohn. Doch auch wer auf ansprechende KI-Bilder setzt, könnte einen Imageschaden erleiden und vor allem Kunden verlieren. Etwa dann, wenn das, was auf dem Teller landet, nicht dem entspricht, was suggeriert wird. Eine kommentierende Analyse.

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Testpersonen finden KI-generierte Essensbilder unappetitlich

  • Viele Menschen reagieren auf Darstellungen von Essen so sensibel wie auf kaum etwas anderes. Der visuelle Geschmacksverstärker der Gegenwart ist derweil künstliche Intelligenz. Die Technologie ermöglicht es, Darstellungen von Lebensmitteln und Gerichten schnell, günstig oder sogar kostenlos selbst erstellen zu lassen. Neben großen Supermarktketten nutzen mittlerweile auch immer mehr Restaurants und Imbisse KI, um Essensbilder zu erstellen und Kosten für Fotografen zu sparen.
  • Laut einer internationalen Studie unter Federführung des Psychosomatikers Alexander Diel von der Universität Duisburg-Essen hat AI Food nicht immer den erhofften Effekt. Das Forscherteam servierte 84 Studienteilnehmern Bilder von Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Eis und Fast Food. Was die Probanden nicht wussten: Darunter befanden sich sowohl KI-generierte Bilder als auch echte Abbildungen. Den Ergebnissen zufolge bewerteten die Teilnehmer die KI-generierten Bilder oft als weniger realistisch. Viele davon hätten ihnen sogar die Lust aufs Essen verdorben.
  • Eine Studie aus dem Jahr 2024 kommt zu der Erkenntnis, dass KI-Bilder von Essen zunächst als appetitlich empfunden werden können. Nachdem den Studienteilnehmern aber mitgeteilt wurde, dass es sich um Abbildungen handelte, die mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurden, verging ihnen der Appetit. Einige Bilder sahen zudem nicht sonderlich gut aus. Der Grund: KI-Modelle generieren bei Lebensmitteldarstellungen zunächst eine grobe Bildstruktur und ergänzen dann Details. Wenn strukturelle Fehler mit Feinheiten überdeckt werden, entsteht ein unnatürliches Gesamtbild. KI fällt es etwa schwer, dünne Strukturen darzustellen. Das kann zu unauthentischen bis ekelerregenden Ergebnissen führen.

Kostenvorteil von KI-Bildern wird zum Bumerang

Ob auf YouTube, Social Media oder Spotify: KI-Müll ist mittlerweile fast überall zu finden – auch auf vielen Speisekarten. Das Problem: Neben optischen Pannen entwickeln sich künstlich generierte Bilder zunehmend zu Einheitsbrei. Es geht dabei nicht unbedingt nur darum, ob ein Bild von KI stammt, sondern ob es überhaupt noch irgendwas mit dem zu tun hat, was später auf dem Teller landet.

Klar: In der Gastronomie und vor allem in der Lebensmittelbranche wird seit jeher getrickst. Mogelpackungen und unrealistische Serviervorschläge lassen grüßen. Dass die abgebildete Supermarkt-Pizza nicht ganz so üppig belegt ist wie auf der Verpackung, dürfte mittlerweile aber niemanden mehr überraschen. Doch durch KI erhält diese ohnehin schon fragwürdige Praxis eine neue Dimension – vor allem in der Gastronomie.

Das heißt nicht, dass man die Technologie grundsätzlich verteufeln muss. Vor allem kleine Restaurants, Imbisse und gastronomische Betriebe mit überschaubarem Budget können von KI profitieren. Doch dieser vermeintliche Kostenvorteil kann schnell zu einem Bumerang werden. Wer seinen Gästen etwa digital das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, in der Realität aber nur für lange Gesichter sorgt, spart am falschen Ende.

Stimmen

  • Professor Charles Spence von der Universität Oxford erklärte bereits 2024: „Zwar bieten KI-generierte Bilder Marketingfachleuten und der Branche möglicherweise Einsparpotenziale, da sie die Kosten für die Beauftragung von Lebensmittelfotoshootings senken, doch diese Ergebnisse unterstreichen potenzielle Risiken im Zusammenhang mit der Verstärkung des ‚visuellen Hungers‘ bei Verbrauchern – jenem Phänomen, bei dem das Betrachten von Bildern von Lebensmitteln Appetit und Heißhunger auslöst. Dies könnte möglicherweise ungesunde Essgewohnheiten beeinflussen oder unrealistische Erwartungen der Verbraucher an Lebensmittel wecken.“
  • Ein australisches Burger-Restaurant zeigt sich in einem Instagram-Beitrag genervt: „Bitte hört endlich mit den KI-Postern auf. Probiert stattdessen doch mal unsere leckeren Burger, Pommes und Snacks.“ Die Pizzeria Hail Mary Pizza aus Los Angeles veröffentlichte derweil einen KI-generierten Werbeclip. Nach massiver Kritik schrieb das Restaurant: „Wir lieben unsere Kunden und unterstützen die kreative Community, die Los Angeles so großartig macht. Es tut uns leid, dass wir diesen KI-Mist gepostet haben. Die Wahrheit ist: Wir sind einfach besser in Sachen Pizza. In Zukunft werden wir uns an von Menschen erstellte Inhalte halten. Wir hoffen, euch bald wiederzusehen!“
  • Auf der Bestellplattform Lieferando sorgten mehrere KI-generierte Fotos für Spott, da die Motive deutlich von den Produktbeschreibungen abwichen. Auf eine Anfrage der Deutschen Presseagentur schrieb das Unternehmen: „Wir entschuldigen uns für ungenaue Bilder, arbeiten an deren Entfernung und haben die Verwendung des Tools ausgesetzt. Grundsätzlich ist die neue Technologie für unsere Partner sehr hilfreich, ihre Fehlerquote gering und wir werden sie weiter verfeinern.“

Statt KI: Das Unperfekte könnte den Appetit anregen

Restaurants und Lieferdienste, die auf KI-Bilder setzen, könnten sich damit ins eigene Fleisch schneiden. Denn wer Gerichte appetitlicher, größer oder schlicht anders darstellt, als sie tatsächlich sind, weckt Erwartungen, die sich vermutlich nicht erfüllen lassen. Oder: Enttäuschte Kunden sind quasi vorprogrammiert. Auch skurrile oder ekelerregende Aufnahmen können einen Imageschaden herbeiführen.

Problem ist dabei nicht unbedingt der Einsatz von KI an sich, sondern ein Einsatz ohne Sinn und Verstand. Bei der Bildbearbeitung echter Fotos mag die Technologie hier und da noch legitim sein. Doch vermeintlich perfekte oder überperfekt wirkende reine KI-Bilder haben auf Speisekarten eigentlich nichts zu suchen – ohne Bezug zur Realität schon gar nicht.

Wer hingegen auf ungeprüfte Darstellungen setzt, muss sich über Spott und Hohn sowie enttäuschte Kunden nicht wundern. Authentizität könnte wie in vielen anderen Branchen derweil zu einem Wettbewerbsvorteil werden. Oder: Im Gegensatz zu vermeintlich überperfekten Essensbildern könnte ironischerweise vor allem das Unperfekte wieder richtig Appetit machen.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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