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Kostenlose 'Blockbuster' bei MyVideo.de: kurzer Test und Vergleich des Flash-Kinos

MyVideo, der YouTube-Klon aus dem Hause ProSiebenSat1 hat am heutigen Montag angekündigt, sein Portfolio an kostenlosen Filmen auf über 200 aufzustocken. Dabei betont die Portalgesellschaft besonders den Oscar-gekrönten Streifen „Das Leben ist schön“. Ansonsten ist das Angebot allerdings eher mau. Da finden sich dann so grandiose Titel wie „Der Angriff der 20 Meter Frau“ und „Der Venedig Code“. Zugegebenermaßen bietet die Science-Fiction-Abteilung aber auch „Dune – Der Wüstenplanet“ und den mäßig erfolgreichen, aber dennoch ansehbaren „The 13th Floor“, dessen dümmlicher deutsche Titel „Abwärts in die Zukunft“ mir bisher entgangen war.

Im Mai 2009 hatten wir uns das Portal schon einmal angesehen, seitdem hat sich aber die Auswahl offenbar verändert. “American History X” beispielsweise ist gar nicht mehr vorhanden. Sehr gewöhnungsbedürftig auch die interne Suchfunktion: in der Hoffnung, die damals angepriesenen Filme seien noch irgendwo versteckt, habe ich im Kino-Bereich nach ihnen gesucht. Als Ergebnis erhielt ich aber nur zwei Seiten mit unbrauchbaren Ausschnitten aus dem Werk, die irgendwelche User hochgeladen hatten. Eine Suchfunktion nur für die Abteilung “Blockbuster” wäre schon wünschenswert.


Finanziert wird der Dienst durch Unterbrecherwerbung, wie sie uns aus dem Fernsehalltag bekannt ist. Wie das dahinterstehende System genau arbeitet, ist mir im Kurztest nicht klar geworden. Jedenfalls hat es noch einige Macken. Jedes Mal, wenn ich mich entschlossen hatte, die Vorteile des Flashsystems zu nutzen und per Mausklick zu einem anderen Punkt im Video zu gelangen, zeigte mir die Plattform drei Werbespots an. Auch wenn der letzte Kaufanreiz erst vor fünf Sekunden gesendet wurde. Das Problem der Altersüberprüfung bei Filmen, die die Freiwillige Selbstkontrolle erst ab 16 Jahren freigegeben hat, ist relativ moderat gelöst: zum Betrachten muss der Filmliebhaber sich einen Account zulegen, in dem er auch sein korrektes Geburtsdatum angibt. Problem gelöst.

Maxdome aus dem gleichen Hause hat insgesamt weit mehr zu bieten, dafür sind die meisten Filme aber auch nicht kostenlos. Dort schlägt der Online-Verleih des MyVideo Top-Filmes mit Roberto Benigni mit 2,99 Euro zu buche. Allerdings ist der Gratis-Bereich der Online-Videothek auch gut bestückt, jedoch mit völlig anderen Werken als bei dem YouTube-Klon. Hier sind es vor allem selbst produzierte Fernsehfilme von SAT.1 und ProSieben, die die virtuellen Regale füllen. Darunter etwa „Fleisch“, das 2008er Remake des ZDF-Thrillers aus den späten Siebzigern, und „Das Jesus Video“ frei nach dem Roman von Andreas Eschbach. Wer also auf die Eigenproduktionen dieser Privatfernsehgruppe steht, wird nach der Anmeldung und der Installation von Silverlight gut versorgt. Die notwendige Angabe von Name und Anschrift mag den einen oder anderen aber von diesem kostenlosen Angebot abhalten, so dass die wirkliche Konkurrenz für das freie Videoangebot wohl eher im Bereich der anmeldefreien Videoportale liegt.

Lassen wir kino.to außen vor, weil es sich um kein wirklich legales Portal handelt. Dann fallen mir auf Anhieb zwei Wettbewerber ein: YouTube Movies und der Service von Bild.de. Neben dem geplanten Bezahlangebot präsentiert die Google-Tochter nämlich auch kostenlos einige Filme. Allerdings hat dieser Service sogar zwei große Nachteile: zum einen zeigt die Seite zwar deutsche Genretitel, die  Videos sind aber englischsprachig. Zum anderen sind hier einigermaßen bekannte Streifen noch weniger zu entdecken, als bei der deutschen Konkurrenz. Einzig der Animations-Klassiker „Animal Farm“ fällt halbwegs in diese Kategorie.


Schauen wir uns zuletzt den deutschsprachigen Wettbewerber aus dem Springer-Verlag an. Eine Kurzdurchsicht offenbart auch hier vor allem eher unbekannte Werke. Top-Film bei der Boulevard-Zeitung ist „Die Prophezeiung“ aus dem Jahr 2000. Im Gegensatz zur MyVideo-Lösung ist es hier problemlos möglich vor- und zurückzuklicken. Wer auf die Schimanski-Reihe mit Götz George steht, wird bei dem Springer-Blatt ebenfalls gut bedient. Im Portfolio befinden sich nämlich immerhin elf anderthalbstündige Krimis mit dem Ruhrpott-Kommissar. Die Kontrolle ist hier sogar noch toleranter als bei MyVideo: um die Beiträge aus dem altersbeschränkten Angebot zu sehen, muss der User nur wahrheitsgemäß die Frage beantworten, ob er schon 16 Jahre alt ist. Ein System, das zumindest wirklich einfach zu benutzen ist.


Insgesamt können die kostenlosen Dienste alle nicht mit den Blockbustern aufwarten, die uns die Werbung verspricht. Aber für ein paar Stunden kostenloser Unterhaltung sind die wenigen Topfilme von MyVideo und Bild.de schon zu gebrauchen. Der Rest der Angebote ist dann mehr etwas für Leute mit sehr viel Langeweile oder sehr speziellem Geschmack.

(Nils Baer)


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Über den Autor

Nils Baer

Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

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