Austin wird zweite Google Fiber-Stadt

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Noch sind es nur Gerüchte, aber morgen Vormittag werden Google und die Stadt Austin eine „wichtige Ankündigung“ machen, die sich positiv auf die Zukunft der Stadt auswirken soll. So ungefähr lautet der Text einer Einladung, die an Pressevertreter ging und alle sind sich sicher: Google Fiber kommt nach Austin, Texas.

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Gelöschter Blog-Post verstärkt Gerüchte

Befeuert werden die Gerüchte durch einen Blog-Post im offiziellen Firmenblog mit der Überschrift: „Google Fiber’s next stop: Austin, Texas“, der allerdings keinen Inhalt hatte und ruckzuck wieder gelöscht wurde. Die Technik-Welt hingegen ist sich sicher: Nach Kansas City kommt das schnelle Google-Internet nun in die zweite Stadt.

Ganz korrekt ist das allerdings nicht, denn Google Fiber wurde südlich von Kansas City schon in einem Vorort namens Olathe ausgebaut. Während ich nach wie vor nicht verstehe, weshalb Google Kansas als ersten Standort ausgewählt hat, macht Austin ein bisschen mehr Sinn, denn die Stadt ist hip und in – unter anderem das SXSW-Festival wird dort jährlich veranstaltet, wo Google dieses Jahr seinen sprechenden Schuh vorgestellt hat. Hinzu kommt, dass neben zahlreichen Startups auch Firmengrößen wie Dell, Samsung, IBM, AMD und Intel hier sitzen.

Google Fiber: Bluff oder nicht?

Doch warum baut Google sein Fiber-Projekt überhaupt aus? Zwar hat Eric Schmidt, Vorsitzender des Google-Verwaltungsrat, jüngst betont, dass es sich nicht nur um ein kleines Experiment handele, sondern, dass man es erst meine mit Google Fiber. Ich bleibe aber nach wie vor skeptisch, denn die gesamten USA abzudecken wird äußerst kostspielig und langwierig: Goldman Sachs hat ausgerechnet, dass ein nationaler Ausbau 140 Milliarden Dollar kosten würde – auf Googles Konto hingegen liegen „nur“ 45 Milliarden Dollar.

Daher sehe ich Google Fiber weiterhin lediglich als Druckmittel, um die üblichen Netzanbieter zum Ausbau anzuregen – mit der Drohung, es nötigenfalls selbst zu tun und somit Time Warner Cable & Co. das Geschäft zu ruinieren. Dass Kabelanbieter ihren Service erheblich verbessern müssen, zeigt übrigens ein lustiger, aber gefakter Werbespot des „ersten ehrlichen Kabelanbieters“, der sich seit ein paar Tagen in den USA verbreitet und das schlechte Image der Oligopolisten aufzeigt.

Mehr Fiber-Städte als Druckmittel?

Es könnte allerdings noch einen Zwischenweg geben: Google sucht sich nur ein paar interessante Städte heraus und baut dort Google Fiber aus. Damit würde man nicht das finanzielle Risiko eines landesweiten Ausbaus eingehen, gleichzeitig aber die Drohung aufrechterhalten bzw. eigentlich sogar noch erhöhen. Denn solange Google Fiber nur auf Kansas City beschränkt ist, verlieren die Kabelanbieter nicht viele Kunden und können sich beim Netzausbau weiter zurücklehnen.

Kommt aber Austin dazu – ungefähr doppelt so groß wie Kansas City – ist es durchaus vorstellbar, dass auch bald noch eine dritte Stadt folgt. Da man aber nicht weiß, welche es sein wird – San Francisco, New York, Los Angeles, Seattle, Chicago? – ist man gezwungen, in den nationalen Ausbau zu investieren. Besonders wirksam wäre auch ein kleines Städtchen wie Santa Barbara oder Cambridge – damit müssten die Kabelanbieter auch den regionalen und ländlichen Ausbau vorantreiben, um nicht von Google überrollt zu werden. In beiden Fällen hätte Google jedoch das Pokerspielchen gewonnen.

Wann kommt die internationale Expansion?

Das macht es übrigens auch ein klitzekleines Stückchen wahrscheinlicher, dass Google irgendwann auch außerhalb der USA sein Pokerspielchen spielen könnte – vielleicht ist da aber auch eher der Wunsch Vater des Gedanken; mit einem schnellen internationalen Ausbau ist derzeit jedenfalls nicht wirklich zu rechnen. Schön wäre es aber schon.

Bild: Flickr / Robert Scoble (CC BY 2.0)

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3 Kommentare

  1. Negativity

    ich bin zwar kein telefontechniker, aber bei den kosten für breitband trifft sicherlich ungefähr die pareto verteilung zu, so dass google mit einem bruchteil der 140 milliarden bereits einen großteil der kunden erreichen kann, wenn man sich nur auf großstädte beschränkt.

    angesichts themen wir netzneutralität, steigendem datenvolumen und ISPs die das traffic volumen beschränken wollen, bleibt google doch gar nichts anderes übrig, als selbst für die leitungen zu sorgen.

  2. Michael

    Hm… ich denke mal, Konkurrenz belebt das Geschäft – ein solches Vorgehen könnte sicherlich auch für die Telekom und Kollegen in Deutschland einen Push in Sachen Kundenservice etc. erzeugen…

  3. Joaquin

    Es liegt doch auf der Hand, dass ein Anbieter im Netz, sich nicht abhängig machen will von äußeren Anbietern. Die Rechnung mit den Kosten ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, denn sie beinhaltet keine Gewinne aus einem solchem Netz und berücksichtigt auch nicht den zeitlichen Aspekt. Man will ja nicht die USA auf einem Schlag mit dem Netz überziehen.

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