Gigalocal verortet Wünsche auf einer Karte: Deutschland holt auf

Jürgen Vielmeier


Der Onlinemarktplatz Gigalo.de will heute Nachmittag auf der Webkonferenz Re:publica die App Gigalocal vorstellen, die Jobangebote und Wünsche auf einer Karte verortet. Man kann dort etwa Gesuche einstellen wie „Fänd’s klasse, wenn mir jemand ein Eis vorbei bringt. Spendiere 5 Euro dafür“. Wer in der Gegend ist, kann das Angebot auf einer Karte lesen oder sich per Alarm darüber informieren lassen, es annehmen und das Geld dafür kassieren. Nicht minder interessant finde ich, dass mit Hanse Ventures ein deutscher Investor das Projekt fördert. Zwar lässt sich mit dem Marktplatz dahinter Geld verdienen. Aber ansonsten wirkt vieles an Gigalocal wie ein Spaßprojekt – das man eigentlich aus den USA erwartet hätte.

Drehen wir die Uhr ein paar Wochen zurück, als in Austin, Texas, der Kongress SXSW stattfand. Dieser hatte in den Vorjahren Webunternehmen wie Twitter und Foursquare groß raus gebracht. In diesem Jahr hat man pfiffige Ideen dafür eher mit der Lupe gesucht. Gruppenchats auf dem Smartphone waren diesmal der Trend. Sicher nicht überflüssig, aber in ihrer Masse weder revolutionär, noch übermäßig interessant. Kundennutzen und Geschäftsmodelle sind bei der Konferenz traditionell weniger wichtig, aber auch ein Killer-Startup hat diesmal gefehlt. Es war schlicht nichts dabei, woraus man einen Hype hätte erzeugen können.

Nicht minder spannend zumindest das deutsche Pendant: Dailyplaces aus Frankfurt hat eine Mischung aus Group Chat und Checkin geschaffen, Chatten mit Menschen, die gerade in der Nähe sind. Von „Takes Questions“, der neuen Community der Berliner Musikplattform Soundcloud, habe ich bezeichnenderweise zuerst in US-Techblogs gelesen. Und hierzulande hat Gigalo.de mit Gigalocal jetzt also ein Konzept vorgestellt, dem ich zutraue, dass es die ganze Welt interessieren könnte. Während Gigalo zwar nur einer von vielen Klonen des US-Niedriglohn-Marktplatzes Fiverr ist, erweitert Gigalocal die Idee mit einer App, die das Original noch nicht zu bieten hat. Kommt es nur mir so vor, oder habt ihr auch den Eindruck, dass sich in der deutschen Startup-Szene derzeit einiges bewegt?

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.