Internet-Benimmregeln: StudiVZ spielt den Moralapostel und hält sich selbst nicht daran

Michael Friedrichs

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Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will demnächst Benimmregeln für soziale Netzwerke, Blogs und Chat-Foren einführen, damit Kinder und Jugendliche im Netz noch besser geschützt werden können. Das hat sie gestern der Rheinischen Post erzählt und damit gleich wieder eine neue Debatte über Notwendigkeit, Sinn und Unsinn eines Verhaltenskodex vom Zaun gebrochen. Heute Morgen dann der erste „Hier, ich mach mit“-Schrei. Die VZ-Gruppe unterstütze die Forderung der Familienministerin ausdrücklich, heißt es in der Pressemitteilung von CEO Markus Berger-de León. Man appelliere an Politik, Gesellschaft, Bildung, Kultur und Online-Wirtschaft, gemeinsam einen für alle Internet-Teilnehmer verbindlichen Kodex nach Vorbild der VZ-Verhaltensregeln zu entwickeln.

Ganz schön nett das Angebot der Betreiber. Aber es kommt noch besser. Weil die VZ-Gruppe ja bereits seit 2007 Verhaltensregeln für die Nutzung seiner Plattformen eingeführt habe, lade man Ursula von der Leyen jetzt ein, sich ein umfassendes Bild von den praktischen und vor allem guten Erfahrungen in den Bereichen Daten- und Jugendschutz sowie Medienkompetenzförderung zu machen – und auf Basis dessen allgemein gültige Benimmregeln auszuarbeiten.

Das hat gesessen und ich bin erst einmal ein wenig sprachlos. Außerdem weiß ich nicht, ob ich weinen oder laut lachen soll. Stand die VZ-Gruppe als Betreiber „von Deutschlands größtem sozialen Netzwerk für alle Altersgruppen“ mit knapp 15 Millionen Mitgliedern in der Vergangenheit nicht schon des Öfteren in der Kritik, es mit Daten- und Jugendschutz nicht so genau zu nehmen. Spontan fallen mir folgende Geschichten ein: Dubiose Nazi-Satiren, unflätige Spanner-Videos, umstrittene Gruppen-Inhalte, Sex-Angebote gegen Taschengeld, zahlreiche Sicherheitspannen und versehentliche Löschung von ganzen Gruppen. Von welchen praktischen und guten Erfahrungen ist hier also die Rede? Keine Ahnung. Sicher, in letzter Zeit ist es in Sachen Pannen ruhiger geworden in Berlin. Mit der Wahlzentrale zur Europa- und Bundestagswahl will der Betreiber verlorenen Boden wieder gut machen.

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Zurück zu den Verhaltensregeln: Deren Notwenigkeit steht außer Frage. Meiner Meinung nach obliegt aber deren Einhaltung nicht Ursula von der Leyen, sprich dem Gesetzgeber, sondern den Betreibern der entsprechenden Angebote. Aber wie heißt es so schön: Papier ist geduldig und Webseiten mit Verhaltensregeln sind noch viel geduldiger – insbesondere dann, wenn sie so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen werden und ein Verstoß nicht geahndet wird.

Ich hab gleich mal die Probe aufs Exempel gemacht: „300 Euro Taschengeld in 30 Minuten“. Laut Gruppenbeschreibung werden nur Leute aufgenommen, die das Taschengeld wirklich brauchen und schon über 18 Jahr alt sind (Screenshot siehe oben). Ebenfalls bemerkenswert: In über 300 StudiVZ-Gruppen dreht sich alles um das Thema Sex. Besonders originell: „Ich hätte jetzt gern mal spontan Sex“, „Spanking, Pofetisch, BDSM und Sex“ und „Willst richtig geilen Sex? Frag doch“. Übrigens entsprechen auch einige Bilder (sowohl Gruppe als auch Mitgliederprofil) nicht unbedingt den Richtlinien des VZ-Netzwerkes.

In diesem Sinne: Wenn man schon mal im Glashaus sitzt, kann man auch mit Steinen werfen.

(Michael Friedrichs)

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Michael Friedrichs hat als Redakteur für BASIC thinking im Jahr 2009 fast 400 Artikel veröffentlicht.