Sonstiges

Kein Tod, bloß ein Generationswechsel? Digg-Gründer räumt Chefposten, Yigg kann nicht klagen

Vergangenen Freitag haben wir über den Tod der Social-Bookmarking-Dienste geurteilt. Am Wochenende hat sich die Indizienlage weiter verschärft, doch ein paar Überraschungszeugen haben eine Lanze für Social News gebrochen. Die schlechten Nachrichten: Digg-Gründer Kevin Rose hat genug und tritt als CEO zurück. Er bleibt dem Aufsichtsrat erhalten, will sich aber vornehmlich einem neuen Projekt widmen.

Beim Konkurrenten Reddit indes wollen sich die Hiobsbotschaften einfach nicht einstellen. Zwar haben gleich zwei Entwickler das Team in den letzten Tagen verlassen. Reddit hat die Zahl seiner Pageviews innerhalb eines halben Jahres aber von 500 Millionen auf eine Milliarde verdoppelt. Entwickler Mike Schiraldi erklärte in einem Blogposting, er werde weiterhin sein halbes Leben auf Reddit verbringen, habe aber ein Traumangebot von Google erhalten und findet, dass jeder Programmierer einmal in seinem Leben dort arbeiten sollte. Seinen Abgang erklärt er so: „Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere will ich an einem Ort arbeiten, wo die Programmierer bis zur Spitze reichen, wo die Richtlinien bei Personal und IT und allem anderen von Nerds im Geiste entworfen werden und nicht von Magazinverlegern.“ Reddit gehört zur Digitalsparte des US-Verlagshauses Condé Nast. Unterdessen scheint es auch dem deutschen Dienst Yigg nicht all zu schlecht zu gehen.

Yigg hat weniger Geld als früher

Yigg-CEO Michael Reuter teilte uns in einem Kommentar unter unserem Beitrag vom Freitag mit, wie es um sein Projekt bestellt ist. Derzeit litten die Social-News-Dienste über Änderungen in den Suchalgorithmen. Man habe sich jedoch gefangen: „Der absolute Traffic ist deutlich niedriger als vor 2 Jahren, die täglichen Registrierungen neuer Nutzer und die Aktivität aller Nutzer war dagegen noch nie so hoch wie in den letzten Monaten.“

Verkraften musste Yigg aber auch den Weggang vieler Nutzer aufgrund eines stark kritisierten Webdesigns im Juni 2008. Inzwischen scheint Yigg inhaltlich und optisch wieder auf Kurs zu sein. Vor anderthalb Jahren habe man sich dazu entschlossen, verschiedene Dinge zu testen und Veränderungen umzusetzen. Reuter gibt allerdings zu: „Da uns weniger finanzielle Resourcen als früher zur Verfügung stehen, sind wir in der Umsetzung der Verbesserungen langsamer als wir uns das wünschen würden.“

Yahoo hat unterdessen nach dem angekündigten Verkauf von Delicious am vergangenen Wochenende auch den baldigen Tod der alternativen Suchmaschine AllTheWeb angekündigt. Eine der ältesten Relikte des Suchmaschinenmarktes wird dann in die Yahoo-Suche integriert. Das Blognetzwerk MyBlogLog soll am 24. Mai folgen. Delicious ist damit wohl Opfer einer Strategie des kriselnden Webriesen Yahoo, der sich derzeit von vielen Geschäftsbereichen trennt. Im Falle der anderen Dienste scheint ein Tod indes noch nicht ausgemachte Sache zu sein. Die Nachfrage nach verlinkbaren News boomt bei den Internetnutzern nach wie vor. Allenfalls ihr Fokus hat sich ein wenig verschoben. Darum liegt es mehr denn je an der Nutzerfreundlichkeit der Dienste, ob die Nutzer ihre Links auf Twitter oder Facebook teilen – oder auf den altbekannten Social-Bookmarking-Diensten.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

3 Kommentare

  • Hallo Jürgen,

    vielen Dank für den zweiten Beitrag zum Thema Social News!
    Beim Lesen fällt mir u.a. auf: bei YiGG sind wir uns komplett bewusst, dass wir beim Thema Design grossen Nachholbedarf haben. Sobald wir unseren „Entschlackungsprozess“ beendet haben, werden wir das Design angehen (und sind guten Ideen gegenüber natürlich aufgeschlossen)!

    Und noch ein Wort zum Entschlackungsprozess: wir haben in den letzten Jahren einige Funktionen hinzugefügt, die unsere Nutzer kaum eingesetzt haben. Diese haben wir bereits entfernt, auch wenn es den einen oder anderen geschmerzt hat. Momentan prüfen wir, welche Funktionen wir zusätzlich entfernen können, um letztendlich ein Minimal-Set an Featutes zu haben, das – verbunden mit einem ansprechenden Design – einen hohen Nutzwert erzielt.

    Stolz sind wir im übrigen auch auf das Niveau der Konversationen auf YiGG: hier diskutieren Nutzer aktiv und auf hohem Niveau – ohne die üblichen Troll-Elemente – über anspruchsvolle Themen wie EU-Gesundheitspolitik oder Atomkraft, wie auch über eher Lifestyliges wie den Sinn oder Unsinn teurer Sportwagen oder der Sucht nach neuen Kommunikations-Gadgets.

    Ich bin überzeugt davon, dass selbst in Zeiten der Nutzung von Twitter und Facebook als News-Plattformen Raum für spezifische Anwendungen bleiben wird.

    Gruss, Michael

  • Yigg ist das überflüssigste Portal das ich kenne. Mich wundert es, dass Google die noch nicht ins Nirvana (Ranking) geschickt hat.

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