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Was machen zwei YouTube-Gründer mit Milliarden auf dem Konto? Sie kaufen Delicious


Die beiden YouTube-Gründer Chad Hurley und Jason Chen sind zurück und sie haben etwas Außergewöhnliches getan: Sie haben Yahoo Delicous.com abgekauft, einen der einst führenden Social-Bookmarking-Dienste. Chen und Hurley wollen den Service in ihr neues Unternehmen Avos aufnehmen. Derzeit seien sie eifrigst dabei, Personal anzuheuern, um die heutzutage grassierende Informationsflut einzudämmen, schreiben sie in der Pressemeldung dazu. Konkreter werden sie erst einmal nicht.

Über den Kaufpreis wurde ebenfalls nichts bekannt. Er dürfte sich aber im Rahmen der 1 bis 2 Millionen US-Dollar bewegen, die Yahoo unbestätigten Meldungen zufolge im März dafür gefordert hatte. Das dürften Peanuts für Chen und Hurley sein, die YouTube im Jahr 2007 für 1,76 Milliarden Dollar an Google verkauft haben. Anders als Yahoo wollen sie Delicious weiter betreiben und in den kommenden Monaten in enger Zusammenarbeit mit der Community renovieren.

Mit etwas Altem zum neuen YouTube?

Warum es gerade Delicious sein sollte, verraten Chen und Hurley nicht. Die Seite ist eher Verursacher statt Lösung für die alltägliche Informationsflut. Ob das neue Delicious etwas mit dem geplanten, neuen Webservice zu tun haben wird, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Oberste Priorität sei jetzt erst einmal, für Delicious ein Plugin für den Firefox 4 zu entwickeln. Social Bookmarking könnte also auf eine neue Stufe gehoben werden.

Delicious war im Jahr 2003 von Joshua Schachter gegründet worden, der heute nach einem kurzen Ausflug bei Google für ein neues Webunternehmen namens TastyLabs arbeitet. Schachter verkaufte Delicious im Jahr 2005 für geschätzte 30 Millionen Dollar an Yahoo und erhielt davon selbst rund 15 Millionen. Der Boom personalisierter Link-Empfehlungen auf Facebook und Twitter macht den Social-Bookmarking-Diensten allerdings zu schaffen. Und so war Yahoo das Lachen daran derart vergangen, dass man den Dienst im Zuge eines allgemeinen Ausverkaufs erst abschalten und dann immerhin verkaufen wollte.

Ob Chen und Hurley Delicious neues Leben einhauchen können, müssen sie jetzt beweisen. Ich habe da eher Zweifel. Sie holen das Unternehmen jedenfalls in ihre Heimat zurück, San Mateo in Kalifornien. Nur wenige Blocks vom neuen Büro entfernt hatten die beiden damals YouTube gegründet.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

28 Kommentare

  • > Die Seite ist eher Verursacher statt Lösung für die alltägliche Informationsflut.

    Für diese Aussage hätte ich ja gerne mal eine Begründung gehört. Faktisch bietet dieses Bookmarking explizite und implizite Möglichkeiten, Bookmarks zu kategorisieren und semantisch zu vernetzen.. Dass hier auch SEO betrieben wird, ist Kennzeichen der vorherrschenden Googlehörigkeit.

    Bleibt zu hoffen, dass Delicious mit Augenmerk behandelt wird und das ausgefeilte UI nicht zugemüllt wird. Eine „echte“ Plugin-Lösung wäre dagegen sehr zu begrüßen.

  • Gekauft – oder übernommen? Mancherorts liest es sich fast eher so, als sei Yahoo froh gewesen es los zu werden. Z.B., dass sie es noch ein Jahr hosten…

  • Bin sehr froh dass der Dienst weitergeführt und nicht einfach geschlossen wird. Denke das ist ein guter Deal sowohl für Yahoo (die es ja offensichtlich einfach loshaben wollen), die Käufer und vor allem die Kunden.

  • Delicious ist Yahoo wohl zu „klein“ im Vergleich zu Facebook. Ich finde Delicious nach wie vor bestens geeignet um meine Bookmarks zu verwalten. Würde Delicious mal anfangen mir relevante Werbung einzublenden, dann würden sie auch paar Dollar mehr verdienen.

    Yahoo kann wohl auch niemandem ernsthaft erzählen, dass man mit Delicious kein Geld verdienen kann. Im Vergleich zu z.B. Flickr dürften die Datenmengen nur ein Bruchteil sein.

  • > Die Seite ist eher Verursacher statt Lösung für die alltägliche Informationsflut.

    Diesen Satz verstehe ich auch nicht. Delicious war für mich in den letzten 7 Jahren ein prima Begleiter. Für mich der beste Bookmarking-Dienst, eben weil es dort semantische Ordnung der Links gibt. Ich nutze das seit Jahren auch schon als Suchmaschinen-Ersatz und finde dort immer wieder Sachen, die ich bei Google nie gefunden hätte. Insofern bin ich sehr erleichtert, dass es nun in gute Hände übergeben wurde. Mal schauen, ob die beiden Youtube-Erfinder es sogar weiter entwickeln können.

  • > Die Seite ist eher Verursacher statt Lösung für die alltägliche Informationsflut.

    Über den Satz habe ich mich auch geärgert. Nicht jeder der Social Bookmarks anlegt, hat immer nur SEO im Hinterkopf. Die Grundidee hat mir zumindest geholfen, die Informationsflut im Web zu organisieren.

  • Kann den ganzen rummel nicht verstehen um SocialBookmarking…
    ich persönlich kann damit nix anfangen, ist doch total scheisse sich immer einloggen zu müssen zwecks favoriten aufruf… gibt doch so nette firefox addons (siehe xmarks) , die einem einfach alle lesezeichen synchronisiert an so vielen PCs wie man das gerne hätte… naja just my 2 cents….

  • Ich bin mal gespannt was die beiden YouTube Gründer vorhaben. Hab bisher Delicious noch nicht verwendet, vielleicht bietet sich das mit einer Plugin Lösung jetzt ja an.

  • Ich finde mehr sinnvolle Seite bei Delicious als bei Google. Ist eben die „Relevanz der Masse“ die mir hilft, die Informationsflut in den Griff zu bekommen. Bei Google nach z.B. „privater Krankenversicherung“ zu suchen, ist reine Zeitverschwendung. Da find ich bei Delicious schon eher relevante Inhalte.

  • @ Michael: Leider wird der Dienst trotzdem von manchen für SEO missbraucht. Vor diesem Hintergrund macht die Aussage durchaus Sinn. Für den Einzelnen kann Social Bookmarking natürlich trotzdem Sinn machen, das sehe ich genau so wie du.

  • @EricSnepo: Für das reine Anzeigen muss sich niemand anmelden – die Accounts sind primär public. Es gab auch keine Beschränkung der Accounts pro User. Nur das Speichern und Taggen war trotz aufgeräumtem UI leider trotzdem nicht so einfach wie eine native Bookmark im Browser zu setzen.

  • Habe Delicious nie als Networklösung gesehen – in fact – ich hab sogar nur meine eigenen Bookmarks beachtet und es somit als Archiv für Informationen genutzt. Und ich ich glaube dass macht sonst auch kaum jemand anders – jedenfalls in meinem Bekanntenkreis.

    Bin inzwischen bei Pinboard (Delicious ohne Stylesheet) und bleibe wohl auch dabei – Alternative Services wie Diigo oder Zootool sind mir einfach zuviel – und genau in die Richtung wird delicious jetzt auch gehen – bin ich mir recht sicher.

    …aber …. überraschen lassen.

    Im Jedenfall haben Twitter und Facebooklinks für mich eine Halbwertszeit von 2 Minuten….

  • Was meint ihr denn mit „fehlende Plugin-Lösung“? Es gibt doch Plugins für Firefox und Apps fürs iPhone von und für Delicious?

    Vor allem muss man sich damit fürs Speichern nur einmal einloggen, das reicht.

  • Bookmarking-Dienste gibt es ja einige.

    Vor einigen Monaten wurde Mister Wong, der einst größte deutschsprachige Bookmarkdienst, grundlegend renoviert. Aus dem ehemaligen Bookmarkdienst ist ein Informations- und sozial Media Anbieter geworden, die sich als Ergänzung zu Facebook und Twitter sieht.

    Falls dieses Modell auf Dauer erfolgreich ist, wäre dies auch eine Möglichkeit für delicious….

  • Eigentlich war Delicous.com kurz vor dem aus. Man dürfte gespannt sein was daraus wird. Möglichkeiten gibt es ja viele. Ich glaube kaum das der Bookmark-Service Delicious so bleibt wie er ist. Man kan sich vorstellen das man mit einigen erweiterungen durchaus eine seite ala Facebook und Twitter aufbaut. Allein mit dem Bookmark-Service dürfte kaum Geld zu verdienen sein.

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