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Blogs müssen keine Archivmonster sein

viele User beklagen sich bei Weblogs über das Durcheinander an Links und der unstrukturierten Ablage. Verständlich, denn welche Ablageansichten gibt es, um Information einzusehen? Im Großen und Ganzen dominiert auf Blogs das chronologische Element. Neue Infos sind wichtig, alte vergessen. Alles für den Stammleser und benachbarten Blogger, alles für die Kommunikation jetzt und hier, vernetzt oder auf dem Blog selbst. Eine immense Fokussierung. Es verwundert daher nicht, warum Blogs häufig auch kein Trafficmagneten sind, weil sie kaum in der Lage sind, aus Zufallsbesuchern Dauerbesucher zu machen. Wie kann man das anders gestalten? Aktualität ist nicht immer die einzige Sichtweise auf Informationen. Man kann ebenso Informationen nach Autor, nach Thema, nach Ort, nach xyz ablegen, ohne jemals ein chronologisches Sortierkriterium hinzuzunehmen.

Wie schaut es momentan bei Blogs aus:
1. Chronologische Sortierung auf der Startseite = Für Aktuelles wunderbar, Zielgruppe: Stammleser, nicht aber für den Suchenden womöglich, der gezielt nach zusammenhängenden Infos sucht.
2. Archiv nach Kategorien= Alle Infos werden idR nach „Kategoriename“ und dann im zweiten Sortkriterium nach Datum (absteigend) angezeigt
3. Archiv nach Monat = Rein chronologische Sortierung
4. Suche = Ebenfalls chronologische Suche, WordPress zB erlaubt allerdings keine Joker und AND/OR Suchen (oder?)
5. Tagcloud = Nicht anders als Archiv nach Kategorie, zeigt dem Leser „lediglich“ die Hauptschwerpunkte an, was schon mal nicht dumm ist, um die Webseite einzuschätzen
6. Tags pro Einzelartikel = Häufig verlinkt nach Technorati, á la ciao Leser, such woanders nach Deinem Glück (um es mal überspitzt auszudrücken). Manchmal nach innen verlinkt, aber ebenso chronologische Sortierung. Es gibt auch einen dritten Weg, den ich empfehlen möchte. Nicht, weil er auf meinem Mist gewachsen ist, sondern bisher recht gut angenommen wird, seitdem ich es eingebaut habe: Zu den Tags werden am Ende des Postings X weitere Artikel angezeigt, die mit den gleichen Tags markiert wurden. Erstmals also sowas wie zusammenhängende Artikelcluster = Infocluster, statt diese olle Sortierung nach Zeit. Diese Artikel sind häufig sehr passend, wenn man vernünftig getaggt hat. Klar. Wenn nicht, bringt es nix.

Weg von der Chronologie, hin zur Themennachbereitung per Navigation
Wie man sieht, die chronologische Ansichten auf das Informationsgemenge eines Blogs dominieren gewaltig und verwirren mE einen Teil der Leser, wenn die etwas suchen. Um aber Flagge auf einem Gebiet zu zeigen, reicht es nicht aus, einen Artikel nach dem anderen herauszufeuern, sondern man muss in der Lage sein, im Sinne des Leser Artikel zusammenzufassen, zu sortieren und zu katalogisieren. Die ein Thema behandeln. Und nicht unbedingt chronologisch sortiert sind. Wie? Indem man es zB analog löst wie das Blog Netprofit.

Es ist zunächst dreispaltig aufgebaut, was jetzt nicht kriegsentscheidend ist. Aber, links findet man „Infocluster“ und rechterhand die klassische Blognavigation:
Netprofit 1

Betrachten wir das linke Infocluster, „Grundwissen“ ->
Netprofit 2
Der Leser begreift sehr schnell, daß er Grundwissen zu dem Themembereich SEO abfragen kann, nicht mehr unterteilt nach „Chronologie“, sondern nach logischem Aufbau des Themas, das in Schritte unterteilt wurde, was sich in den Artikelüberschriften auch wiederspiegelt.

Auf diese Weise kann man dem Leser zusätzlich zur bisherigen Blognavigation endlich auch mal zusammenhängende Informationen liefern, die von der chronologischen Sortierung weggehen. Sprich: Informationen werden nicht mehr durch die „Müllhalden“-Navigation abgewertet, weil sie eben alt sind, sondern sie werden aufgewertet. Durch eine simple Änderung der Betrachtunsperspektive der Navigationsbäume.

Wie kann man das in WordPress umsetzen?
Man kann bei WordPress oW manuelle Links in der Sidebar platzieren. Diese Links können dann auf einzelne Artikel verweisen.

Beispiel: Oberthema „Weblog starten“, per H2 Tag als Überschrift des Thema wählen
10 Einzelartikel: Weblog erklärt (als Link), Themenideen (Link), Softwareauswahl (Link) …

Dabei spielt es keine Rolle mehr, ob der Artikel „Weblogs erklärt“ vorletztes Jahr geschrieben wurde und Themenideen gestern. Mit der Standardlösung „nach Kategorie“ wäre so eine Darstellung schlichtweg nicht möglich, ein Thema inhaltlich zu sortieren.

Alternativ kann man WordPress Pages einsetzen, um Themen zu clustern. Angenommen, man möchte Weblogs nicht nur erklären, sondern auch noch viele Unterthemen behandeln (wie findet man Leser, AdSense-Tipps, Programmierung, …), die aus lauter Einzelartikeln (ca. 150) bestehen. Dann würde so eine Darstellung wie beim Blog Netprofit in der Seitenleiste irgendwann zu lang werden. Was tun? Easy, man bildet in die Sidebar lediglich die Unterthemen ab und verlinkt auf einzelne Pages (1 Page = 1 Unterthema). Innerhalb jeder Page kann man dann in Ruhe zB eine kapitelartige Linkstruktur mit Verweisen auf die Einzelartikel aufbauen. Oder gar auf einer Page das gesamte Unterthema abhandeln, was natürlich zum Scrollen sehr lang wird (Abseits.de verfährt so).

Resumee
Ein solcher Aufbau erfordert manuellen Aufwand, es gibt dafür keine integrierten Blogfunktionen, da die Blogsysteme zurecht schlank gehaltene Content Management Systeme sind, die hierarchische Navigationsstrukturen idR nicht unterstützen. Man kann aber mit wenig Aufwand einiges erreichen, um es dem Leser leichter zu machen. Sich auf Deinem Blog zurechtzufinden. Wenn Du schon thematische Schwerpunkte setzt. Wer als Blogger kein Interesse an einer strukturierten Informationsablge hat, nur das aktuelle Gespräch bevorzugt, der hat natürlich keinen Nutzen davon.

Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

15 Kommentare

  • Wie kann man das in WordPress umsetzen?
    Man kann bei WordPress oW manuelle Links in der Sidebar platzieren. Diese Links können dann auf einzelne Artikel verweisen.

    Nimm doch einfach den Link-Manager! Mit dem Link-Manager kannst du nicht nur deine Blogroll verwalten. Lege einfach eine Kategorie „Weblog starten“ an und werfe die Links zu den Einzelbeiträgen über den WordPress-Adminbereich in diese Kategorie. Zudem kannst du die Funktion [php get_links_list] noch bisschen anpassen.

  • Interessanter Ansatz, der sicherlich nicht unberechtigt ist. Ältere Artikel werden bei mir auch zumeist nur noch per Google gefunden. Mal sehen, ob sich da nicht vielleicht was machen lässt…

  • Was Du bei Deinem Artikel ein wenig aus dem Fokus bekommen hast ist der Fakt, dass Robert Hartl von Netprofit ein Weblog in eine bestehende Website integriert hat. Offensichtlich fällt das gar nicht mehr so toll auf.

    Grund hierfür dürfte auch sein, dass seine Zielgruppe u.a. wenig von Blogs versteht und nicht großartig vor den Kopf gestoßen werden sollte.
    Eine Philosophie, die ich bei einige Kunden bereits sehr erfolgreich umgesetzt habe.

    Ein Blog ist ja von Haus aus „nur“ (bitte nicht gleich hauen!) eine andere Website. Langfristig werden sich beide Medien eh irgendwann kombinieren. Was spricht also gegen die harmonische Integration eines Weblogs in eine Website?

    Schön finde ich aber die Ansätze das Konzept Weblog weiter zu denken. Es scheint mir mit höllisch vielen Engpässen ausgestattet, wird aber täglich millionenfach geclont. Irgendwann haben wir so viele Blog mit Einschränkungen wie heute alte Webseiten im Tabellenlayput. Und alles nur, weil wir uns nicht irgendwann einmal gefragt haben, was eigentlich daran noch zu verbessern ist.

    Nehme diesen und andere Artikel in einigen Tagen zum Anlass und werde selbst dazu meine Gedanken zu Blog bringen.

  • Das links ist doch eine ganz normale Seitennavigation die sich auf die komplette Webseite, und nicht nur das Blog bezieht – oder?

    Edit: Jörg war wohl 3 Minuten schneller. Du solltest aber mal deine Serverzeit überprüfen, die hinkt ca. 12 Minuten hinterher.

  • @Jörg, man muss garnicht mE den Fokus darauf legen, daß Robert hierbei etwas anders, aber dennoch unter zu Hilfenahme von WordPress (also schon noch ein Zwitterlösung;), vorgegangen ist, da rein das gute Endergebnis zählt, wichtige Inhalte separat zu ordnen und nach vorne zu holen. Dabei finde ich es interessanterweise eher im Gegenteil sogar gut, wenn Leser auf das Blog stoßen, dessen Vorteil ja die zeitliche Sortierung darstellt.

  • @Johanna, ja und nein, ist eine Art Zwitter, aber das kann mein Namensvetter sicher besser eklären. Wie dem auch sei: Es ist nicht wichtig zu verstehen, daß man ein Blog in eine Webseite integrieren kann, sondern die Message ist, wie man Bloginhalte nach vorne holen kann, ohne die zeitliche Komponente zu bemühen.

  • Ich verstehe schon Deinen Fokus aus Weblog-Sicht. Ich bin gedanklich schon einen Schritt weiter. Und sehen es von der anderen Seite.

    Inhalte nach vorne zu bringen ist das eine. Es gibt zu viele gute Inhalte, die einfach in den Tiefen der Blogs verschwinden. Wie jede gute Website haben Blogs einfach ein Problem, langfristig guten Content in der Breite navigierbar zu machen.

    Die Ansicht, dass Blogs was anderes und ggf. besseres sind als normale Webseiten wird sich meines Erachtens nicht mittelfristig halten. Blogtechnologien werden normal verfügbar sein und was bleibt, ist Content, der ereichbar gemacht wird.

    BTW, das Jobblog hat gezeigt, dass zwei Navigationsleisten auch ihre klaren Nachteile haben können. Normale Leser sind schnell überfrachtet und geben auf, die Leserzahlen gehen zurück. So gesehen wird Robert Hartl aufpassen müssen und irgendwann (vielleicht) wieder back to the roots kommen.

  • Ich bedaure auch, dass viele, viele Beiträge in der Versenkung verschwinden und nie wieder gefunden werden. Das Problem stellt sich auch bei meinem neuen Nawischn-Talk, wo neben alltäglichem Support-Wahnsinn auch Know-How einfließen soll. Wissen, welches nicht nur mir, sondern auch anderen Navision-Anwendern helfen kann, wenn man mal in Schwierigkeiten kommt. Dieser Zweig des Blogs könnte fast in eine Art Knowledgebase ausarten (das weiß ich aber noch nicht so genau). Und genau dann stellt sich bei mir auch das Problem, der Auffindbarkeit von Informationen.

  • Erstmal danke für das viele öffentliche Feedback. 🙂

    In der Tat mag mein „Weblog“ Aktuelles auf den ersten Blick nicht wie Kubrick und Standard-sidebar aussehen.
    Das Template basiert jedoch auf kubrick (was man noch am grauenhaften CSS erkennen kann :-/) und die rechte Leiste ist eine ganz einfache WordPress-Sidebar mit Customizing (im codex bei WordPress sind dazu lesenswerte Erläuterungen).

    Mehr zur Webseitenstruktur:
    die linke Leiste stellt eine Art thematische Grundnavigation dar. Sie wird erzeugt mittels Linkmanager und kategorienspezifischer Anzeige. Jörg hat völlig recht, dass ich mich primär an wenig(er) weblogaffine Leser richte.

    die rechte Leiste ist typische WordPress-Sidebar, welche ich je nach Ansicht variiere.

    WordPress selbst nutze ich vollumfänglich nur für Aktuelles und SEO-Marks (pages mit Linkmanager-Navigation und Linkkategorienausgabe für Inhalte). Alle anderen Seiten basieren auf einfachen php mit readfile und include und nutzen die WordPress-Datenbank sowie WordPress-Bereiche. Inhaltlich sind natürlich etliche Artikel eingearbeitet.

    Grund hierfür war (und ist), dass der Nachrichtenbereich Aktuelles erst nachträglich integriert wurde und mir hierfür ein Weblogsystem optimal erschien. Mittlerweile kenne ich WP besser, so dass ich wohl alle Webseiten als pages umsetzen würde. Darin könnte man beispielsweise wunderbar (vielleicht Tag-basiert) Artikel listen.

    Abschließend freue ich mich über jeden begründeten Hinweis (Mail, Tel, …), wie man die Seiten zumindest optisch entschlacken könnte, ohne einem Leser (s)einen Ansatzpunkt einer Navigation zu nehmen. Ich will jeden dort abholen, „wo er gedanklich zu Hause ist“.