Vom Markt wegshoppen: Blackberry im Auge angeblicher Übernahmekandidaten

Jürgen Vielmeier

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Gerüchte gibt es ja viele, aber beantworte mir hier doch bitte einmal jemand die Frage nach dem „Warum“. Wie das „Wall Street Journal“ (WSJ) meldet, haben Nokia und Microsoft sich mehrere Male mit Blackberry-Hersteller RIM getroffen, um über mögliche Kooperationen zu sprechen. Informell. Sagen, wie immer, Personen, die nicht genannt werden wollen. Es soll angeblich um eine gemeinschaftliche Übernahme durch Microsoft und Nokia gegangen sein.

Warum die beiden das machen sollten, leuchtet nicht so ganz ein. Die enge Partnerschaft zwischen dem Software-Riesen und den Finnen ist kein Geheimnis. Aber wie würde RIM da ins Spektrum passen? Nokia setzt in naher Zukunft auf Symbian und zuvorderst Microsofts Systeme. Und Microsoft hat alle Hände voll zu tun, Kunden und Partnern Windows Phone schmackhaft zu machen, das noch lange nicht die gewünschte Nummer Drei unter den mobilen Ökosystemen ist. Windows Phone für RIM? Da kämen überhaupt nur die Touchscreen-Modelle wie das Torch 9860 der ansonsten tastenintensiven Blackberrys in Frage.

Dass RIM Probleme hat, steht ja außer Frage: Die Marktanteile schrumpfen, die Umsätze auch. Das geplante neue Betriebssystem darf aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX heißen. Erste Geräte mit dem nun in Blackberry 10 umbenannten System sollen erst Ende 2012 verkauft werden. Blackberry Playbooks drohen zu einem Milliardengrab zu werden, und das nicht nur, weil kürzlich eine Fuhre mit 5.000 der Tablets im Wert von 1,7 Millionen US-Dollar gestohlen wurde.

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Was sollte Amazon mit Geschäftskundensystemen?

Also wird RIM mal eben zum Übernahmekandidaten. Meint neben dem WSJ auch Reuters: Der Nachrichtenagentur nach hatte auch Amazon Interesse an einer Übernahme von RIM. Der Online-Händler soll demnach im Sommer eine Investmentbank damit beauftragt haben, mögliche Optionen zu prüfen. Offenbar fand die Bank nicht genug Gemeinsamkeiten, um eine Übernahme zu empfehlen. Wie denn auch? Was soll ein Einzelhändler mit Systemen, die in erster Linie für Geschäftskunden gedacht sind?

Hat RIM selbst da eigentlich noch viel mitzureden? Die Kanadier wollen lieber eigenständig bleiben, die Wende im kommenden Jahr schaffen, ähnlich wie Nokia das in diesem Jahr versucht hat. Und auch wenn der Ausblick auf 2012 verhalten ist: Die derzeitige Smartphone-Linie, die erst sehr spät überhaupt auf den Markt gekommen ist, ist eigentlich attraktiv genug, um RIM zumindest am Leben zu halten. Ein Schritt weg vom Geschäftskundenfokus könnte RIM aber nicht schaden. Denn in Zeiten, in denen Geschäftsreisende lieber mit einem iPhone unterwegs sind, besteht bei Smartphones eigentlich kein Unterschied mehr zwischen Geräten für Privat- und Geschäftsleuten.

Ein weiteres Gerücht, das deswegen nicht ganz so abwegig klingt: RIM könnte versuchen, das kommende System Blackberry 10 an andere Hardware-Anbieter wie Samsung und HTC zu lizenzieren. Ein schweres Jahr steht RIM in jedem Fall bevor. Aber eine Übernahme durch Microsoft und Co? Höchstens, wenn MS den derzeit noch stärkeren Konkurrenten vom Markt wegkaufen wollte. Denn dann wäre der Weg frei für Windows Phone als Nummer 3.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.