Yahoo: CEO Scott Thompson geht, teilte dem Aufsichtsrat mit, dass er Krebs habe

Jürgen Vielmeier

Scott Thompson ist vom Posten des CEO von Yahoo zurückgetreten. Er werde das Unternehmen verlassen, teilte Yahoo in einer offiziellen Stellungnahme mit. Sein vorübergehender Nachfolger wird Ross Levinsohn, der sechste Yahoo-Chef in fünf Jahren. Levinsohn schwor das Unternehmen in einem Antritts-Memo auf die Fortführung des Wandels ein, den man bereits vor einigen Monaten begonnen habe.

Neben Thompson gehen aus dem Yahoo-Vorstand auch Patti Hart, VJ Joshi, Arthur Kern und Gary Wilson. Auch Chairman Roy Bostock tritt von seinem Amt zurück, soll dem Board aber erhalten bleiben. Sein Nachfolger wird Fred Amoroso. Großaktionär Dan Loeb hat den Machtkampf damit gewonnen. Er wird Mitglied des Vorstands, zusammen mit zwei weiteren Repräsentanten des Großaktionärs Third Point, Harry Wilson und Michael Wolf. Yahoo zog damit die Konsequenzen um falsche Angaben in Thompsons Lebenslauf, die Loeb aufgedeckt hatte.

Thompson hat angeblich Krebs

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Thompson hatte darin angegeben, einen Abschluss in Informatik zu haben, obwohl es in Wahrheit nur ein Titel in Buchhaltung war. Mehr als ein kleiner Schummler: Thompson hatte diesen Titel zehn Jahre lang in seinem Lebenslauf geführt und in einem Interview im Jahre 2009 nicht widersprochen, als ein Reporter ihn darauf ansprach. Weil sie den Lebenslauf vor Thompsons Amtsantritt durchgewunken hatte, hatte Vorstand Patti Hart bereits vergangene Woche auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Merkwürdiges Timing: Laut dem „Wall Street Journal“ soll Thompson dem Board vergangenen Woche außerdem mitgeteilt haben, dass er Schilddrüsenkrebs habe. Das solle zu seinem Rücktrittsgesuch beigetragen haben. Loeb hat als Mitglied des Vorstands derweil gute Aussichten, auf absehbare Zeit auch CEO zu werden. Er hatte eine Kampagne gegen den bisherigen Vorstand angeschoben und darin das Missmanagement der vergangenen Jahre angeprangert. Die Probleme allerdings bleiben: Das Internet-Urgestein hat bisher wenig Erfolgreiches in Sachen Social Web und Mobile unternommen. Fähige Mitarbeiter haben derweil das Unternehmen in Scharen verlassen. Web-Experte Om Malik erwartet, dass Levinsohn den Wandel mit einer Reihe von Aufkäufen herbei führen könnte. Je nachdem, wie lange er CEO bleibt, und ob es nicht erneut zu einem Machtkampf mit Loeb kommt, der nun in einer weit besseren Position sitzt.

(Jürgen Vielmeier, Bild: Yodel Anecdotal (CC BY 2.0))

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.